BOB DYLAN – Über Folk zum Countryrock oder doch ein Crossovertyp?
Burkhard Börks Bogenschneider
»Die großen Bücher sind schon alle geschrieben,
die großen Worte schon alle gesagt.
Ich skizziere euch jetzt ein Bild von dem,
was hier gelegentlich so läuft.« (Dylan)
Eigentlich
könnte man sich ja kurz fassen über diesen Künstler. Seinen Lebenslauf kennt
fast jeder, seine Songs, soweit es die „Greatest Hits" betrifft ebenso, und
augenscheinlich ist der Typ genau so gealtert wie wir alle. Über Folk zum
Country oder vielleicht doch auch Bob Dylan mehr eine Art Crossover-Sänger?
Irgendwie schon, denn als er plötzlich Ende der 60er Jahre die Nähe Johnny
Cash’s suchte, der ihn ja auch sofort in seine ABC-TV-Show einlud, war klar
erkennbar, dass auch Country Ambitionen in ihm schlummerten. Ein Jahr zuvor war
sein Country Album: „John Wesley Harding" herausgekommen, dass gute Kritiken
aufzuweisen hatte. Und es passte auch irgendwie gut zusammen. Der „brummige"
Cash und der näselnde Dylan als Duo. Das war nicht bloß für die Countrywelt ein
Ohrenschmaus. Johnny Cash nahm ihn auch vor der ganzen folkloristischen Szene in
Schutz, als Bob bei einem Livekonzert anfing mit Rockband und E-Gitarre
aufzutauchen, und die Puristen darauf mit großem Pfeifkonzert aufwarteten, sagte
Johnny Cash ganz trocken ins Publikum: „Haltet endlich eure Klappe und lasst ihn
singen…"
Einige Jahre später (1972) entstand der Hollywood-Streifen: Pat Garrett and Billy The Kid und mit „Knockin’ On’ Heaven’s Door" lieferte er auch die Filmmusik!
Jedenfalls versuche ich mal mehr oder weniger das vom Meister herauszukitzeln, was für mich wirklich mit Country zu tun haben könnte - und da kommt selbst von der Titelaufzählung, doch ganz schön was zusammen. Nebenbei bemerkt; wird Robert Allen Zimmerman am 24. Mai 1941 in Duluth, Minnesota geboren. Bevor er Gitarre und Harmonika spielt, hatte er schon Klaviererfahrungen absolviert. Er spielte Bluesstücke nach – hörte gerne Buddy Holly, Little Richard, Chuck Berry und als die ersten Sun-Stücke von Elvis’ auftauchen, bringt er sich „Blue Moon Of Kentucky" auf der Gitarre bei! Also schlummerten auch Rockabillytalente in Dylan und so verwundert es nicht wirklich, dass auch Countryfeeling in ihm steckte.
Allein seine Bootleg-Sammlung umfasst so viel Material, dass seine Plattenfirma gar nicht wusste, wo ihnen bei Bob Dylan der Kopf steht. Ob diese Aufnahmen nun alle wirklich was taugen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Die einzige Bootleg die für mich was hermacht, ist die Cash-Dylan Session, die 1969 in Nashville produziert wurde, und bis dato, nur „Girl from The North Country" offiziell auf der LP/CD „Nashville Skyline" zu finden war. Wer aber das Video dieser Aufnahmesession kennt, der kann schnell zum Dylanfan werden, wenn er den verschmitzt grinsenden Dylan bei der Anhörung des eingespielten Stückes „One Too Many Mornings" sieht - soweit es um die Country Ambitionen bei diesem Künstler geht.
Aber da
gibt es noch eine weitere Story über ihm, die fast ausnahmslos bei vielen
autobiographischen Zügen seiner Person übergangen wurden: nämlich den „Wilbury."
Wie sagte Roy Orbison einst: „Es findet sich überall unter uns ein Wilbury!" Und
Bob gehörte nämlich zu dieser gegründeten Formation Traveling Wilburys in den
80er Jahren um Ex-Beatle George Harrison, Jeff Lynne und Tom Petty, wobei Dylan
der „Lucky", Orbison der „Lefty" und Harrison der „Nelson" waren. Lynne und
Petty und wer sonst später noch zur Formation stiessen, m.E. hingegen nur
Mitläufer darstellten. Auch hier gab es tolle Einspielungen als Single bzw. LP/CD’s
die in keiner Dylan-Sammlung fehlen sollten.
Je glamouröser Dylan’s rebellische Vergangenheit rückblickend erscheinen mag, um so klarer sieht man ich hinter all dem Bootleg-Aufnahmen auch seine Gegenwart.
Cash, mit dem er sich legendäre „Crossover-Duelle" lieferte, ist tot. Harrison und Lennon, denen er einst beim Kiffen zusah ebenfalls. Und Bob selbst lahmt schon eine Hand, so dass er die Gitarre nicht mehr richtig halten kann.
„No Direction Home" – nirgendwo daheim, singt er in dem Hit „Like A Rolling Stone". Die Vorstellung, er hätte am Ende wirklich keinen Ort, an dem er zurückkehren könnte ,stimmt dann richtig missmutig.
„Herr Zimmerman, sehen Sie zu, dass Sie nach Hause finden!"
Bob
Dylan erzählt in seiner Autobiographie: Ich hatte eine Frau und Kinder, die ich
mehr liebte als alles andere auf der Welt. Ich versuchte, für sie zu sorgen,
keinen Ärger zu haben, aber die großen Nervensägen in der Presse nannten mich
weiterhin die Stimme, den Sprecher oder gar das Bewusstsein einer neuen
Generation. Von dieser Frau (Sara Lowndes) ließ er sich 1977 scheiden. Sie bekam
1 Million Abfindung und das Sorgerecht für die fünf Kinder. Das war schon
verrückt. Ich hatte stets nur schnörkellose Lieder gesungen und kraftvolle neue
Ereignisse dargestellt. Ich hatte kaum etwas gemeinsam mit dieser Generation,
von der ich angeblich die Stimme war, geschweige denn, dass ich viel von ihr
wusste", erklärt Bob Dylan in seiner 2004 erschienen Autobiographie "Chronicles
Volume One".
»Ich bin nur Bob Dylan, wenn ich Bob Dylan sein muß. Meistens bin ich einfach nur ich selbst ...«
PS. Discographische Details finden sich jedweder Art im Internet!

