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Sunny Sweeney: Concrete (VÖ: 23. August 2011; Republic Nashville) 22. September 2011
1. Drink Myself Single, 2. From A Table Away, 3. Staying´s Worse Than Leaving, 4. The Old Me, 5. Amy, 6. Worn Out Heart, 7. Mean As You, 8. It Wrecks Me, 9. Helluva Heart, 10. Fall For Me Die Themen der Songs auf Sunny Sweeneys Album werden auf dem Aufkleber der CD-Schachtel genannt. Hier ist zu lesen: Country Advisory: Lyrics About Drinking, Cheating, Crying And Beer. Ja und die Texanerin, die als erste Künstlerin einen Vertrag bei der neuen Plattenfirma „Republic“ unterzeichnete, scheint nach ihrer Scheidung Einiges zum Aufarbeiten zu haben. „Drink Myself Single“, so der Titel des ersten recht rockigen Songs. Die Art des Weins ist ihr egal, ob Rot oder Weiß. Sie verarbeitet die Trennung und betrinkt sich mithilfe des Alkohols zum Single. Anscheinend muss zum Beispiel der Mann bzw. Freund jeden Tag ins Haus gewankt sein. Das möchte sie jetzt auch mal ausprobieren. In diesem ersten Song wird musikalisch bereits deutlich, dass Sunny Sweeney eine Liebhaberin von – wie sie selbst sagt – „old school country“ ist. Die Love und Hate Songs des Albums – so wurden sie kürzlich in einer amerikanischen Rezension eines Countrymagazins bezeichnet – beschäftigen sich fast ausschließlich mit Alltagsproblemen, Beziehungskrisen, Alkohol und mit der Angst um die eigene Zukunft. Traditionelle Instrumente wie die Fiddle oder die Steel Guitar unterstützen das Gefühlschaos emotional. Besonders ist dies im zweiten Song „From A Table Away“ gelungen, der bereits auf der vorab veröffentlichten EP zu finden war und der Sunny Sweeney in diesem Jahr einen ersten Hit in den Country Charts bescherte. Sunny Sweeney erzählt hier eine schöne Geschichte. In einem Lokal beobachtet die weibliche Hauptperson heimlich aus der Sicherheit des gedämmten Lichts heraus ihren Liebhaber, der ihr versprochen hatte, sich von seiner Frau zu trennen. Doch für den Mann scheint sie selbst nur eine Affäre zu sein. Denn neben dem Mann sitzt dessen Ehefrau, die sie an dem Ring erkennt. Vom Nachbartisch beobachtet sie, dass die beiden doch noch recht vertraut sind und er sich niemals trennen wird. Sie wird weiterhin nur eine Affäre bleiben. Der Song fällt durch eine wunderschöne eingängige Melodie auf, die beim Hörer hängen bleibt. Die aktuelle Single „Staying´s Worse Than Leaving“ arbeitet erneut eine kaputte Beziehung auf. Sunny Sweeney erteilt dem Hörer den Ratschlag, dass es oft besser sei zu gehen, als in einer Beziehung zu bleiben, vor allem wenn schon alles probiert wurde, die Beziehung zu retten. Melodische Arrangements, schöne Gitarrensoli, Steel Guitar und Fiddle schaffen trotz der teilweise traurigen Texte musikalisch ein wohliges Gefühl. „The Old Me“ tritt inhaltlich dann etwas aus der Reihe. Der von Lori McKenna und Mark D. Sanders geschriebene Song beschäftigt sich mit der Auseinandersetzung mit dem eignen Ich. Ihr altes Ich lebt das Leben auf der Überholspur („She´s A Firechracker,…a Troublemaker“), während das gegenwärtige Ich das alte Ich immer wieder aus verzwickten Situationen herausholen muss. Rockigere Titel wechseln sich mit eher ruhigen Songs ab. In der Ballade „Amy“ spricht eine Frau die Ehefrau eines Mannes an, mit dem sie eine Affäre hat. Der traditionell gehaltene Song dient ihr als Rechtferigung für ihr Verhalten. Wie man in einer Liebesbeziehung verletzt werden kann, zeigen die beiden nächsten Titel des Albums. „Mean As You“ wurde von den bewährten Songwritern Brett James, Kelly Lovelace und Tim Nichols geschrieben. Und es geht weiter mit der Aufarbeitung der verletzten Gefühle: In „It Wrecks Me“ liebt sie ihn immer noch, obwohl er ihr ständig das Herz bricht und sie daran zugrunde gehen wird. Wie gemein und fies muss wohl der Mann gewesen sein, dessen Herz mit dem Attribut „höllisch“ versehen wird. Der letzte Titel des Albums, an dem Carolyn Dawn Johnson mitgeschrieben hat, zeigt dagegen eine eher positive Grundstimmung. Hier wird das Bild einer selbstbewussten Frau vermittelt, die den Mann auf jeden Fall rumkriegen wird. Dieser könne gar nichts dagegen tun. Das von Brett Beavers produzierte Album erscheint inhaltlich an einigen Stellen recht persönlich, an den meisten Songs hat auch Sunny Sweeney mitgeschrieben. Sunny Sweeneys Stimme ist eindringlich, die Songs sind eingängig-traditionell und versprühen trotz des eher frustrierenden inhaltlichen Hintergrunds eine gewisse Lebensfreude. So ist auch der US-amerikanische Erfolgsautor Robert Hicks, dessen Gedanken zu Sunny Sweeney im Booklet abgedruckt wurden, voll des Lobes und er sagt Sunny Sweeney eine große Karriere voraus. Zu Recht, wie ich finde. Leider lässt aber die Vermarktungsstrategie wieder einmal vermuten, dass die Plattenfirmen den Musikfans das Geld aus der Tasche ziehen wollen. So wurden bereits vor einiger Zeit einige der Titel auf einer EP herausgebracht. Der Countyfan griff natürlich damals bereits zu und zahlt jetzt doppelt. Dennoch lohnt sich die Anschaffung des Albums. Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net) |