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Trailerpark Idlers: In Praise Of Idleness (VÖ: Dezember 2010, Something
Wicked, zu beziehen über Download Portale)
Disc A:
1. There´s Blood On My Yellow Ribbon, 2. The Nights Are So Cold, 3.
Dogpatch Prison, I´m Coming Home, 4. You Won The Battles, I Won The War,
5. Bring Me My Gun Honey, I´m Goin´ In To Town, 6. Roll On Big River, 7.
Moonshine Nights, 8. Yonder, A Train Is Coming, 9. No Flowers upon My
Grave, 10. Lonely Nights & Lonely Days, 11. When The Hard Wind Blows,
12. Back To The Mountains, 13. White Dove
Disc B:
1. The Most Handsome Drunk In Town, 2. Me & My Dog, 3. A Lifetime Of
Lies, 4. I´ll Even Help you Pack, 5. No Longer, Lorena, 6. Hard Times
Have Been, 7. I See There´s A Lord, 8. The Hard Words I Spoke, 9.
Rolling Through The Night, 10. Torches & Rope, 11. The Woman I Really
Am, 12.
We Already Have A Local Drunk, 13. Two Hands
Sowohl der Name der Band, als auch der Titel des Albums „In Praise of
Idleness“ – Im Lobpreis des Müßiggangs bzw. der Untätigkeit – lässt
falsche Schlüsse zu. Wer hier glaubt ein Album mit der musikalischen
Leichtigkeit eines Jimmy Buffett oder Billy Currington vor sich zu
haben, liegt falsch. Der Bandname bzw. Albumtitel ist so eigenwillig und
widersprüchlich wie das gesamte Doppelalbum mit insgesamt 26 Titeln.
Trailerpark Idlers ist eine schwedische Countryband aus dem 83.000
Einwohner zählenden schwedischen Ort Norrkoping, südlich von Stockholm
gelegen. Die vierköpfige Gruppe besteht aus Miss LisaLee und Morgan
Hellman, die neben Gitarrenparts abwechselnd oder auch im Duett („The
Hard Words I Spoke“) den Gesang übernehmen, sowie JK Andersson
(Mandoline, Akkordeon, Banjo, Bass) und Ben Dee (Bass, Banjo, Gitarre).
Die Band existiert seit 2006 und innerhalb der letzten fünf Jahre haben
sie neun (!) Alben aufgenommen, das aktuelle Album eben mit 26 Titeln –
soviel zu „Praise of Idleness“. Dazu geben auf dem Album Stichwörter wie
Dead, Blood, Grave, Train oder Drunk den Anlass für die meisten der
Songs, die überwiegend von Morgan Hellman geschrieben wurden. Also
nichts mit Müßiggang oder Untätigkeit!
So beginnt das Album mit den Trommeln einer Militärkapelle und Miss
LisaLee singt dazu recht beschwingt und fröhlich die Zeilen „There´s
Blood On My Yellow Ribbon/And The Blood Is From My Wounded Man/You Sent
Him To War And Brought Him To A Grave“. Schwedischer Humor ist doch
etwas gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt mainstream.
Das war auch auf den vorhergehenden Alben der Trailerpark Idlers so:
„Burn My Own Farm Down“ oder „The First Of December I Killed Virgil
Hayes“ sind z. B. Songtitel ihres Albums „Well, That´s Life…Or It Was“.
Die musikalischen Wurzeln der Band liegen in der ursprünglichen
traditionellen Countrymusik, im Dixie (z. B. „The Nights Are So Cold“),
im Bluegrass (z. B. „Moonshine Nights“) oder in der Cajun-Musik, die
aber gleichzeitig immer etwas an traditionelle schwedische Volksmusik
erinnert, wie z. B. bei „Back To The Mountains“. Die Trailerpark Idlers
sehen selbst ihre Einflüsse auch bei Hank Williams, der Carter Family
oder bei Johnny Cash. Diese Einflüsse vermischen sie dann mit Elementen
der Punk Musik, was uns zu der irischen Folk-Punk-Band The Pogues führt,
da die Songs, v. a. wenn Morgan Hellman die Lead Vocals übernimmt, oft
irische Tradition aufweisen.
Dies ist etwa bei „Dogpatch Prison, I´m Coming Home“ oder „Yonder, A
Train Is Coming“ der Fall.
Johnny Cash ist aber unbestritten das Vorbild einiger Songs des Albums.
Immer wenn das Eisenbahnmotiv auftaucht, wurde auch das typische Boom
Chicka Boom der meisten Cash Titel im Arrangement übernommen, so z. B.
bei „Rolling Through The Night“. Dagegen übernimmt Miss LisaLee in
einigen Songs die Rolle der Powerfrau, die ihrem Mann den Laufpass gibt,
wie in „You Won The Battles, I Won The War“. Hier nimmt sie sein Auto,
seine Gitarre, seine Lieblingsplatten und verschwindet mit den Worten „I
Learned Through The Years What Hurts You Most“. Bei „I´ll Even Help You
Pack“, hilft sie dem untreuen Mann sogar beim Packen, als sie das
Gerücht hört, er würde sie verlassen. Die Trailerpark Idlers erzählen
Geschichten, wenn zum Teil auch ziemlich skurril, frech und witzig.
Einer dieser recht witzigen Songs ist „We Already Have A Local Drunk“.
Morgan Hellman in der Rolle des betrunkenen Herumstreuners, der von
Stadt zu Stadt zieht und immer wieder mit den Worten fortgeschickt wird:
„Zieh weiter, wir können dich hier nicht brauchen. Wir haben bereits
einen einheimischen Betrunkenen.“ Ein absoluter Anspieltipp, wenn es um
witzige Songs geht, ist „Me & My Dog“, wo Morgan Hellman von seinem Hund
erzählt und Miss LisaLee täuschend echt einen Hund imitiert.
Wer gerne Bluegrass und handgemachte Musik hört, die witzig und frech
ist, sich auf den etwas eigenwilligen schwedischen Humor einstellen kann
und wem Alison Krauss zu brav und zu mainstream ist, sollte mal bei den
Trailerpark Idlers reinhören.
Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net) |