Ashton Shepherd: Where Country Grows (VÖ: 12. Juli 2011; MCA Nashville/Universal)

17. Juli 2011 

Trackliste:

1. Look It Up, 2. I´m Good, 3. Where Country Grows, 4. I´m Just A Woman, 5. More Cows Than People, 6. Beer On A Boat, 7. While It Ain´t Rainin´ , 8. Tryin´ To Go To Church, 9. That All Leads To One Thing, 10. Rory´s Band 

Die 1986 in Coffeeville/Alabama geborene Sängerin fing bereits sehr früh an und schrieb im zarten Alter von fünf Jahren erste Songs. Mit 8 Jahren gewann sie ihren ersten Talentwettbewerb und nahm mit 15 Jahren eine erste CD auf. 2006 gewann Ashton Shepherd dann einen weiteren Talentwettbewerb, dessen erster Preis für sie einen Auftritt als Opening Act für Lorrie Morgan bedeutete. Im gleichen Jahr brachte sie ihren Sohn zur Welt und heiratete ein Jahr später den Vater ihres Kindes. Gleichzeitig unterschrieb sie einen Vertrag bei Universal, wo sie 2008 ihr Debut-Album „Sounds So Good“ veröffentlichte. 

Nach einer Pause, wo sie sich um ihre kleine Familie gekümmert hat, hat Ashton mit „Where Country Grows“ nun ihr zweites Album herausgebracht. Während es viele Künstler aus dem Countrybereich nach Nashville zieht, blieb die Sängerin in ihrer alten Heimat. Diese Tatsache merkt man auch beim Hören des vorliegenden Albums, das tief verwurzelt ist in der traditionellen Country Musik. Es ist zwar teilweise ein gewisser Nashville-Einfluss in den Songs zu spüren, doch Ashton Shepherds Album, dessen Songs überwiegend von der jungen Künstlerin selbst geschrieben oder mitgeschrieben wurden, ist weit weg vom Einheitsbrei der Nashville-Maschinerie. Daher klingt das Album frisch und abwechslungsreich.

Die CD beginnt mit dem von Angaleena Presley und Robert Ellis Orral geschriebenen Titel „Look It Up“, der bereits als Vorabsingle seit einigen Wochen auf dem Markt ist und in den Top 20 der Billboard Country-Charts zu finden war. Dabei handelt es sich um die Coverversion eines Titels, mit dem die australische Countrysängerin Jasmine Rae im Jahr 2008 bereits Erfolge feiern konnte. „I´m Good“ ist ein wunderschöner Countrysong, der alles hat, was einen typischen Countrysong ausmacht: die Steel Guitar, die Mundharmonika. Das Arrangement erinnert etwas an die Songs von Lee Ann Womack. Der Song zeigt aber auch Ashton Shepherds Qualitäten als Sängerin und Songwriterin. Inhaltlich geht es um eine Abrechnung mit dem Ex, der ihr Stück um Stück alles geraubt hat. Im Titelsong des Albums, „Where Country Grows“, ist eine Aufzählung dessen zu finden, wo „Country“ hervorwächst. Sei es die dreckige Straße, die Heimaterde, die Kirche oder ein Song im Radio, der das Leben verändert hat. Hier wird deutlich, wie verwurzelt Ashton Shepherd selbst in ihrer Heimat Alabama ist. „I´m Just A Woman“ beschreibt in Form einer Ballade die Gefühle und Gedanken einer Frau. Ashton Shepherd hat den Song aus ihrer Erfahrung als Ehefrau und Mutter geschrieben und verdeutlicht, welche Leistung Frauen in der Gesellschaft bringen. „More Cows Than People“ ist ein Loblied auf das Landleben. Ein gewisser Bobby hatte gedacht, er könne in der Großstadt glücklich werden. Dafür brach er die Wurzeln, die ihm sein Vater gelegt hatte, ab. Nun kehrt er reumütig an den Ort zurück, wo es mehr Kühe als Menschen gibt. Dabei werden in diesem fröhlichen Song die Vorteile des Landlebens aufgezählt. Ein richtiger Feelgood-Song ist dann „Beer On A Boat“, wo es um das Relaxen mit Freunden an einem Samstag auf einem Boot geht. Dazu dann noch ein kühles Bier. Ashton Shepherd ist eine Geschichtenerzählerin und so kann man z. B. auch die alten Männer direkt vor Augen sehen, die sich darüber beschweren, dass man sie beim Fischen gestört hat. Eine Lehre beinhaltet der nächste Song, „While It Ain´t Rainin´“. Wunderschön philosophisch und gleichzeitig poetisch. Das Leben ist wie das Wetter so wechselhaft. Wechselhaft sind auch Liebesbeziehungen, wie die zweite Strophe darlegt. Ashton Shepherd zieht am Ende das Fazit, dass man das Beste aus jeder Situation machen sollte und Gott für jeden Atemzug eigentlich danken müsse. Gospel-Elemente zeigen sich zum Teil im nächsten Song „Tryin´ To Go To Church“. Es sei manchmal sehr schwierig, sich aufzuraffen, um in den Gottesdienst zu gehen, wo es doch viel angenehmer wäre, das schöne Wetter am Fluss zu genießen. „That All Leads To One Thing“ liefert in Form eines Blues die Bestandsaufnahme einer kaputten Beziehung, die nur noch durch zwei kleine goldenen Ringe verbunden ist, wobei der Partner seinen nicht mal mehr trägt. Was ist die Konsequenz: Sie wird ihn verlassen. Abschließend lässt Ashton Shepherd noch einmal Jugenderinnerungen Revue passieren. Sie erzählt von der Zeit als sie 15 war, sich aber wie 25 fühlte und mit ihren älteren Brüdern losgezogen ist. Es ist eine Erinnerung an eine gute Zeit, als der Radiosender „Rory´s Radio“ „Major Moves“ von Hank Williams Jr spielte. 

Ashton Shepherd ist reifer geworden und singt sich mit diesem Album in die Riege der großen Countrysängerinnen wie Dolly Parton, Lorrie Morgan, Reba McEntire oder sogar Loretta Lynn. So bezeichnete das Wall Street Journal Ashton Shepherd bereits als „a potential Loretta Lynn for a new generation“. Ashton Shepherd ist eine großartige Sängerin mit einer starken Stimme und hat mit „Where Country Grows“ ein großartiges Album im Stil des Neotraditionalismus veröffentlicht.

Wer die genannten Sängerinnen gerne hört und sich auch für Lee Ann Womack begeistern kann, muss bei dieser CD zugreifen. 

Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)