Mountarillo bei den Sommer-Serenaden in Weiden
3. August 2011

Texas sei ähnlich wie Franken oder Bayern. Das meint jedenfalls Sebbo von der Nürnberger Countryband Mountarillo. Vereinzelt sind eine Stunde vor Konzertbeginn Cowboyhüte im Umfeld des Pavillons im Max-Reger-Park zu erblicken. Mehrheitlich sind es aber die Serenadenbesucher, die sich bereits einen Platz vor der Bühne gesichert haben und bereits beim Soundcheck zuhören. Denn was die Stadt Weiden hier jeden Sommer mit seinen Sommer-Serenaden auf die Beine stellt, ist erstaunlich. Jeden Sonntag und Mittwoch finden kostenlose Konzerte statt, die die unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen zeigen. An diesem Abend nun Countrymusik, genauer gesagt Honky Tonk im Texas Style. An den Gesichtern vieler Serenadenbesucher ist im Vorfeld zu erkennen, dass die wenigsten bis jetzt irgendeinen Bezug zu dieser Art von Musik hatten. Aber das ist ja das Schöne an diesen Weidener Konzerten: Man kann mal in die unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen hineinschnuppern, ganz ohne Berührungsängste.

So erhalten die Zuschauer nach der Begrüßung durch Sigrid Schneider vom Kulturamt auch eine kurze Erläuterung von Bruno Wilfahrt, Moderator der Countrysendung bei Radio Ramasuri, zu dem, was Countrymusik für ihn besonders macht: Es sind die Geschichten, die in den Songs erzählt werden. Und Sebbo und Bört von Mountarillo sind Meister des Erzählens. Ein Song, der nach Brunos Ansicht den Kern der Countrymusik widerspiegelt, sei „Me And Bobby McGee“. „Freedom Is Just Another Word For Nothing Left To Lose“ – Du bist dann frei, wenn du nichts mehr verlieren kannst, so der Kernsatz aus dem Song, den Mountarillo zu Beginn ihres Konzerts auch spielen.

Mountarillo (Sebbo und Bört Förster) sind an diesem Tag mit Klaus Schönauer (Drums) und Jochen Sauter (E-Gitarre) in großer Besetzung angereist. Neben bekannten und weniger bekannten Countrysongs spielen Mountarillo an diesem Abend auch viele eigene Songs aus ihrer ersten CD. Nach dem Klassiker von Kris Kristofferson kommt gleich ein „Original Förster“: „My Kind Of DJ“. Anschließend präsentieren sie den von Sebbo geschriebenen Titel „That´s Why I Came Around“. Auf dem langen Weg von Chicago nach Texas wird hier der Zwischenstopp in einer Bar geschildert, wo der Barkeeper und der Gast feststellen, dass sie die gleiche Art von Musik hören. Natürlich dürfen an diesem Abend ein Kevin Fowler- oder ein Johnny Cash-Titel nicht fehlen. Mit ihrer Interpretation von „Folsom Prison Blues“ haben Mountarillo dann das Publikum ganz auf ihrer Seite und so machen die paar Regentropfen den Zuhörern nichts mehr aus. Zusammen mit dem hervorragenden Schlagzeuger Klaus Schönauer und dem genialen Gitarrenspieler Jochen Sauter, der auch auf Mountarillos Album zu hören ist, erzeugen Sebbo und Bört einen vollen Sound und sorgen für das richtige Countryfeeling im Park. Aus ihrer Vorliebe zu Texas machen die beiden keinen Hehl. Ob in George Straits „All My Ex´s Live In Texas“ oder in ihren eigenen Songs, die sie immer wieder einfließen lassen und die in der traditionellen Countrymusik verwurzelt sind, ist der Bezug zu dem südlichen US-Staat allgegenwärtig. In der traditionellen Countrymusik verbunden sind  eben auch Mountarillos Coverversionen, z. B. „Wagon Wheel – Rock Me Mama“ von Bob Dylan, hier in einer Version der Old Crow Medicine Show. Bei Steve Millers „The Joker“ wird auch das Publikum nicht müde, den Rhythmus mitzuklatschen. Anschließend entbrennt zwischen den beiden Musikern eine kurze ironisch gemeinte Diskussion darüber, dass Börts Titel nicht in den deutschen Countrycharts vertreten sind, sondern die von Sebbo geschriebenen Songs, wie „Your Cowboyhat“. Dieser Titel darf natürlich nicht fehlen, bevor Sebbo und Bört anhand des Songs „You Never Even Call Me By My Name“ den Gästen im Max-Reger-Park erklären, wie ein perfekter Countrysong zu schreiben ist. Dass Sebbo und Bört perfekte Countrysongs schreiben können, stellen sie erneut mit „One Night At The Last Call“ unter Beweis. Die Tatsache, dass die Zuschauer im Grunde die Texthilfen zum Mitsingen, die Bört und Sebbo als Gag hochhalten, nicht brauchen, zeigt, dass sie mit ihren Songs begeistern können. Sebbo, der seit wenigen Tagen frisch gebackener Vater ist, und Bört fühlen sich bei ihrem Konzert in Weiden sichtlich wohl. Hier bei den Sommerserenaden können sie ihr Motto „Sit Down, Shut Up And Listen“ sehr gut umsetzen. Von der Idee der kostenlosen Parkkonzerte ist Sebbo begeistert und er ermuntert die Gäste dazu, diese Konzerte auch fleißig zu besuchen.

Das Trinken von Bier ist der Bestandteil einiger weiterer Songs und spätestens bei dem Titel „Chicken Fried“ sind die meisten der Serenadengäste zu Texanern geworden – „Cold Beer On A Friday Night“ wird von Vielen lauthals mitgesungen. Zu ihrem eigenen Song „She Still Dances Alone“ erzählen die beiden Musiker, dass dies der erste Song gewesen sei, den sie zusammen geschrieben hätten. Dabei singt Sebbo die Stellen, die Bört geschrieben hat, und Bört übernimmt die Textpassagen, die von Sebbo stammen. Mountarillo können das Weidener Publikum so begeistern, dass das Konzert ohne Zugaben nicht so einfach beendet werden kann. Es folgt der in den USA sehr erfolgreiche Titel „People Are Crazy“ von Billy Currington und ihr eigener momentaner Hit, die wunderschöne Ballade „The Highway Never Ends“, wo sie ihre Zufriedenheit mit ihrem Musiker-Job zum Ausdruck bringen.

Zufrieden gehen auch die Serenadenbesucher nach Hause. Einige tun dies aber nicht, ohne eine CD und die Musik der beiden Texasfans Sebbo und Bört mit nach Hause zu nehmen. Mountarillo haben bei den Sommerserenaden ein tolles Countryfeeling aufkommen lassen und bei dem ein oder anderen doch eine gewisse Sehnsucht geweckt, den US-Bundesstaat Texas einmal zu besuchen. Sicherlich stellte sich aber der ein oder andere Konzertbesucher am Ende doch die Frage: Steckt nicht irgendwie ein bisschen ein Texaner auch in mir? 

Über die weiteren Termine bei den Weidener Sommerserenaden und von Mountarillo informieren folgende Webseiten: 

www.weiden-oberpfalz.de www.mountarillo.com 

Andreas Hilgart (country.andy@gmx.net)