Ronnie Dunn: Ronnie Dunn (VÖ: 3. Juni 2011, Arista/Sony Music)

Trackliste:

1. Singer In A Cowboy Band, 2. I Don´t Dance, 3. Your Kind Of Love, 4. How Far To Waco, 5. Once, 6. Cost Of Livin´ , 7. Bleed Red, 8. Last Love I´m Tryin´ , 9. Let The Cowboy Rock, 10. I Can´t Help Myself, 11. I Just Get Lonely, 12. Love Owes Me One

Man könnte sagen, er habe sein ganzes Leben darauf gewartet, um dieses Album zu machen. Das sagt Ronnie Dunn selbst zu seinem ersten Soloalbum. Ronnie Dunn ist eine Hälfte des erfolgreichen Countryduos Brooks & Dunn, das so ziemlich alle Country-Preise abgeräumt hat und das seit 2010 nach einem letzten Konzert in Nashville getrennte Wege geht. Während Kix Brooks als Moderator der US-Radiomusikshow „American Country Countdown Top 40“ jede Woche auf Sendung geht, bastelte der 58jährige Ronnie Dunn an seinem ersten Soloalbum. Die meisten Songs des von ihm selbst produzierten Albums hat er auch selbst geschrieben oder an ihnen mitgeschrieben. Aber auch die Songs, die andere für ihn komponiert haben, passen sehr gut zu ihm. Und so erzählt Ronnie Dunn auf seinem nach ihm benannten Album zwölf fast autobiographische Geschichten. Musikalisch verknüpft er dabei Rock, Pop, Gospel, Soul mit Elementen der Countrymusik.

Mit „Singer In A Cowboy Band“ geht es gleich rockig los. Dunn erklärt, warum er Sänger in einer Cowboyband geworden ist. Er spielt in dieser Band Rock´n´Roll, schnelle und langsame Stücke. Die Balladen überwiegen dann auch auf diesem Album, das in Deutschland einige Tage früher als in den USA zu haben ist. Bei „I Don´t Dance“ täuscht Ronnie Dunn zuerst einen schnellen Rocksong an, aber es handelt sich um eine erstklassige Rockballade mit souligem Backgroundgesang, vergleichbar mit den Balladen großer Rockbands wie Aerosmith. Klasse! Im Refrain klärt Dunn dann überraschenderweise auch auf: „I don´t Dance With Anyone But You“. Eine wunderschöne Liebeserklärung. Mit „Your Kind Of Love“ schiebt der Sänger mit der markanten und gefühlvollen Stimme die nächste Ballade nach, bevor es im Mariachi-Stil bei „How Far To Waco“ auf eine Reise nach New Mexico geht, wo die Liebste bei El Paso wartet. Da Ronnie Dunn ein wunderbarer Erzähler ist, läuft beim Zuhören im Kopf ähnlich einem Roadmovie ein Film dieser Reise ab. „Once“ ist eine gut gemachte RockPop-Nummer und bei „Cost Of Livin´“ zeigen sich die Singer- und Songwriter-Qualitäten des Ronnie Dunn. Im Angesicht der wirtschaftlichen Lage in den USA erzählt Ronnie Dunn aus der Sicht eines Durchschnittsbürgers, der sich für keine Arbeit zu schade ist, wie schwierig es ist, die momentanen Lebenshaltungskosten aufzubringen. Das ist echte aus dem Leben gegriffene Countrymusik, wo es um die Höhen und Tiefen des Lebens geht. Zu diesem eher leisen Song passt die hier dominierende Akustik-Gitarre. Die aktuelle Single „Bleed Red“ liefert einen Beitrag zum friedlichen zwischenmenschlichen Verhalten und ruft zum Aufeinanderzugehen auf: „Let´s Say We´re Sorry Before It´s Too Late“. Der von Andrew Dorff und Tommy Lee James verfasste Song mit seinem sich steigernden orchestralen Arrangement hat eigentlich das Zeug, einer der großen Rock- und Popklassiker der Musikgeschichte zu werden. „Last Love I´m Trying“ ist dann wieder eine ruhige bluesig-soulige Nummer, während Ronnie Dunn bei „Let The Cowboy Rock“ noch einmal richtig bei einer Uptempo-Nummer abrocken kann. Ronnie Dunns gefühlvolle Stimme kommt aber vor allem bei „I Can´t Help Myself“ zum Tragen. Sehr schön sind hier wie in allen Songs die Gitarrenparts. Wer die Arrangements von Jeff Lynne bei den letzten Alben von George Harrison oder Roy Orbison mag, wird den Song „I Just Get Lonely“ lieben. Zum Abschluss gibt es noch einmal eine wunderschöne Piano-Ballade: „Love Owes Me One“.

Ronnie Dunn bezeichnet im Booklet das Album als „…most important record of my life“ und man muss ihm hier zustimmen. Egal, ob es sich um Country, Rock, Pop oder Soul handelt. Es geht doch eigentlich nur darum, ob es gute Musik ist. Ronnie Dunns erstes Soloalbum ist ein großartiges Album, das Rock-, Pop-,Soul- und Countryfans gleichermaßen begeistern dürfte. Ein absoluter Kauftipp. Ich auf jeden Fall freue mich auf weitere Alben des Künstlers.

Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)