Jeff Bridges: Jeff Bridges (VÖ: 28. Oktober 2011; Blue Note Records) 24. Oktober 2011

Trackliste:

1. What A Little Bit Of Love Can Do, 2. Falling Short, 3. Everything But Love, 4. Tumbling Vine, 5. Nothing Yet, 6. Blue Car, 7. Maybe I Missed The Point, 8. Slow Boat, 9. Either Way, 10. The Quest

Singende Schauspieler, das ist oft mit Vorurteilen behaftet. Viele jedoch verkennen die Tatsache, dass einige dieser Schauspieler schon seit längerer Zeit Musik machen oder noch vor der Schauspielerei bereits mit der Musik verbunden waren. Dies gilt auch für Jeff Bridges, der mit seinem selbst betitelten Album eine CD veröffentlicht, die zunächst an einigen Stellen auf den ersten Blick etwas schwerfällig daherkommt. Es ist nicht unbedingt leichte Kost, was Jeff Bridges zusammen mit seinem Freund T-Bone Burnett, der das Album produziert hat, hier geschaffen hat. T-Bone Burnett sagt selbst, dass Jeff durch und durch ein Künstler sei und so gebe es auf dem Album eine bestimmte Gruppe von Songs, die sehr künstlerisch seien. Das ist dann auch der Grund, weshalb man sich beim ersten Durchhören des Albums nicht abschrecken lassen sollte, denn der Reiz der Songs entfaltet sich erst nach mehrmaligem Hören.

Los geht es mit dem recht flotten Song „What A Little Bit Of Love Can Do“, der richtig schön rockt. Der von dem vor zwei Jahren verstorbenen Stephen Bruton und Gary Nicholson geschriebene Song weist durchaus Hitqualitäten auf. Stephen Bruton und T-Bone Burnett waren es auch, die sich für die Musik in dem Film „Crazy Heart“ verantwortlich zeichneten. Ohne diesen Film hätte es sicherlich nicht dieses Album gegeben. Mit „Falling Short“ folgt ein von Jeff Bridges selbst geschriebener Song, der nach eigenen Aussagen zwischen dreißig und vierzig Jahre alt ist. Musikalisch merkt man dem Song die Zeit an, in der er erstanden ist. Ansätze des Psychodelic Rock lassen sich hier durchaus nachweisen. Im Text werden die Unsicherheiten des jungen Jeff Bridges („Am I Falling Short Or Do I Fly“) deutlich. Erst nach mehrmaligem Hören des Songs entdeckt man die Schönheit dieser Komposition. „Everything But Love“ wurde von John Goodwin geschrieben, mit dem Jeff Bridges seit der Schulzeit befreundet ist. Man kann alles im Leben haben, zum Beispiel eine Villa oder zwanzig Millionen Dollar auf der Bank. Aber das ist alles Nichts, wenn man keine Liebe erfährt. Mit dem Wimmern der Pedal Steel und dem Backgroundgesang von Rosanne Cash für mich ein Höhepunkt des Albums. Freunde des Americana-Stils werden hier ihre wahre Freude haben. In „Tumbling Vine“ zeigt sich, wie eng Jeff Bridges mit dem Buddhismus verbunden ist. Hier hat er seinen Frieden gefunden. Dies ist der Albumtitel, mit dem man beim Hören nicht nur wegen der sehr schwerfälligen Musik so seine Schwierigkeiten haben wird. Mit „Nothing Yet“ erweist Jeff Bridges dem verstorbenen Stephen Bruton eine Reminiszenz. Erneut das Wimmern der Pedal Steel und der Backgroundgesang von Rosanne Cash. Mit „Blue Car“ befindet sich auf dem Album auch ein richtiger Bluestitel mit einem swingenden Gitarrenpart von T-Bone Burnett. Ein weiterer Song von Jeffs Schulfreund John Goodwin ist „Maybe I Missed The Point“. Wie Jeff Bridges sagt, geht es in dem Song darum, dass wir alle miteinander verbunden wären, dass wir nicht völlig getrennt existierende Einheiten seien und aufeinander Einfluss ausüben würden. Unterstützt wird diese Aussage durch eine sehr schöne Melodie. An „Slow Boat“ hat Jeff Bridges zusammen mit T-Bone Burnett geschrieben und es handelt sich dabei um eine Anlehnung an den Film „Crazy Heart“. Musikalisch sind hier erneut psychodelische Einflüsse zu finden. „Either Way“ zeigt, dass Jeff Bridges im Gegensatz zu manch anderen singenden Schauspielern auch etwas vom Singen versteht. „The Quest“, ein weiterer John Goodwin-Titel, ist ein sehr schöner abschließender Country-Folk-Song.

Jeff Bridges ist in den Texten und musikalisch auf der Suche. Das ist es vielleicht auch, warum man sich beim ersten Hören der CD äußerst schwer tut. Man muss das Album mehrmals anhören und sich mit den Texten und der Musik auseinandersetzen. Dann entfacht das Album seine Reize. Für die Qualität der Produktion sprechen auch namhafte Künstler, wie Rosanne Cash, Sam Phillips, Ryan Bingham und natürlich der Produzent T-Bone Burnett, die an den Aufnahmen mitgewirkt haben.

Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)