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Zydeco Annie und ihre Swamp Cats bringen den Zydeco, den Cajun, den
Blues und das Lebensgefühl Louisianas nach Weiden
23. Juli 2011
Heute
bin ich zum ersten Mal bei Bruno Wilfarth im
Sendestudio von Radio Ramasuri. Es ist noch etwas Zeit, bis die Gäste,
Zydeco Annie und die Swamp Cats, eintreffen und so
erhalte ich zunächst einmal ein paar Informationen zu Brunos unter
Countryfreunden sehr beliebten Countrysendung, die seit 17 Jahren
ausgestrahlt und über Internet zum Beispiel sogar in Texas gehört wird.
Es gibt über diese Sendung so viel zu berichten, dass ich sofort
beschließe: Dafür gibt es demnächst einen eigenen Artikel auf
CountryHome.
Denn ich bin ja eigentlich da, um eine für mich völlig andere, ja neue
Sparte des Countrybereichs zu entdecken, den Zydeco und die Cajun-Musik
aus Louisiana. Annie, ein echtes Schwabenmädle, und ihre Männer, die
Swamp Cats, sind die einzigen, die beides spielen. Sie präsentieren in
ihren Konzerten die gesamte musikalische Louisiana-Spannbreite.
Die Cajun-Musik ist die traditionelle Musik der frankophonen Einwanderer
in Nordamerika. Diese französischen Siedler wurden nach dem
britisch-französischen Krieg Mitte des 18. Jahrhunderts von den
britischen Siegern aus dem ostkanadischen Gebiet Akadien
vertrieben
und landeten dann irgendwann in Louisiana, das von Napoleon 1803 an die
USA verkauft wurde. Bestehen blieb die in Frankreich verwurzelte Kultur,
darunter die Sprache, die sich zum Cajun French entwickelte, und die
Cajun-Musik. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus der
Vermischung der Cajun-Musik mit afroamerikanischen Einflüssen der Zydeco.
Aus dem Gemisch dieser musikalischen Stilrichtungen entstand aber auch
der Blues oder der R & B. Als einer der Gründerväter des Zydeco wird
Clifton Chenier genannt. Die Cheniers oder Bergerons sind, so erklärt
mir Rolf Bergér später, die Familienclans, die die Zydeco-Szene in den
USA beherrschen. Der Laie kann meist unterscheiden, wann es sich um
Zydeco oder wann es sich um Cajun handelt. Spielt Annie auf dem
Piano-Akkordeon und Rolf auf dem Waschbrett, handelt es sich um den eher
blueslastigen Zydeco, nehmen Annie aber ihr diatonisches Akkordeon mit
einer Knopfreihe und Rolf die Triangel zur Hand, wird in der Regel ein
Cajun-Stück gespielt.
Etwa zwanzig Minuten nach 18:00 Uhr geht es an diesem Samstag in das
Sendestudio von Radio Ramasuri, wo Bruno bereits auf Sendung ist. Zum
Einstieg wird „You ain´t nothing but fine“, ein wirklich gemeiner
Ohrwurm, der mir den Abend und den folgenden
Tag
nicht mehr aus dem Ohr gehen wird, von der aktuellen dritten CD der
Musiker eingespielt. Im Interview erzählt Annie, dass sie in einer
Familie aufgewachsen sei, in der alle Akkordeon gespielt hätten. Sie
habe dann in München Akkordeon studiert und ist in eine Tango-Argentino-Band
eingetreten. Bei einer Tournee dieser Tango-Band durch die USA habe sie
bei einem Stopp in New Orleans ihr Herz an die Cajun-Musik verloren. Wie
das genau ablief, wird Annie später beim Konzert im Stadtbad noch
genauer erläutern. Die Spiellaune und den Spaß, den Anja Baldauf alias
Zydeco Annie (Akkordeon, Synthesizer, Gesang), Rolf Bergér (Waschbrett,
Gesang), Jacques Croissants (Gitarre), Jens Ohly (Bass) und Stefan
Baldauf (Schlagzeug) beim Musizieren haben, zeigt sich in dem ersten im
Studio live gespielten Song „Allons A Lafayette“. Rolf hatte vor der
Sendung die musikalischen Qualitäten eines Löffels und eines Messers aus
der Ramasuri-Küche entdeckt und diese gleich bei ihren live in der
Sendung gespielten Songs verwendet. So sind sie halt, die
Vollblutmusiker. Es gibt erste positive Resonanzen von Hörern der
Sendung. Bruno stellt die Frage, ob es für die Band noch
Herausforderungen gebe, nachdem sie alle Preise bereits abgeräumt
hätten. Für Annie sei es eine Herausforderung, jeden Abend auf der Bühne
zu stehen und die Lebensfreude von Louisiana zu vermitteln. Nach dem
Titel „La Porte En Arriere“ – die Hintergrundgeschichte gibt es später
im Konzert – müssen Annie und ihre Jungs ins Weidener Stadtbad zum
Konzert. Dahin werden Bruno und ich nach dem Ende der Sendung ihnen
folgen.
Die
Interessengemeinschaft „Live im Stadtbad“ organisiert im Sommer seit
Jahren Konzerte auf der Terrasse des Weidener Stadtbads. An diesem
Samstag waren nun Zydeco Annie und ihre Swamp Cats zu Gast. So ganz die
Temperaturen von Louisiana erreichte man an diesem Abend in Weiden
nicht. Es war einfach nur kalt! Aber Zydeco Annie sah sich in dem
Auftrag, den Lebensstil und auch die warmen Temperaturen des Südens der
USA nach Weiden zu bringen. Fetzig ging es gleich los mit dem Cajun-Song
„Faix Deaux Deaux“ und wieder konnte man von Beginn an die besondere
Spielfreude der Band entdecken. Bei dem Song „41 Days“ – gibt Rolf auch
Teile auf Deutsch – nein, auf Bayerisch, zum Besten. So ganz können sie
halt ihre Heimat nicht verleugnen. Annie wechselt zwischen den einzelnen
Musikrichtungen Louisianas hin und her, weshalb auch nie Langeweile
aufkommt. Sie erzählt, wie sie versucht hat, musikalische Mitstreiter
für ihre Leidenschaft zu finden. Jeden, den sie gefragt hat: „Willst du
mit mir Zydeco spielen?“, habe sie irgendwie komisch angeschaut. Der
Wirt einer Kneipe gab ihr dann den entscheidenden Hinweis, dass sie
nicht vorne im Lokal, sondern an der Hintertür suchen müsse. Dort habe
sie dann auch die Jungs ihrer Band gefunden. Es folgt der passende Song
dazu, der Titelsong ihrer dritten CD „La Porte“. So verbindet Annie
viele der am Abend gespielten Songs mit einer Geschichte. Und das ist
Country pur – Musik und ihre dazu passende Geschichte! Deshalb werden
Annie & die Swamp Cats auch gerne in der Countrygemeinde aufgenommen.
Sie gewannen neben dem Deutschen Rock und Pop Preis in den Jahren 2007
und 2008 und dem Internationalen Cajun und Zydeco Award 2008 im Jahr
2007 auch den Internationalen Country Award. Neben Jazz-, Pop-,
Bluesfestivals spielen sie bei Countryfestivals, so am nächsten
Wochenende in Schleusingen im Thüringer Wald.
Es
folgt der Ohrwurm „You ain´t nothing but fine“.
Den blueshaltigen Song „I´m coming home“ widmet Annie ihrem Kind, das
zuhause auf sie wartet. Die Musiker seien zwar gerne auf Tour, aber der
Song vermittelt die Freude darüber, nach Hause zu kommen. Wenn Annie
sagt, „Die Wohnung verstaubt auch, wenn man nicht zu Hause ist“, hat sie
sicherlich recht.
Aus dem Film „The Big Easy“ folgt der Song „You used to call me“.
Neben Titeln des Altmeisters des Zydeco, Clifton Chenier, kommt nun ein
Song, den Annie bereits mit Jamie Bergeron gespielt hat, „Don´t you
break my Heart“. Anschließend erzählt Annie in ihrer charmanten
schwäbischen Art, dass sie seit sechs Jahren jedes Wochenende auf Tour
seien und einen Fan hätten, der sie auf all ihre Konzerte, egal ob in
der Schweiz oder in Dänemark, begleitet. Irgendwann hätten sie
beschlossen für diese Person, die während des Konzerts unerkannt bleibt,
am Abend in ihrem Konzert immer einen Song zu spielen, nämlich „Blue
Moon“. Rolf baut nun in den Refrain den Ort Stadtbad Weiden in der
Oberpfalz sowie die Straße und die Postleitzahl von Weiden ein. Was
zunächst nicht so einfach scheint, aber Rolf kann sogar Postleitzahlen
singen.
Nach einer Pause fetzen Annie und ihre Sumpfkatzen mit „Cher Catin“
gleich wieder los, um den Zuhörern, die, man muss es leider sagen, in
herbstlicher Kälte sitzen, einzuheizen. Es folgt die genauere
Geschichte, wie Annie zum Zydeco kam. An dem besagten Tag in New Orleans
habe sie auf der Straße eine Zydeco-Band getroffen und auf die Frage,
was das für eine Musik sei, was die Band da spiele, erhielt sie zur
Antwort: „It´s not only music, it´s the spirit of the life – it´s
ZYDECO.“ Den Titel, den sie damals gehört hat, spielt die Band auf all
ihren Konzerten „mit großer Dankbarkeit“. Und auch die Weidener erhalten
mit „That´s a Zydeco Groove“ Anteil an Annies Zydeco- Erweckung. Die
Musik macht einfach gute Laune, viele der Zuhörer spüren kaum mehr noch
die Kälte. Bei „Shake it Baby“ wird noch einmal die wahnsinnige
Spielfreude der Band deutlich. Die Musik enthält alle Elemente, den
Blues, den Rock´n´Roll, Country, aber vor allem lässt sich der
Lebensstil des Südens der USA spüren. In „French Accordeon Blue“ liegt
auch ein bisschen was vom kreolischen Voodoo-Kult Louisianas. Annie, und
das wird jetzt spätestens klar, dürfte sich zu den besten
Akkordeonspielerinnen zählen dürfen, die Deutschland zu bieten hat.
Obwohl einige Gäste bereits mit den Füßen wippen und leise mitklatschen,
ist das natürlich noch nicht genug – vereinzelt wird auch getanzt. Aber
Zydeco, so Annie, sei Tanzmusik und keine Sitzmusik. Sie fordert alle
auf, aufzustehen und mitzutanzen, was sich das Publikum angesichts der
Kälte und natürlich der mitreißenden Musik nicht zweimal sagen lässt.
Leider ist der Abend viel zu schnell vorbei. Als Abschluss ist ein Cajun-Walzer
geplant, doch nach diesem lässt das Publikum – die Kälte stört keinen
mehr - Annie und ihre Jungs natürlich noch nicht gehen. Es folgen noch
diverse Zugaben, unter anderem „Madame Cocobo“ – ein Anspieltipp auf der
aktuellen CD „La Porte“. Am Ende hat es Annie wieder mal geschafft, das
Publikum von der Lebensfreude Louisianas zu überzeugen.
Wer
sich selbst mal überzeugen möchte, sollte eines ihrer Konzerte (siehe
Homepage) besuchen – hier sei aber besonders auf das Open-Air-Konzert am
6. August auf der Natursteinbühne Greifenstein in Ehrenfriedersdorf im
Erzgebirge verwiesen – oder eine ihrer CDs („Clearly“, „La Porte“)
anhören. Auf „Clearly“ kann man bekannte Songs wie „Hey Good Looking“
oder „Great Balls Of Fire“ mal in einer anderen, bluesigen Version
hören. Für Freunde der Countrymusik, die mal eine andere Spielart hören
wollen, eine absolute Download- (z. B. Amazon) bzw. Kaufempfehlung
(Homepage der Band).
Zydeco Annie & Swamp Cats:
www.zydecoannie.de
Hörtipp: Jeden Samstag zwischen 18:00 und 20:00 Uhr die Sendung
„Ramasuri Country“ mit Bruno Wilfarth:
www.ramasuri.de
-> Webradio
Informationen zu den Konzerten im Weidener Stadtbad:
www.live-im-stadtbad.de
 
Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)
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