Josh Kelley: Georgia Clay (22. März 2011, MCA Nashville)

Trackliste:

1. Georgia Clay, 2. A Real Good Try, 3. Gone Like That, 4. Baby Blue Eyes, 5. Naleigh Moon, 6. Two Cups of Coffee, 7. Rainin´ Whiskey, 8.Great Idea, 9. Learning You, 10. Ain´t Lettin´ Go, 11. Don´t You Go

Ist das nun Country oder doch vielleicht Pop? Diese Frage stellt sich doch eigentlich bei fast jedem Album aus der New-Country-Ecke, so auch beim aktuellen Album des um ein Jahr älteren Bruders von Charles Kelley – genau, der Charles Kelley, der im Moment mit Lady Antebellum so ziemlich alles abräumt.

Joshua „Josh“ Bishop Kelley, geboren 1980, legt mit Georgia Clay nun sein erstes Country-Album vor. Er selbst kommt aus dem Singer-Songwriter-Pop-Bereich und hat seit 2003 etwa alle zwei Jahre ein Pop-Album veröffentlicht, die letzten Alben auf seinem eigenen Label. Diese Vergangenheit spürt man. Irgendwie erinnert Josh Kelley teilweise sogar an Paul Carrack und Mike & The Mechanics (z. B. bei „A Real Good Try“), wenn da nicht immer wieder die Country-Elemente wären, eben die Steel Guitar. Und dafür haben Josh Kelley und sein Produzent Clint Lagerberg nicht irgendjemand engagiert, sondern Gary Morse, ein Name, der auf so vielen Country Alben der letzten Jahre steht. Daneben liest man im Booklet noch Namen wie Alan Chang – mitverantwortlich für den ein oder anderen Hit von Michael Bublé, bei den Background Vocals Wes Hightower, der immer wieder bei Brad Paisley oder Darius Rucker im Background auftaucht, oder Ashley Monroe (u. a. auf der letzten CD von Miranda Lambert zu hören), die Josh Kelley bei der wunderschönen Ballade „A Real Good Try“ begleitet. Damit ist die Mischung Pop mit Country oder umgekehrt im Grunde schon vorprogrammiert.

Josh Kelley bezeichnet sein Album selbst als sehr autobiographisch. So beschreibt er im Titelsong des Albums, der auch als erste Single ausgekoppelt wurde, einen unbeschwerten Sommer seiner Kindheit in Augusta/Georgia. Diesen und „Ain´t Lettin´ Go“ schrieb Josh Kelley zusammen mit seinem Bruder Charles.

In „Naleigh Moon“ besingt er die Beziehung zu seiner Tochter Naleigh, die er und seine Frau, die Schauspielerin Katherine Heigl, vor zwei Jahren adoptiert haben. „Baby Blue Eyes“, das Kelley mit Lee Brice geschrieben hat, ist eine schöne Ballade, die mit Country aber relativ wenig zu tun hat, ebenso „Two Cups Of Coffee“, ein Song, der bereits auf seinem 2008 erschienenen Pop-Album „Backwoods“ zu finden war. „Gone Like That“ war angeblich der Song, mit dem seine „Reise“ in die Countrymusik begann. Es ist das typische Thema der Countrymusik: Ein Mann wird von einer Frau verlassen, was dieser erst einmal verarbeiten muss. Ein weiteres Klischee-Thema taucht in „Rainin´ Whiskey“ auf. Es ist eines der gängigen Sauf- und Partylieder, wie man sie zum Beispiel auch von Luke Bryans Spring-Break-EPs her kennt. Dagegen hat das bluesangehauchte „Learning You“ schon ganz andere musikalische Qualitäten.

Insgesamt ist es aber schwierig, die einzelnen Songs einem bestimmten Genre zuzuordnen. Was bleibt, ist daher ein abwechslungsreiches, angenehm zu hörendes Album, das Liebhaber der Rock- und Popmusik auch für die Countrymusik begeistern könnte.

Andreas Hilgart