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Ein schöner Ferienauftakt: Konzert der Texas Rooster beim Countryfest am
Kreuzweiher
29. Juli 2011
Letzter
Schultag vor den Sommerferien in Bayern. Das Wetter könnte besser sein,
aber wenigstens ist es nicht mehr so kalt wie die Woche zuvor. Aber der
Himmel ist wolkenverhangen und es regnet am Nachmittag hin und wieder
doch sehr stark. Hohe Luftfeuchtigkeit. An diesem Wochenende findet
bereits zum fünften Mal das Country-Weekened am Kreuzweiher statt. Beim
Pick-Up-Treffen in Vohenstrauß habe ich zum ersten Mal Mr. Twang und
Miss Four Rosie in der Besetzung als „Texadillos“ gehört und war von den
musikalischen Qualitäten der beiden sofort begeistert. Nun wollte ich
die beiden mal in der großen Besetzung als „Texas Rooster“ erleben und
hatte mir den 29. Juli als Termin ausgesucht.
So machte ich mich also auf den Weg. Der Ort Kalchreuth war sehr schnell
gefunden, aber dann…?! Hier wird der Vorteil eines Navis deutlich, das
ich aber nicht besitze. Es geht zunächst einmal nach Röckenhof und dann
durch den Wald. Eine sehr enge Straße, am Campingplatz vorbei, einmal um
den Kreuzweiher herum, bis man zur Gaststätte am Kreuzweiher kommt. Aber
es hat sich gelohnt. Der See und die Gaststätte liegen sehr idyllisch.
Der Grill wird gerade angeschürt, denn auf der Speisekarte wird
amerikanisches Barbecue angekündigt. Es gibt eine Westernbar und am
Eingang können Cowboyhüte käuflich erworben werden. „Texas Rooster“ sind
noch beim Soundcheck. Bei der Begrüßung erzählen mir Dirk und Sonja
gleich von Sonjas Unfall. Sonja muss das Konzert sitzend bestreiten und
sie ist auf Krücken angewiesen, da sie am Vortag von einem
ausschlagenden Pferd getroffen wurde. Außerdem hätten sie aus dem
Nachbarprobenraum wieder einen Musiker „angemietet“, René Langenhahn
alias Mr. Big Gun. René habe aber schon oft bei „Texas Rooster“
ausgeholfen, was sich während des Konzerts auch zeigt, da er mit den
übrigen Bandkollegen sehr gut harmonisiert. Neben Miss Four Rosie
(Sonja), Mr. Twang (Dirk) und Mr. Big Gun (René) gehört Mr. Iron Mike
Winter (Michael), der Schlagzeuger, zur Band.
Gegen
19:15 Uhr geht es los. „Hey Good Looking“ und „Drivin´ My Life Away“,
Texas Rooster heizen das Publikum in gewohnter musikalischer Qualität
an. Dirk hat zwar aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit etwas
Schwierigkeiten und muss seine Paisley-Gitarre zu Beginn noch etwas
nachstimmen. Aber von den angeblichen technischen Problemen –
Countrymusiker sind halt Perfektionisten – merken die Zuhörer nichts.
Langsam finden sich dann die ersten Linedancer vor der Bühne ein. Sonja
ermuntert die Tänzer mit dem Satz: „Wenn Ihr früher anfangt, könnt Ihr
auch länger mittanzen.“ Indem Dirk und Sonja die Gäste direkt mit Namen
ansprechen, wird deutlich, dass sie hier an ihrem Heimatort ein
Heimspiel haben. Man kennt sich und deshalb geht es sehr gemütlich und
familiär zu.
Ein erster Merle Haggard-Song, „Working Man Blues“ und „My Guy Thinks
You´re Dead“ von Junior Brown folgen.
Jedes der Bandmitglieder hat seine Soloparts und jedes der
Bandmitglieder ist ein hervorragender Musiker. Ob Miss Four Rosie am
Bass, Mr. Twang mit seiner E-Gitarre, Mr. Big Gun an der Akustikgitarre
und Mr. Iron Mike am Schlagzeug, die Musiker haben eine enorme
Spielfreude und das geht auch auf die Zuhörer über. So macht
Country-Musik einfach Spaß. Nebenbei erzählt Sonja immer wieder die
Geschichten, die in den Songs stecken. Es ist für jeden etwas dabei. Bei
George Straits „One Night At A Time“ kommen die Disco-Fox-Fans auf ihre
Kosten und für diejenigen, die mit Country-Musik träumen möchten, gibt
es Brad Paisleys „Behind The Clouds“ aus dem Film „Cars“. Da am nächsten
Tag keine Schule ist, sind unter den Gästen auch einige Kinder und
Jugendliche. So ist das Countryfest auch ein Familienfest. Das
Repertoire der Texas Roosters ist groß und vielseitig und bietet einen
Streifzug durch 50 Jahre Country-Musik: George Strait, Brad Paisley,
Merle Haggard, Nitty Gritty Dirt Band, Bob Dylan, Willie Nelson, Waylon
Jennings, natürlich Johnny Cash und so weiter. Die Situation, wenn alle
Ex-Frauen in einer Stadt leben, zeigt „All My Ex´s Live In Texas“ und
zum Abschluss der ersten Runde gibt es Alan Jacksons „Chattahochee“.
Nach
einer kurzen Pause läutet Tracy Byrds „We´re From The Country“ die
zweite Runde ein. Es wird die Frage gestellt, ob sich Trucker unter den
Gästen befinden würden – Schweigen. Dann zumindest die Frage nach großen
Geländewagen. Ebenfalls Schweigen. Dennoch spielen Texas Rooster den
Truckersong „Texas Boogie“ von Dale Watson. Bei „Tulsa Time“ beginnen
nun auch die sitzenden Gäste mit den Füßen mitzuwippen. „Drag´n fly“ ein
weiterer Truckersong. Wenn Sonja, die als Lehrerin arbeitet, sagt,
manchmal wache man einfach auf und fühle sich wie 67, während man
eigentlich erst 37 sei, können das manche nachfühlen. „Much To Young To
Feel This Damn Old“ ist der Song dazu und es wird wieder einmal
deutlich, dass Country-Musik das wahre Leben widerspiegelt. Mit „Heart
Of Texas“ spielen Texas Rooster auch einen selbst geschriebenen Song.
Dirk erzählt in der Pause, dass sie einige eigene Songs in Vorbereitung
hätten. Der Song „Heart Of Texas“ macht auf jeden Fall sehr neugierig
auf diese Songs. Zu „Bandy The Rodeo Clown“ möchte Sonja im Angesicht
ihres Erlebnisses am Vortag nichts sagen. Aber auch der nächste Song,
„Beer For My Horses“, handelt von einem Gaul. Sonja hat den Eindruck,
als würden sie diese Tiere verfolgen. Da zeigt sich doch das Sprichwort:
Wer den Schaden hat…
Im dritten Set verneigen sich die Texas Roosters vor ihrem Kollegen
Daniel T. Coates. Sie spielen aus Dans neuer CD „Jenny Works In There“
den Titelsong und verdeutlichen, dass sie diesen Song besonders lieben.
„Down At The Twist´n Shout“ bietet einen Ausflug in die Cajun-Ecke.
Allerdings muss Big Gun mit seiner Gitarre den Akkordeonpart übernehmen.
Dirk sagt dazu: „Wir haben kein Akkordeon, aber einen guten
Akustik-Gitarren-Spieler“. Bei Renés Soloeinlagen wird deutlich, dass
Dirk Recht hat. „Eastbound An Down“ ist ein weiterer Filmsong, dieses
Mal aus dem Streifen „Ein ausgekochtes Schlitzohr“. Alan Jacksons „Thank
God For The Radio“ ist einfach ein wunderschöner Song und so wechseln
langsame und schnelle Songs ab. Natürlich kommen dann auch die
Cash-Titel „Big River“ und „Jackson“. Texas Roosters Version dieser
Titel ist so, dass man fast schon Johnny Cash und June Carter persönlich
auf der Bühne stehen sieht. Bei „Brokenheartsville“ von Joe Nichols hat
nun Mr Big Gun seinen Auftritt als Sänger.
„Wrapped
around“ von Brad Paisley macht erneut deutlich, wer das Vorbild für Dirk
ist. Und Dirks Gitarrenspiel ist Weltklasse. Sonjas Talent als Bassistin
werden dann vor allem in den Johnny Cash-Titeln, z. B. „Folsom Prison
Blues“ deutlich. Das Motto der Band „Geht nicht, gibt´s nicht – es gibt
für so gut wie alles eine Lösung“ verdeutlicht die Tatsache, dass sie
auf Wunsch spontan „Sweet Home Alabama“ spielen. Big Gun, zuständig für
den Gesangspart, gibt hier eine eigene Version des Songs, die im
Publikum für gute Stimmung sorgt. Bekannte Songs wie „I Love This Bar“
oder „Luckenbach Texas“ dürfen natürlich nicht fehlen. Traditionell
folgt am Ende der Song „The Cowboy Rides Away“. „Irgendwann hat auch der
schönste Sommerabend ein Ende“, so Sonja. Aber so einfach lassen die
Gäste die Texas Roosters nicht in den Sonnenuntergang reiten. Als Zugabe
gibt es noch „On The Road Again“.
Das Konzert der Texas Roosters war einfach der perfekte Ferienbeginn.
Ein stimmungsvolles Konzert an einem stimmungvollen und idyllischen Ort.
Was will man mehr? Das Countryfest am Kreuzweiher, das jedes Jahr im
Juli stattfindet, ist ein Tipp für alle Countryfreunde. Einfach im
nächsten Jahr auf die Terminankündigungen achten und hinfahren. Die
Termine für die nächsten Konzerte der Texas Roosters stehen auf deren
Homepage:
www.texas-rooster.de
Kann sein, dass man sich hier irgendwann begegnet, denn ich bin
mittlerweile ein Fan der sympathischen Franken geworden.
Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)
 

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