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Aaron Neville: I Know I´ve Been Changed (VÖ: 3. Juni 2011, Tell It Records/EMI Gospel)
1. Stand By Me, 2. I Know I´ve Been Changed, 3. I Done Made Up My Mind, 4. I Am A Pilgrim, 5. Don´t Let Him Ride, 6. You´ve Got To Move, 7. Oh Freedom, 8. Tell Me What Kind Of Man Jesus Is, 9. Live So God Can Use Me, 10. Meetin´ At The Building, 11. I´m So Glad (Trouble Don´t Last), 12. There´s A God Somewhere Die Frage ist, wie kann jemand, der in den letzten Jahren so einige Schicksalsschläge hinnehmen musste, so ein hoffnungsvolles Album, das so geprägt ist von seinem Glauben an Gott und das Leben, aufnehmen. Im August 2005 wurde seine Heimatstadt New Orleans vom Hurrikan Katrina heimgesucht, wobei auch sein eigenes Haus zerstört wurde. Im Jahr 2007 starb dann seine Frau an Lungenkrebs, mit der er seit 1959 verheiratet war. Eventuell ist aber nur unter diesen Voraussetzungen ein derartig grandioses Gospelalbum möglich. Das Album beginnt a capella, nur die Stimme Aaron Nevilles, der mit seinem unverwechselsbaren Vibrato-Gesangsstil den Song „Stand By Me“ intoniert. Dabei nutzt er die gesamte Spannbreite seiner Stimme von den tiefen bis zu den hohen Tönen. Es gibt wenige, die ihre Stimme in dieser Weise als Instrument verstehen. Dann steigt ein weiteres prägendes Element des Albums ein, das Piano. Für die kompletten Piano-Parts des Albums ist Allen Toussaints zuständig, der die gesamten Aufnahmen stark beeinflusst und teilweise im Stile George Gershwins die Songs untermalt. Allen Toussaint, der in Nevilles Nachbarschaft aufgewachsen ist und mit ihm gemeinsam schon die Schule besucht hat, war einer der einflussreichsten Plattenproduzenten der sechziger Jahre in New Orleans, unter anderem war er verantwortlich für LaBelles „Lady Marmalade“ oder er komponierte „Southern Nights“, mit dem u. a. Glen Campbell einen seiner großen Erfolge feiern konnte. Sehr eindrucksvoll folgt dann auch der Titelsong „I Know I´ve Been Changed“. So sieht nicht nur moderner Gospel, sondern auch moderner Blues aus. Modern, aber ohne die Tradition der Gospelsongs zu verletzen, werden auf dem Album die Songs interpretiert. Faszinierend ist der vorgebende Offbeat des Pianos bei „Don´t Let Him Ride“ oder „You´ve Got To Move“. Die Beeinflussung durch den Delta-Blues scheint hier greifbar nah. Aaron Neville ist fast durchgehend in allen Songs auch im Dialog mit dem hervorragenden Gospelchor, bestehend aus Niki Haris, Jean McClain, Darryl Phinnessee und James Gilstrap. Revolutionär modern sind die Interpretationen, dennoch traditionsbehaftet wie bei „Oh Freedom“ oder „Tell Me What Kind Of Man Jesus Is“. „Meetin´ At The Building“ ist purer Soul. Und Aaron Neville hat ihn, den Rhythmus und den Soul! Sehr positiv hinsichtlich seiner Grundstimmung kommt der Song „I´m So Glad (Trouble Don´t Last)“ herüber und Hoffnung gibt auch „There´s A God Somewhere“. Aaron Neville begreift Musik als Medizin und beim Hören dieser CD mag man ihm zustimmen. Aufgenommen wurden die zwölf Songs des Albums in Los Angeles an nur fünf Tagen. Als Produzent fungiert Joe Henry, der Schwager von Pop-Ikone Madonna, der aber selbst eher im Country- und Folk-Bereich verwurzelt ist. Das Album Aaron Nevilles markiert zugleich sein 50-jähriges Jubiläum als Musiker. Interessant ist dabei auch, dass sich mit dieser CD in gewisser Weise ein Kreis schließt, denn es war ebenfalls Allen Toussaint, mit dem Neville im Jahr 1960 seine erste Aufnahmesession spielte. „I Know I´ve Been Changed“ ist den drei Dingen gewidmet, die Aaron Neville sein Leben lang begleitet und geprägt haben: die Heimatstadt New Orleans, die Musik und der Glaube. Nevilles Album steht in der Tradition bekannter Künstler dieses Genres, wie den Blind Boys Of Alabama, mit denen Neville auch schon zusammengearbeitet hat. Modern, klassisch, besinnlich und verwurzelt in der Tradition New Orleans und des Mississippi-Deltas. Freunde des Blues, des Souls und der Gospelmusik können hier unbesehen zugreifen.
Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net ) |