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Kasey Chambers: Little Bird (VÖ: 8. Juli 2011; Essence Music
Australia/Sugar Hill Records)
1. Someone Like Me, 2. Beautiful Mess, 3. Devil On Your Back, 4. Little Bird, 5. Georgia Brown, 6. Somewhere, 7. This Story, 8. Love Like A Hurricane, 9. Down On Earth, 10. Nullarbor (The Biggest Backyard), 11. Bring Back My Heart, 12. Invisible Girl, 13. Train Wreck, 14. The Stupid Things I Do (Hidden Track) Kasey Chambers gehört zu den erfolgreichsten Countrysängerinnen Australiens, deren Karriere sehr früh in den 80er Jahren in der Band ihrer Eltern begann. Bei der Dead Ringer Band handelte es sich im Grunde um ein Familienunternehmen, denn auch ihr Bruder Nash war Mitglied dieser Band, die in den 90er Jahren einen Plattenvertrag bei EMI Records unterschrieb. Nach der Trennung der Eltern löste sich auch die Band auf und Kasey tritt seitdem als Solokünstlerin auf. Oft wird sie aber immer noch von ihrem Vater, wie auf diesem Album, oder ihrem Bruder unterstützt. Im Stil der klassischen Singer- und Songwriterin hat Kasey Chambers auf dem aktuellen Album „Little Bird“ alle Songs selbst geschrieben. „Someone Like Me“ beschreibt aus der Sicht einer Frau den perfekten Lebenspartner, dem allerdings nur noch eines fehlt, eine Person wie sie es ist. Die Titel auf dem Album sind sehr eingängig und handeln überwiegend von den zwischenmenschlichen Beziehungen. Kaseys Stimme erinnert teilweise an eine Cindy Lauper oder stellenweise an Nelly Furtado, die Songs stehen eher in der Tradition eines Bob Dylan. Deutlich wird diese Tatsache in dem Song „Devil On Your Back“. Manchmal kommt es einem vor, als trage man die gesamte Last der Welt auf den Schultern. Hier sollte man nicht zurückschauen, denn alles ist eigentlich gut so, wie es ist. In „Little Bird“ wird das Ende einer Beziehung thematisiert, wobei einer von beiden dieses Ende nicht verarbeiten kann. In dem Song „Georgia Brown“, im typischen Bluegrass-Stil gehalten, wird die Geschichte des armen Schluckers Johnny erzählt, der die reiche Georgia liebt. „Somewhere“ beschreibt, was manche Menschen an manchen Orten so bewegt und was ihnen an manchen Orten so passiert. Einfache, zum Teil bildhafte Worte beschreiben Alltägliches und alltägliche Situationen: „Somewhere there´s somebody on the wrong end of a gun“ ist ein Bild, das beim Hören hängenbleibt. „This Story“ handelt erneut von dem Ende einer Beziehung. Das „Märchen“ ist ausgeträumt, doch in einem letzten Flehen möchte die Protagonistin wieder in die Geschichte hineingeschrieben werden. In „Love Like A Hurricane“ - ein sehr schönes Duett mit Kevin Bennett, Sänger der australischen Band The Flood - taucht zum ersten Mal die Steel Guitar auf. Kaseys Wandelfähigkeit zeigt sich dann in „Down On Earth“, das eher rockig daherkommt und musikalisch stellenweise in der Tradition der australischen Ureinwohner verhaftet ist. Es ist doch besser am Boden der Tatsachen zu bleiben und mal von seinem hohen Ross herunterzukommen. In dem Song „Nullarbor“ erinnert sich Kasey zurück an die Unbeschwertheit der Kindheit im weiten und kargen australischen Nullarbor-Tiefland, wo sie zusammen mit ihren Eltern Bill und Diane sowie ihrem älteren Bruder Nash aufgewachsen ist. „Bring Back My Heart“ hat sicherlich als Vorbild die alten Countrysongs, zum Beispiel einer Patsy Cline. In „Invisible Girl“ erzählt Kasey Chambers davon, wie ein Mädchen alles versucht, einen Jungen auf sich aufmerksam zu machen. Doch bleibt sie am Ende nur das unsichtbare Mädchen. Das rockige „Train Wreck“ bringt in einem überraschenden musikalischen Mix moderne und traditionelle Elemente wie den Jodler zusammen. Im Anschluss gibt es noch zwei Hidden Tracks als Zugabe. An den Titel „Train Wreck“ wurde ein Instrumentalstück angehängt, das erneut im typischen Bluegrass-Stil live im Studio eingespielt wurde. Es vermittelt den Spaß, den die Musiker bei den Aufnahmen hatten. Zum Abschluss gibt es mit „The Stupid Things I Do“ noch ein schönes, leises, fast intimes Liebeslied. „Little Bird“ ist ein musikalisch abwechslungsreiches und interessantes Album, das die große Spielfreude Kasey Chambers und ihrer Musiker zeigt. Wer aber eher dem musikalischen Mainstream zugeneigt ist, dem erschließt sich das Album erst beim zweiten und dritten Hören. Diejenigen, die noch keinen Kontakt mit australischer Countrymusik hatten, könnten hier allerdings einen Einstieg finden. Australische Countrymusik ist doch noch mehr in den traditionellen Ursprüngen zuhause als der New Country-Pop aus Nashville. Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net) |