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Johnny Cash – The Man In Black Is Back in Amberg
In dem Stück wird die Lebensgeschichte des Country-Sängers erzählt. Cash
(Nils-Holger Bock) tritt hier als Erzähler auf, der sich kurz vor seinem
Tod im Jahr 2003, nachdem am 15. Mai seine zweite Frau, June Carter
(Bianca Karsten), gestorben war, an sein Leben zurückerinnert. Zu Beginn
steht er auf einem verlassenen Güterbahnhof und es ist noch nicht klar,
ob er in die Hölle oder in den Himmel kommen wird. Die Stunde des Todes
bringt ihn zum Nachdenken und die Sehnsucht nach Vergebung erweckt einen
Dämonen, der in der Gestalt des Eisenbahnbremsers (Roland Heinrich) ihn
auf eine Fahrt durch sein Leben nimmt. Die Reise, die zu einem Kampf um
die Seele Cashs wird, findet mit der Eisenbahn statt, die das Boom
Chicka Boom seiner Songs vorgibt. Dabei kämpft der von Cash
heraufbeschworene Dämon, der in verschiedenen Rollen auftritt, mit den
weiblichen Figuren, die das Gute verkörpern. Es beginnt mit der
entbehrungsreichen Kindheit auf den Baumwollfeldern in Arkansas. Ein
erstes einschneidendes Erlebnis für Cash ist, als im Elternhaus ein
Radiogerät angeschafft wird. Hier hört er zum ersten Mal Jimmy Rodgers
„Hoboe Bill´s Last Ride“ oder die Carter Family. Seine Begeisterung für
die Musik wächst. Dabei spielen im Leben des Sängers von Anfang an
religiöse Motive eine wichtige Rolle und es wird daran auch die
Vielschichtigkeit der Person Cashs deutlich. Das zentrale Motiv in
Johnny Cashs Leben bezieht sich auf die Parabel über die Talente aus dem
Lukas-Evangelium: Wer besondere Fähigkeiten hat, der hat besondere
Verantwortung und muss die Talente zu guten Taten nutzen. Die
puritanisch-calvinistische Sichtweise Nordamerikas von der
Auserwähltheit, man müsse sich seiner Talente würdig erweisen, wird vor
allem in der Aussage von Cashs Mutter (Arzu Ermen) deutlich, die ihren
Sohn maßregelt, seine Stimme als Geschenk Gottes zu sehen, für die er
nur der Träger ist. An dieser Anforderung scheint Cash immer wieder zu
zerbrechen, beginnend mit dem Unfalltod des zwei Jahre älteren Bruders
Jack, wo der Vater (Andreas Goebel) sagt, es sei wohl der falsche Sohn
gestorben, oder als sich bei der Beerdigung der Dämon, dieses Mal in
Gestalt des Predigers auf das Matthäus Evangelium bezieht: „Ihr sollt
nicht sammeln Schätze auf Erden, sondern sammelt Euch Schätze im
Himmel“.
Johnny Cash geht zur Air Force, die er nicht mag, und wird in
Landsberg/Lech stationiert. Nach der Rückkehr heiratet er Vivian Cash
(Julia Leinweber) und erhält schließlich nach einer erfolglosen Zeit als
Kühlschrankvertreter einen Plattenvertrag bei Sam Phillips. Die Tochter
Rosanne wird geboren, aber die Vorzeichen, dass seine Ehe zerbrechen
wird, sind bereits da. Da lernt Cash June Carter kennen, die er schon
seit der Zeit verehrt, als er die Carter Family zum ersten Mal im Radio
gehört hat. Doch der Dämon verführt Cash erneut und der Sänger gerät in
die Drogensucht. Cash durchschreitet jetzt ein „Tal der Tränen“ – sehr
eindrucksvoll und düster gespielt, als Cash im Drogendelirium am Boden
liegt und Nils-Holger Bock als Johnny Cash zusammen mit dem Ensemble
„Rusty Cage/I Got Stripes“ gibt. Doch er kann von June Carter gerettet
werden. Am Ende findet er bei den Personen, die sein Leben geprägt
haben, Vergebung und kann seiner geliebten Frau June, die hier als Frau
in Weiss auftritt, durch den Kreis des Lebens nachfolgen.
Nils-Holger Bock als nachdenklicher, aber auch agierender Johnny Cash
wirkt durch seinen markanten Bassbariton und seinem Aussehen bereits
sehr authentisch. Als er nach dem Tod von June Carter sagt: „Ich habe
sie geliebt“, verdrückt der ein oder andere Theaterbesucher sicherlich
eine Träne.
Bianca Karsten bringt die Leichtigkeit, Unbeschwertheit, auch ein
bisschen Überdrehtheit June Carters gut herüber. Mit ihrer Erfahrung,
nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Sängerin, ist es ein
Genuss Bianca Karsten zuzuhören.
Neben den genannten Mitwirkenden darf man aber nicht die Leistung von
Andreas Goebel als Cashs Vater oder Sam Phillips, Arzu Ermen als Cashs
Mutter oder Julia Leinweber u. a. als Vivian Cash vergessen, die
ebenfalls mit schauspielerischem und gesanglichem Können überzeugen. Die
Musiker Heiko Ahrend, Michael Deak, Benny Glass und Wolfram Csupkay sind
auf der Bühne in das Geschehen integriert und begeistern durch
musikalisches Können und Spielfreude.
Diese Begeisterung spiegelt sich auch beim Publikum im fast
ausverkauften Stadttheater wieder: Tosender Applaus, Mitklatschen und
Begeisterungsrufe.
Poetisch, philosophisch tiefgründig, aber gleichzeitig unterhaltend und
Gänsehaut erzeugend, indem die Darsteller, allen voran Nils-Holger Bock
oder Bianca Karsten, die Zuschauer mitleiden ließen.
Empfehlenswert ist auch die zum Musical produzierte CD, die über die
Konzertagentur Landgraf (www.landgraf.de) zu erhalten ist. Neben den
Cash Titeln wie „Ring Of Fire“, „Folsom Prison Blues“ oder „If I Were A
Carpenter“, findet sich dort so mancher Gospelsong, den das Ensemble in
einer sehr professionellen Produktion aufgenommen hat.
Leider ist die Tournee nun mit den letzten Gastspielen in Essen zu Ende,
aber zum einen ist das Musical an andere Theater verkauft worden und zum
anderen scheint es ab Herbst noch die ein oder andere Aufführung zu
geben. Also: Reingehen!
Andreas Hilgart |