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Die
Newhouse Strings im Bürgerspital in Plattling: Die musikalische
Darbietung und pointierte Geschichten begeistern das Publikum
Die Strings hatten bereits am Tag zuvor aufgebaut und konzentrieren sich vor dem Konzert nur noch einmal auf den Soundcheck. Ihre Befürchtungen, es würden an diesem Abend nicht viele Zuschauer kommen, bewahrheitet sich dann leider auch. Camillo Kraus liefert zu Beginn die Begründung für Lothars Bemerkung, dass es sich um eine überschaubare Anzahl an Gästen handle: „Weil´s alle beim Papst sind.“ Doch die Newhouse Strings haben richtig Lust zu spielen: „Strom ham´ mer, Leit ham´ mer, gute Laune ham´ mer, mir sann soweit.“ Mit traditionellem Country geht es los und die Strings entführen die Zuhörer musikalisch an den Mississippi. Dann legen sie gleich nach mit „Postcards from Paraguay“, das sie einem verstorbenen Bandmitglied widmen. Werner Mini zeigt hier wieder sein Können an der Akustik-Gitarre. Während eines Gesprächs hatte er mir gegenüber festgestellt, dass es vor allem im Bereich der Country- und Bluegrassmusik viele gute Gitarrenspieler gebe. Meiner Ansicht nach gehört Werner Mini zur Gruppe der besten Gitarrenspieler. Diese Tatsache wird im Verlauf des Konzerts noch deutlich. Es folgt wieder ihre wunderschöne Version von „Tequila Sunrise“ – die Strings wissen bereits, dass dieser Titel mit seinem herrlichen Harmoniegesang zu meinen Favoriten zählt. Hier erkennt dann auch der Countryfan, wo bei den Strings die Vorlieben liegen: Camillo ist ein Fan der Eagles, während sich Lothar und Werner für Diamond Rio begeistern. Obwohl Jenny Eindl an diesem Abend durch eine Grippe gehandikapt ist und Werner Minis Lunge ihm seit einiger Zeit Probleme bereitet, singen und spielen sie den Song „Creepin´ In“, das Duett von Norah Jones und Dolly Parton, in gewohnt bewährter Weise auf hohem Niveau. Das Konzert der Strings ist aber auch eine Zeitreise. So wird mit „Teach Your Children Well“ von Crosby, Stills, Nash & Young an Woodstock erinnert. Es ist einer der wenigen Lieder, die Lothar, der sonst für die „Klopfwerkzeuge“ zuständig ist, mit seiner Gitarre anfangen darf. Wenn hier Werner die Lap Steel spielt und die Musiker der Newhouse Strings mit ihrem Harmoniegesang begeistern, bekommt der Zuhörer Gänsehaut. Freunde der Akustik- und Gitarrenmusik kommen natürlich auch bei einem Titel von Reinhard Mey auf ihre Kosten. „I Am From Austria“ wird wieder auf „I Am From Bavaria“ umgedichtet. Die musikalischen Darbietungen der niederbayerischen Musiker sind gefühlvoll-harmonisch. Dies wird erneut bei „Dream A Little Dream Of Me“ deutlich, den Jenny singt und Werner an der Mundharmonika begleitet. Einfach schön! Es ist ein Liederabend mit einer fast intimen Atmosphäre. Dazu liefert Lothar zwischen den Liedern immer wieder pointierte Geschichten und Weisheiten, wie: „Was der Herrgott vom Kopf nimmt, lässt er aus der Nase und aus den Ohrwascheln wachsen.“ Die Strings sagen selbst, dass es die Musik und das Wirrwarr zwischen den Liedern sei, was die Band ausmache. Und dieses Wirrwarr wurde von den Strings zur Kunstform entwickelt, das den Abend so unterhaltsam macht. Lothar überrascht durch seine Geschichten sogar immer wieder seine Bandkollegen. Ein weiterer Musiker, den die Strings gerne interpretieren ist Mark Knopfler. Es folgt dessen Song „Daddy´s Gone To Knoxville“. Die Newhouse Strings haben aber auch Reggae drauf. Armin Eindl übernimmt bei „Shame And Scandal In The Family“ den Leadvocal. Das Repertoire der Band ist sehr abwechslungsreich. Bei „Walking After Midnight“ glänzt Jenny durch eine richtige Countrystimme. Wenn aber Werner dann „Raindrops Keep Falling On My Head“ singt, kann man Lothar nur zustimmen, wenn dieser über die stimmlichen Qualitäten seines Bandkollegen scheinbar selbst überrascht sagt: „Bääääärenstark“. Dazu der Harmoniegesang, das ist Gänsehaut pur. Dazwischen trägt Lothar die Zungenbrecher-Geschichte von den Hottentotten vor und vor der Pause gibt es mit „S´ Dipferl“ noch ein bayerisches Schmankerl. Den zweiten Teil beginnen die Strings wieder mit ihrem hervorragenden Harmoniegesang, indem sie den Beatles-Klassiker „Here Comes The Sun“ interpretieren. Natürlich darf auch der Titel „Männer in den besten Jahren“ von Stefan Gwildis nicht fehlen. Die anschließenden technischen Probleme mit Jennys Bass, die aber schnell behoben werden können, überbrückt Lothar unter anderem mit der Geschichte des siebenjährigen Jungen, der zum ersten Mal Urlaub in Bayern macht. Das ist immer wieder lustig, auch, wenn man die Geschichte schon gehört hat. Premiere feiert ihre Version des Lieds „Du bist wia di Wintersun“ von Wolfgang Ambros. Ein fester Bestandteil der Konzerte der Newhouse Strings ist Fredl Fesls „Riesenneger im Nieselregen“, das aber gar nicht rassistisch sein soll, denn die Formulierung mit „ein stark Pigmentierter“ hätte sich, so Lothar, nicht so gut gereimt. Was folgt ist wieder Country: Shania Twains „No One Needs To Know“. Werner ist auch ein wahrer Meister an der Mundharmonika. „Weus´d a Herz hast wia Bergwerk“ – in der Fassung mit Werner und Jenny und dem Country angehauchten Westcoast-Arrangement - ist schöner als das Original. Natürlich darf Willie Nelsons „On The Road Again“ – in einer typischen Newhouse-Strings-Fassung - nicht fehlen. Die Strings interpretieren Sashas „Halleluja I Love Her So“, Ringo Starrs „You´re Sixteen“ und laden das Publikum bei „I Love A Rainy Night“ wieder zum Mitschnippen und Mitklatschen ein. Nach „I´ll See You In My Dreams“ können die Strings selbstverständlich nicht ohne Zugaben einfach von der Bühne gehen. Zum Glück lassen sie sich nicht lange bitten und so kommen die Gäste in den Genuss einer Akustik-Version von „Sultans Of Swing“. Werners Gitarrensolo begeistert, fasziniert und der Zuhörer erkennt, Werner Mini gehört unbedingt in den Kreis der besten Akustik-Gitarrenspieler, die Deutschland zu bieten hat. Das ist erneut Gänsehaut. Beim abschließenden „All Shook Up“ hält es im Zuschauerraum keinen mehr auf seinem Stuhl. Die Newhouse Strings lohnen auf jeden Fall eine lange Anfahrt. Neben den niederbayerischen Fans finden sich im Publikum Gäste aus München und aus der Nähe von Stuttgart. Jetzt macht die Band aber erst einmal eine Pause, dennoch steht für 2012 bereits wieder ein Konzerttermin fest. Darüber informiert die Homepage der Strings: www.newhousestrings.de . Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)
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