The Crown Jewels in Vohenstrauß – Ein akustischer Musikgenuss 8. Oktober 2011

Auf der Fahrt nach Vohenstrauß ins Sportzentrum. Im Radio: Bruno Wilfahrts Country-Sendung auf Ramasuri. Im Veranstaltungshinweis kündigt er das heutige Konzert der Crown Jewels in Vohenstrauß mit den Worten „etwas für´s Auge und für die Ohren“ an. Und mit seiner Ankündigung hat Bruno Wilfahrt sicherlich Recht.

Zunächst fällt aber erst einmal auf, dass die beiden jungen Musikerinnen, die nach einem Auftritt in Arzberg an diesem Tag in Vohenstrauß bereits ihren zweiten Gig spielen, keinen großen technischen Aufbau benötigen. Ihre Instrumente: Gitarre, Fiddle, Mandoline, ein kleines Mischpult, zwei Mikrofone und zwei Lautsprecher. Mehr nicht. Kein Schnickschnack. Musik pur. The Crown Jewels, das sind die Fränkin Steffi Glässer (Guitar,Vocals), die bereits 2006 mit dem Duo „TuneRide“ den „PullmanCity-CountryMusicAward“ gewann und solo als „Just A Cowgirl“ auftritt, und Monika Romanovska (Fiddle, Mandoline,Vocals), die am Prager Konservatorium Geige studiert hat, seit Jahren als Profi unterwegs ist und unter anderem in der international erfolgreichen Band „The Country Sisters“ gespielt hat. Beide hatten sich vorher nicht gekannt und waren von einem Kollegen zusammengebracht worden. Seit 2008 treten sie nun als „The Crown Jewels“ auf und haben bereits im ersten Jahr ihres Bestehens beim „PullmanCity Countrymusic Award“ mit zwei Preisen abgeräumt, unter anderem als beste Newcomer.

Was hier der besagte Kollege in die Wege geleitet hat, darf also zu Recht als großer Glücksfall bezeichnet werden. Die Musik der beiden geht gleich mit ihrem Intro und dem ersten Titel, Mel McDaniels „Louisiana Saturday Night“, ins Blut. Dabei fällt auf, dass Steffi und Monika, die ihren Stil selbst als „Old Time Country“ bezeichnen, einen eigenen akustischen Stil entwickelt haben, der viele der alten und traditionellen Countrysongs wie „Jambalaya“ oder „Oh Lonsome Me“ sehr modern klingen lässt. Steffi, die die Gitarre fast wie einen Bass spielt, und Monika, die virtuos die Fiddle und die Mandoline beherrscht, ergänzen sich sehr gut. Dazu kommt der für die Countrymusik so typische Harmoniegesang der beiden. Monika und Steffi können von Anfang an das Publikum musikalisch begeistern, das immer mal wieder einsteigt und bei den Songs mitklatscht. Man merkt, die beiden haben in Vohenstrauß, wo sie an diesem Abend zum wiederholten Male auftreten, bereits eine feste Fangemeinde. Bei den Country-Klassikern eines Hank Williams („I Saw The Light“) oder der Carter Family („Keep On The Sunny

Side“) kommt richtig Saloonatmosphäre und Wildwest-Romantik auf. Die Crown Jewels wechseln zwischen langsamen und schnellen Songs, wobei das Repertoire überwiegend im traditionellen Bereich bleibt. Die Virtuosität, mit der Monika ihre Fiddle spielt, zeigt sich unter anderem in der Interpretation von Dolly Partons „Jolene“. Ein traumhaft schön gespieltes Solo. Steffi gibt dagegen mit ihrer Gitarre immer den basslastigen Rhythmus vor, der für Stimmung sorgt und gleichsam wie das „Boom Chicka Boom“ des Johnny Cash funktioniert. Allen Songs, die sie an diesem Abend spielen, drücken sie ihren eigenen musikalischen Stempel auf. Das Duo bewegt sich im Repertoire zwischen Country, Folk und Singer/Songwriter. Ob bei „Sweet Sweet Smile“ der Carpenters, Amy Macdonalds „This Is The Life“ oder „Rocky Town Tennessee“- einem typischen Bluegrass-Titel -, Steffi und Monika passen stimmlich sehr gut zusammen.

Der zweite Teil startet mit Mary Chapin Carpenters „Down At The Twist And Shout“, worauf „These Boots Are Made For Walking“ folgt. Langsam werde es aber auch Zeit für einen ersten Johnny Cash, so Steffi. Der folgt dann mit „I Walk The Line“. Hierin lässt sich auch eine der musikalischen Wurzeln der beiden erkennen. „Banks Of The Ohio“ oder „Blue Moon Of Kentucky“, das Monika zunächst in „Blue Moon Of Vohenstrauß“ umdichtet, sind Titel, die man in Zeiten des New Country eher selten hört. Sehr beeindruckend ist auch ihre Interpretation des Railroad-Songs „Orange Blossom Special“, womit sie die Zuhörer richtig begeistern können. The Crown Jewels spielen weitere Klassiker, u. a. „Folsom Prison Blues“ oder „Me And Bobby McGee“, wo Monikas Stimme besonders ausdrucksstark wirkt. Weiter geht es mit Titeln von CCR und „Long Time Gone“ aus dem Bluegrass-Album der Dixie Chicks, worin sich eine weitere musikalische Wurzel entdecken lässt. Es folgen die Rock´n´Roll-Standards „Johnny B. Goode“, “Blue Suede Shoes“, “Tutti Frutti“ und, wie Steffi ankündigt, zum Ausgleich Volksmusik und ein bisschen Klassik. Hier kommt Monikas Ausbildung am Konservatorium in Prag besonders zur Geltung. Das Programm der Crown Jewels, die neben Mountarillo zu den Stammmusikern im Sportzentrum in Vohenstrauß zu zählen sind, ist somit aber auch sehr abwechslungsreich.

Das abschließende Set beginnen Steffi und Monika mit Gospelmusik, u. a. „Swing Low, Sweet Chariot“. Es folgt der ein oder andere „Oldie“, wie „Let´s Twist Again“ oder „Leroy Brown“. The Crown Jewels haben einen eigenen Akustik-Country-Stil. Sie würden auch gerne im nächsten Jahr wieder nach Vohenstrauß kommen. Steffi sagt: „In Vohenstrauß ist es immer schön.“ Zum Abschluss noch ein langsamer Titel der Dixie Chicks, „Travelin´ Soldier“. Wunderschön und virtuos ist bei diesem Bluegrass-Titel erneut Monikas Spiel auf der Fiddle. Für eine Zugabe lassen sich die beiden Country-Mädels zum Glück nicht lange bitten: „Ring Of Fire“ und auf besonderen Wunsch spielt Monika Smetanas „Moldau“ an.

The Crown Jewels zeichnen sich durch ein hohes musikalisches Niveau aus. Freunde der Countrymusik sollten bei einem ihrer nächsten Konzerte oder auf der Homepage des Duos einfach mal vorbeischauen und sich davon überzeugen. Man darf mit Spannung auch erwarten, welchen Weg die beiden gehen werden, denn eine erste CD ist, wie Steffi mir erzählt, in Arbeit und wird demnächst erscheinen. CountryHome wird sicherlich dranbleiben und darüber berichten.

Lohnenswerte Internetadressen:

www.thecrownjewels.de

www.sportzentrum-vohenstrauss.de (nächster Termin für Countryfreunde: 5. November – Konzert von Cowgirl Annie)


Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)