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The Bosshoss: Liberty Of Action (Deluxe Version; VÖ: 25. November 2011; Island/Universal)
CD: 1. Liberty Of Action, 2. Don´t Gimme That, 3. Live It Up, 4. The Answer, 5. I Keep On Dancing, 6. My Way, 7. Still Crazy ´bout Elvis, 8. Hayday, 9. My Country, 10. Sex On Legs, 11. Riding High, Singing Low, 12. Money (That´s What I Want), 13. Run Run Devil, 14. Killers; Bonus Tracks: 15. L. O. V. E., 16. Dr. Kitch, 17. My Way (Drifter Version), 18. Hey Baby, Don´t Gimme That (Mississippi Beat Machine) DVD: 1. Texas Rockumentary „Bosshoss Mess With Texas“, 2. Music Video: „Don´t Gimme That“, 3. Live Rockumentary „Ring On Fire“ Strahlend weiße Unterhemden bzw. Wifebeater, dunkle Sonnenbrillen, tief ins Gesicht gezogene Stetsons – wer momentan sich mit aus Deutschland stammender Countrymusik beschäftigt, kommt an der siebenköpfigen Berliner Cowboyband „The Bosshoss“ eigentlich nicht mehr vorbei. Vor allem Alec „Boss“ Völkel und Sascha „Hoss“ Vollmer sind zur Zeit als Jurymitglieder bei der Castingshow „The Voice of Germany“ medial präsent. Gleichzeitig sind sie nach eineinhalb Jahren kreativer Pause mit ihrem im letzten November erschienenen Album „Liberty Of Action“ in den Charts. Countrymusik in den deutschen Charts auf den vorderen Plätzen! Darüber muss natürlich berichtet werden. Der Titelsong „Liberty Of Action“ – Freiheit des Handelns – ist auch musikalisches Programm der Countryrocker. Ihr Genremix ist eine bunte Mischung aus modernem Rock, Rockabilly, Rock´n´Roll, Blues, Pop und natürlich Country. Dennoch bildet dieser Stilmix bei Bosshoss eine harmonische Einheit und führt aber gleichzeit dazu, dass man bei jedem neuen Hören in den Songs immer wieder eine weitere neue musikalische Facette entdeckt. Langweilig wird das Album auch beim x-ten Anhören nicht. „Liberty Of Action“, in dem die Freiheit des Handelns propagiert wird, ist ein kerniger Rocksong. „Don´t Gimme That“, als Single bereits veröffentlicht, ist ein richtiger Ohrwurm, groovig arrangiert mit Bläserensemble. Du kannst mir alles nehmen, außer meinen Rock´n´Roll, so die Botschaft des Titels. „Live It Up“ erinnert in seiner Lässigkeit zunächst an Uncle Kracker oder auch an Kid Rock. Grooviger Hip-Hop-Stil dann im Refrain. So modern kann Country-Musik klingen. Im Stil des Psychedelic Rock ist „The Answer“ gehalten. Passend zu der thematischen Sinnsuche im Leben wummert die Orgel und die Blues-Harp im Stile der Doors. Gute Laune verbreitet der anschließende Party-Song „I Keep On Dancing“: „Hey if there´s a problem, it´s not my problem“, so eine Zeile aus dem Song. Die Jungs von Bosshoss gönnen dem Hörer keine Pause. Der Truckersong „My Way“ verdeutlicht die Freiheit auf den Highways in bester Hard-Rock-Manier. The Bosshoss haben auf ihrem Album sehr viel selbst komponiertes Material gepackt. Für mich eine Überraschung ist die wunderschön-zeitlose Pophymne „Still Cracy ´bout Elvis“. The Bosshoss leiten den Song mit einem gesampelten Auszug aus „Jailhouse Rock“ ein und drücken mit dieser Homage ihre Bewunderung für Elvis Presley und den Rock´n´Roll aus. Gänsehaut erzeugend, wenn dann die texanische Countrysängerin Patricia Vonne in den Song mit einsteigt. Sie hat zusammen mit Bosshoss diesen Titel geschrieben, der für mich eines der Highlights des Albums ist. „Hayday“ wird von einem hämmernden Beat dominiert und beim nächsten Titel, „My Country“ bedienen sich Bosshoss bei ihren Musikerkollegen von Rammstein. Deren „Mein Land“ wurde hier in einen Westernkontext gestellt. So entstand ein typischer Country- und Westernsong, der durch Akustik-Gitarre und Blues-Harp im typischen Outlaw-Stil die Weiten Texas vor den Augen des Hörers entstehen lässt. Ein Intro, das an den „Egytian Raggae“ erinnert, leitet den wieder im Popstil gehaltenen Titel „Sex On Legs“ ein. Bosshoss spielen gekonnt mit den unterschiedlichen Stilrichtungen. „Riding High, Singing Low“ ist ein bluesiger Rock´n´Roll. An dem von der Blues-Harp überwiegend getragenen Song ist zu erkennen, wieviel Spaß The Bosshoss haben – aber immer auf höchstem musikalischem Niveau. Es schließt sich die großartig zeitgemäße Coverversion des alten Motown-Klassikers „Money (That´s What I Want)“ an. Einflüsse der 60er Jahre Beat- und Psychedelic-Rock-Zeit zeigen sich dann bei „Run Run Devil“. Diesen Titel haben The Bosshoss mit ihrem Jury-Kollegen Rea Garvey geschrieben, der sich hier auch stimmlich einbringt. Mit „Killers“ haben The Bosshoss dann einen alten Motorhead-Titel countryfiziert. Getreu dem Albumtitel, Freiheit des Handelns, folgt mit „L. O. V. E.“ ein - man mag es kaum glauben - Bert Kaempfert-Klassiker. Hier ist dann auch die Casting-Jury-Kollegin Nena zu hören. The Bosshoss spielen respektlos mit den unterschiedlichen Genres, was das Album aber zu etwas Besonderem macht. Im Calypso-Sound wird dann noch Lord Kitcheners „Dr. Kitch“ gecovert, bevor Alternativversionen von „My Way“ und „Don´t Gimme That“ das Album abschließen. Für Texas-Fans ist unbedingt der Kauf der Deluxe-Edition zu empfehlen. Auf der beigefügten DVD befindet sich eine einstündige Dokumentation über den „Roadtrip“ der Berliner Countryrocker durch Texas. Rund um Houston und Austin besuchen die Bandmitglieder unter anderem ein Rodeo, den Austin Speedshop, der sich auf den Bau von Hot Rods spezialisiert hat, oder in Lockhart den Hersteller von Cowboyhüten. Dazwischen gibt es Eindrücke von den umjubelten Auftritten der Band in den angesagtesten texanischen Country-Clubs, wie zum Beispiel den Continental Club in Austin. Ergänzt wird das umfassende Entertainment-Programm dieser Deluxe-Ausgabe mit dem Videoclip zu „Don´t Gimme That“ und der Dokumentation „Ring On Fire“, wo zahlreiche Interviews Eindrücke von den Auftritten der Band bei den großen deutschen Rock-Festivals geben.
Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)
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