2. Pick-Up–Treffen in Vohenstrauß (Teil 2): Konzert mit „Texadillos“ und „Dispatch Skulls“

Nach der Fahrzeugausstellung auf dem Gelände des Sportzentrums (siehe Teil 1) und der Grenzlandausfahrt im Convoy standen zwei Konzerte an: „Texadillos“ aus dem Nürnberger Raum und „Dispatch Skulls“ aus München.

Eigentlich war es ja eine Überraschung, dass an diesem Abend zwei Bands auf der Bühne standen, denn ursprünglich war nur der Auftritt der Musiker aus München vorgesehen. Da Dispatch Skulls aber den Abend zuvor bis in die frühen Morgenstunden einen Gig beim Munich-Harley-Festival gespielt hatten, hatten sie Dirk und Sonja gebeten, mit Texadillos den Opener bis ca. 21:30 zu machen.

Mit den sympathischen Franken begann dann der Country-Rock-Abend. Sonja alias Miss Four Rosie und Dirk alias Mr. Twang, Mitglieder der Nürnberger Band Texas Rooster, formieren in der kleineren Besetzung mit Gitarre, Bass, Gesang und Schlagzeug als „Texadillos“. Und der Name ist Programm. Viele der Songs, die sie spielen, stammen aus oder handeln von dem Bundesstaat Texas („Texas Boogie“, „Heart of Texas“ usw.). Für den Abend hatten sie sich vom Nachbarprobenraum den Drummer Longo  ausgeliehen, der eigentlich Rock-Cover spielt und zum ersten Mal an diesem Abend „C-Mucke machen musste“. Aber irgendwie schien Longo dann doch großen Spaß zu haben, Countrymusik zu trommeln.

Den Spaß, den Texadillos bei ihren Auftritten haben, konnte man regelrecht spüren. Schade nur, dass es viele der Gäste bis zum Schluss vorgezogen haben, die Sommerwärme außerhalb der Halle zu genießen. Zwar konnten sie dort die Musik auch recht gut hören, aber es ging ihnen doch etwas von der Konzertatmosphäre verloren. Aber beide Bands ließen sich von den leeren Tischen vor der Bühne nicht stören und Vohenstrauß ist halt eine gemütliche und familiäre Location mit Anke und Manfred, zwei sehr netten und engagierten Veranstaltern.

Zu Beginn bringen Texadillos dann auch gleich Stimmung mit Eddie Rabbits „Drivin´ my Love away“. Es folgt „Hey good looking“, das sie, so Sonja, den gutaussehenden Jungs von Dispatch Skulls widmen. Auch der Techniker, der an diesem Tag bereits sehr hart arbeiten musste, bekommt einen Song, „Working man blues“. Passend zum Event haben Sonja und Dirk dann ein paar Automobilsongs im Repertoire, wie Dwight Yoakams „Guitars and Cadillacs“ oder Brad Paisleys wunderschönes „Behind the clouds“ aus dem Film „Cars“. Erwähnenswert dürfte in diesem Zusammenhang sicherlich sein, dass Dirk dieselbe Gitarre wie Brad Paisley spielt und es faszinierend ist, wie virtuos er das Instrument beherrscht. Dazu kommen dann noch die stimmlichen Qualitäten der beiden.

Natürlich dürfen bekannte Country-Standards nicht fehlen. So wird Waylon Jennings „Luckenbach Texas“ als Evergreen angekündigt, „den jeder spielt. Wir auch“. Dennoch zeigt sich vor allem an diesem Song und den Johnny Cash-Klassikern „Folsom Prison Blues“ oder „Jackson“ die musikalische Qualität dieser Cover-Band, die sie von manch anderen abhebt. Wer Texadillos oder Texas Rooster nicht kennt, sollte sich mal von dem Spaß und der Lässigkeit dieser Musiker bei einem ihrer nächsten Konzerte überzeugen.

Bevor sie, wie Sonja sagt, wie Cowboys in den Sonnenuntergang reiten und die Bühne für Dispatch Skulls freimachen wollen, gibt es passend mit „The Cowboy rides away“ einen abschließenden George Strait-Song.

Was dann nach einer kurzen Pause folgt, konnte man vielleicht bereits an dem aufgehängten Logo, dem Totenkopf mit Cowboyhut erahnen: Richtiger ehrlicher Rock zwischen, so Andy Dittrich, ZZ Top und Johnny Cash. So wie Johnny Cash gaben sie 2010 auch ein Konzert im Knast (eine Rezension ihrer CD „Live at Stadelheim“ folgt in den nächsten Tagen).

Die Band Dispatch Skulls gibt es seit ca. 2008 und besteht aus dem Bassisten Andy Dittrich, der auf der Suche nach gleichgesinnten Musikern auf den Gitarristen und Sänger Bastian Krauss traf. Professionalität mit einem gewissen Humor und der Liebe zum amerikanischen Lebensstil standen bei Andys Suche im Vordergrund. Eigenschaften, die man während des Konzerts und auch beim Hören ihrer CD erfahren kann. Vor über einem Jahr  kam der Schlagzeuger Dany Rasquin neu in die Band.

Im ersten Teil stehen Songs auf dem Programm, die man nicht so oft hört, auch Songs, die weniger bekannt sind. Sie präsentieren z. B. David Allan Coes „Son of the South“ oder „18 Wheels and a Crowbar“ der amerikanischen Countryband BR549, ein Titel, aus dem auch der Bandname stammt. Eric Claptons „Lay down Sally“ oder Chris Ledouxs „Cadillac Ranch“ gibt es im eigenen Dispatch Skulls-Stil.

Der zweite Teil beginnt mit ihrem eigenen Song „Red Rockin´ Rita“, der Andy und Bastian im Münchner „Hard Rock Cafe“ eingefallen ist, als sie den gleichnamigen Cocktail in der Speisekarte entdeckt hatten. In ihrem eigenen Stil präsentieren sie anschließend einige bekanntere Songs wie „Walk of Life“ der Dire Straits oder Eric Claptons „Crossroads“. In das vielseitige und interessante Repertoire passen neben bluesangehauchten Nummern auch ein Beach Boys-Titel, der für Stimmung sorgt, oder eine mitreißende Interpretation des Klassikers „King of the Road“. Natürlich darf auch nicht ihre in den bayerischen Wurzeln verhaftete Version von „Folsom Prison Blues“ fehlen, für die sie mittlerweile doch recht bekannt geworden sind. Man hätte sich nicht vorstellen können, dass in diesen Johnny Cash-Titel irgendwie „Schickeria“ der Spider Murphy Gang passen würde. Aber wie heißt es hier in einer Textzeile: „…und morgen sitz ´mer in Stadelheim…“. Dies war dann auch der Anlass für sie, „ganz freiwillig“ in den Knast zu gehen und dort die bereits erwähnte CD aufzunehmen. Passend dazu gibt es von Elvis Presley noch den „Jailhouse Rock“.

Nach dem letzten Song werden dann doch auch einige Rufe in und außerhalb der Halle nach Zugabe laut. Andy ist hierbei etwas überrascht, da diese Rufe zunächst recht zaghaft kommen. Denn die meisten der Gäste hätten doch große Autos vor der Hütte stehen, die Forderungen nach Zugabe, so betont er im sächsischen Dialekt, würden aber eher an Kleinwagen oder Trabbis erinnern. Nachdem die Zurufe aber lauter geworden waren, gibt es dann doch noch zum Abschluss „Sweet Home Alabama“ als Zugabe.

Auf der Heimfahrt habe ich mir dann die CD der Münchner Country-Rocker eingelegt und konnte das Konzert noch einmal Revue passieren lassen. Für mich war es das erste, aber bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich ein Konzert der Dispatch Skulls, die im Übrigen an einer neuen CD mit eigenen Songs arbeiten, besucht habe. Mitreißender, kerniger, ehrlicher Rock, der die Grenzen zwischen Hard Rock, Country und Blues sprengt. Somit waren beide Konzerte ein Höhepunkt und ein würdiger Abschluss des Pick-Up-Treffens in Vohenstrauß, bei dem man den American Way of Life entdecken konnte.

Vielleicht konnte durch die beiden Berichte bei einigen Autofans das Interesse geweckt werden und man sieht sich zum dritten Pick-Up-Treffen 2012 in Vohenstrauß.

Nähere Informationen zu:

- Dispatch Skulls: www.dispatchskulls.com

-Texadillos/Texas Rooster: www.texadillos.de , www.texas-rooster.de

- Sportzentrum Vohenstrauß: www.sportzentrum-vohenstrauss.de

 




Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)