Dispatch Skulls: Live At Stadelheim (aufgenommen am 10. 4. 2010; www.dispatchskulls.com)

Trackliste:

1. Kick A Little, 2. Son Of The South, 3. 18 Wheels And A Crowbar, 4. Cadillac Ranch, 5. Call Me The Breeze, 6. Get Rhythm, 7. Red Rockin´ Rita, 8. Crossroads, 9. Papa Loved Mama, 10. Drunker Than Me, 11. Folsom/Schickeria, 12. Tush, 13. Whiskey In The Jar

„Das war wie im Film“ sagen die Skulls über das Erlebnis, in Stadelheim zu spielen. Wir sitzen nach dem Konzert in Vohenstrauß noch kurz am Lagerfeuer, wo Andy, Bastian und Dany etwas über ihre Band und ihr Konzert vor über einem Jahr in der JVA erzählen.

Die Münchner Country-Rocker bringen seit einiger Zeit frischen Wind in die deutsche Countryszene. Mit ihren eigenen Interpretationen bekannter, aber mehrheitlich eher selten gehörter Country- und Rocksongs sprengen sie die Grenzen zwischen Hard Rock, Country und Blues. Sie klingen frisch, etwas anders und heben sich damit auch in der Countryszene deutlich ab.

Die Geschichte der Band begann im September 2006, als der Bassist Andy Dittrich seine Suche nach gleichgesinnten Musikern startete. Grundvoraussetzungen waren Professionalität mit der nötigen Prise Humor und der Liebe zum amerikanischen Lebensstil. In dem Gitarristen und Sänger Bastian Krauss fand er dabei einen perfekten Partner für die Band. Vor über einem Jahr kam dann der Drummer Dany Rasquin dazu.

Mittlerweile spielt das Trio  bei den wichtigsten Country- und Truckerfestivals in Deutschland und Österreich, sie haben den internationalen Country Music Award in Pullman gewonnen und rocken dort und in Geiselwind die große Bühne.

Am 10. April 2010 kam es nun dazu, dass die Skulls ganz freiwillig in die JVA Stadelheim gingen und vor Häftlingen ein Konzert gaben. Andy erzählt, dass die Gefängnisleitung der Idee recht offen gegenübergestanden habe und die Häftlinge, die in Zweierreihen von mehreren Wärtern in den Veranstaltungsraum geführt wurden, an sich recht happy waren, mal ein Rockkonzert erleben zu dürfen. Sie hätten dort zwar kulturelle Veranstaltungen, aber wohl eher in Form von klassischer Musik oder Dichterlesungen. Während des Konzerts hätte es dann auch ein paar Auflagen gegeben. So durften zum Beispiel die Häftlinge nicht aufstehen. Auf diese Weise ist es äußerst interessant, diese CD zu hören, da sie diese etwas andere Konzertatmosphäre recht gut vermittelt.

Es beginnt mit einer im Vergleich zum Original wesentlich härteren Version von „Kick A Little“ der amerikanischen Countryband Little Texas. Der Titel überzeugt vor allem durch Bastians mitreißende Gitarrenparts und so zeigen dann am Ende auch die Zuhörer in der JVA ihre Begeisterung. Weiter geht es mit Southern Rock: David Allan Coes „Son Of The South“. Aus dem nächsten Titel, „18 Wheels And A Crowbar“, hat das Münchner Trio ihren Bandtitel entnommen. Einflüsse von Southern Rock-Größen wie Lynyrd Skynyrd, der Allman Brothers Band oder vor allem ZZ Top ist in den Interpretationen der Songs unverkennbar. So auch in Chris Ledouxs „Cadillac Ranch“. Die Skulls spielen dann im Anschluss einen Lynyrd Skynyrd-Song, aber nicht den Titel, den alle spielen, sondern „Call Me The Breeze“. Das macht eben das Besondere der Band aus, dass sie eben die eher unbekannten Titel in ihr Repertoire aufgenommen haben. Das Besondere an diesem Konzertmitschnitt ist es, dass – so äußern sie sich selbst dazu – die Aufnahmen so sind, wie sie sind. Es wurde nichts nachbearbeitet oder nachträglich ausgebessert. Und so pfeift es zu Beginn des Lynyrd Skynyrd-Songs auch etwas aus den Boxen. Aber das ist ja der Reiz dieser CD, weshalb es sich meiner Ansicht nach um eine perfekte Live-CD handelt, eben weil die Aufnahme nicht ganz perfekt ist.

Logisch, dass Johnny Cash bei ihrem Konzert nicht fehlen darf. Festzustellen ist aber, dass die Skulls gerade bei den Johnny Cash-Titeln „Get Rhythm“ und bei „Folsom Prison Blues“ im Arrangement recht nahe am Original bleiben und hier nichts verändern, während man bei „Papa Loved Mama“ schon zweimal hinhören muss, um hier den Garth Brooks-Titel herauszuhören.

Ein richtiger Gute-Laune-Song ist „Red Rockin´ Rita“, eine Eigenkomposition der Band. Der Titel ist ihnen beim Abendessen im Münchner Hard Rock Cafe eingefallen, als sie den gleichnamigen Cocktail auf der Speisekarte entdeckt hatten. Das Schreiben des Songs wäre dann wohl nach Andys und Bastians Aussage sehr schnell gegangen. Eines der Highlights der CD ist sicherlich ihre Version von Eric Claptons „Crossroads“. Hier wird wieder deutlich, dass Bastian Krauss schon zu den Ausnahmegitarristen zu zählen ist, an dessen Gitarrenparts man sich kaum satt hören kann. Dispatch Skulls spielen, neben bekannten Namen, Songs von Countrymusikern, die bei uns in Deutschland nicht ganz so verbreitet sind, wie „Drunker Than Me“ von Trent Tomlinson.

Es folgt der Song, der die Skulls dazu inspiriert hat, letztendlich in Stadelheim zu spielen – so wie Johnny Cash in Folsom Prison. Dispatch Skulls besinnen sich aber auf ihre bayerische Herkunft und kombinieren den „Folsom Prison Blues“ seit einiger Zeit schon mit „Schickeria“ der Spider Murphy Gang. Die Skulls bezeichnen den Ursprung dieser Version selbst als „Unfall“, der ihnen bei einem Konzert in Ulm passiert wäre. Beiläufig hätten sie hier in den Johnny Cash-Titel den Ohrwurm der Spider Murphy Gang einfließen lassen. Aber irgendwie passen die Songs zusammen, vor allem auch, weil „Schickeria“ die bekannte Textzeile „…und morgen sitz ´mer in Stadelheim“ enthält.

Ein, wie man so schön sagt, „richtiges Brett“ ist dann der ZZ Top-Titel „Tush“. Wieder ein geniales Gitarrensolo von Bastian Krauss, doch darf auch nicht die musikalische Leistung des Bassisten Andy Dittrich und des Schlagzeugers Dany Rasquin vergessen werden, allesamt Musiker, deren Professionalität zu hören ist. Dass sie dabei aber sehr viel Spielfreude und Humor mitbringen, zeigt unter anderem der letzte Titel der CD, eine punkig-rockige Interpretation des irischen Traditionals „Whiskey In The Jar“.

Im Herbst und Winter wollen sich Dispatch Skulls verstärkt der Komposition eigener Songs und der Studioarbeit widmen. Die CD, die dabei entstehen wird, ist mit Spannung zu erwarten. „Live At Stadelheim“ verdeutlicht aber zunächst einmal, dass Dispatch Skulls eine sehr starke Live-Band ist, die man unbedingt einmal live erlebt haben muss. Für Freunde von Country- und Southern-Rock ein absoluter Tipp!

 

Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)