Christian Lamitschka - Er zeigt uns Gutes in der Welt
Von Dieter Deul

ndv_lamitschka_dd003a_120907Bad Vilbel. Wenn Christian Lamitschka vor seinem Laptop im Dachgeschoss seines Elternhauses sitzt, hat er mehr im Blick, als die Idylle von Massenheim. Die Weite Amerikas hat es ihm angetan. Der 37-Jährige reist drei Mal jährlich in die USA und hat sich einen Namen als Internet-Autor in der Country-Musik-Szene gemacht. Seit dem 1. August hat der gelernte Augenoptiker neben seinem Job als Hausverwalter noch mehr Arbeit: Da begann er als Moderator für das neu gegründete Webradio Radio 4 Humans mit Studio in Wiesbaden.
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Der deutsch-englische Internet-Sender mit Schwerpunkt Country Musik verstehe sich als „Sprachrohr für Menschen mit Handicaps“, erzählt Lamitschka. Er sei auch eine Anlaufstelle für Behindertenorganisationen. Es gebe bereits Heimstudios in Österreich, der Schweiz, Dänemark und den USA. Insgesamt 33 ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten dem Sender zu, zwei sind mit der Sendetechnik im Wiesbadener Studio beschäftigt. Das Internet biete eigentlich ideale Möglichkeiten für Behinderte, sich von zu Hause aus zu verwirklichen. Mit Mischpult, Mikrophon und CD-Player könne man schon auf Sendung gehen, so Lamitschka. Eigentlich sei auch der CD-Player nicht erforderlich, aber in Deutschland gebe es eben strenge Auflagen. Der Sender dürfe auch wegen des Urheberrechts nur begrenzt digitale mp3-Songs einspielen.

Die Musik ist indes nicht das Problem. Was der junge Sender brauche, seien Moderatoren, Journalisten, DJs, Sponsoren und Leute, die das Programm bekannt machten. Sein Traum sei, dass es in jeder größeren Stadt ein Studio gebe. Außerdem befinde sich der Verein Radio 4 Humans noch in Gründung. Im Programm des Webradios gibt es neben einem von Lamitschka mitmoderierten Country-Magazin „L.A.’s Country Corner“ (samstags ab 18 Uhr) und einem Single-Talk (sonntags ab 20 Uhr) auch viele Magazin-Beiträge. So habe man bei André Hellers Frankfurter „Afrika, Afrika“-Festival nachgefragt, wie viele Behindertenplätze es gebe: gerade mal fünf. Auf der Internet-Seite steht die Handicap-Info-Box mit aktuellen Nachrichten und Veranstaltungshinweisen. Auch das Bad Vilbeler Berufsförderungswerk mit Reha-Bereich habe sich schon bei ihm gemeldet. Doch er habe noch keine Zeit gehabt, sich um diese Kooperation zu kümmern, räumt Lamitschka ein. Ihm fehle die Zeit: Schon jetzt verbringt er zehn Stunden täglich neben seinem Job mit den Internet-Aktivitäten, viel Schlaf sei da nicht drin. „Aber als Single kann man sich das erlauben“, fügt er selbstbewusst hinzu.

Die Leidenschaft für den amerikanischen Traum habe bei ihm früh angefangen, als er mit sechs Jahren im Fernsehen die schwarzweiß „Western von gestern“ und alte John-Wayne-Filme gesehen habe. Später verstärkte sich das US-Feeling in seiner Stammkneipe, dem Frankfurter „Texas American Saloon“. Durch Leserbriefe an Country-Magazine sei Lamitschka dann auch um Musikkritiken gebeten worden. Die schreibt er in deutsch, englisch und französisch für internationale Online-Magazine.

Als Deutscher sei er sogar in den USA gefragt, weil er viele Kontakte zu Musikgrößen habe, an welche die Amerikaner so schnell gar nicht herankämen. Geld kann Lamitschka damit freilich nicht verdienen. Die Beiträge für Online-Magazine und Webradios werden ohne Honorar vergeben: „Nur die Herausgeber machen Geld.“ Doch das ist Lamitschka auch nicht so wichtig.

Ihm gehe es darum, in der von schlechten Nachrichten dominierten Medienwelt zu zeigen, „dass es auch das Gute gibt auf der Welt“. Schon früh hätten ihm seine Eltern gesagt: „Christian, mach’ was Gutes im Leben.“ Davon ist er immer noch überzeugt, denn „es kommt alles irgendwann auf einen zurück“. Er habe in den USA viele Freunde, „die nicht so gut im Leben weggekommen sind“, darunter viele Kriegsveteranen.

In den USA sei der Umgang mit Behinderten „selbstverständlicher und offener“. Damit schlägt er wieder den Bogen zu dem Webradio, das sich keineswegs nur an junge Internet-User richte. Da gebe es eine Bekannte von ihm aus Nashville, die sei schon 85 Jahre alt, aber „absolut fit“. Das, so Lamitschka, sei keine Frage des Alters, sondern wie fit und aufgeschlossen jemand Neuem gegenüber sei.
 
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