In eigener Sache - der Appalachian Trail

Im letzten Artikel verwies ich auf ein Buch.
Und auch hier verweise ich Interessierte auf eine Lektüre.
Diese nennt sich "Picknick mit Bären" und ist von Bill Bryson im Verlag Goldmann erschienen (ISBN 978-3-442-44395-6 WG 2110).
Es ist ja so: Entdeckt man etwas, gleich welcher Art, kann man darauf wetten, wenig später erneut mit demselben Thema konfrontiert zu werden. Das war auch hier der Fall.
So sah ich an einem Sonntag im Fernsehen per Zufall eine Sendung über den Appalachian Trail. Da wir zumindet bei Gatlinsburg einen Teil der Smoky Mountains mit einem Fahrzeug zurückgelegt haben, interessierte mich das Thema. Ergo zeichnete ich die Dokumentation auf.

Beim Appalachian Trail handelt es sich um einen ca. 3'300 langen Fernwanderweg. Er beginnt in Georgia und endet in Maine (oder  umgekehrt). Vorausgesetzt, Mann/Frau hält durch.

Bereits auf der Mattscheibe hinterliess die Sendung einen guten Eindruck. Sie zeigte verschiedene Wanderer, u.a. einen Deutschen, der regelmässig mit seinem Hund den Fernwanderweg zurücklegt. Das Taschenbuch (nicht zur Sendung) fand ich per Zufall im Buchladen. Tja, wenn Andrea mal einen Tag kein Geld ausgibt, fällt grüner Schnee…..  

Das Bild auf dem Buchrücken kannte ich bereits. Es zeigt einen Braunbären, bzw. dessen Kopf, der irgendwas anguckt. Er scheint amüsiert zu sein. Dem Betrachter fällt unweigerlich ein Mensch ein, der vor dem Tierchen auf den nächsten Baum geflohen ist. Der Fotograf des Lichtbilds wurde, soviel mir ist, dafür ausgezeichnet.
Nun - Wandern ist nicht mein Ding. Ganz und gar nicht. Auch wenn ich kein Vehikel mein Eigen nennen kann, bin ich völlig  unsportlich. Doch Tiere aller Art interessieren mich sehr, also hatte Meister Petz, sprich: Die Dekoration des Einbands schon meine ganze Sympathie gewonnen. Die Kurzbeschreibung der Rückseite verwies zudem auf den Humor des Schreiberlings. Da stand, dass Billy ein bekannter Journalist sei, der es auf den Appalachian Trail abgesehen hatte, plante er doch, diesen zu überwinden.

Ich mag spannende Bücher. Noch mehr aber humorvolle. Und beides hat die Arbeit Billy Byron's zu bieten. Hier schreibt ein Mensch, der über sich selber lachen kann. Ironie ist Mr. Byron kein Fremdwort. Hier haben wir ein Geschöpf vor uns, das viel Fantasie besitzt, ohne verträumt  zu sein. Ein normal Sterblicher, der sich an eine abnorme Sache 'ranwagte, deren Planung allein für ein 'Greenhorn' (Grünschnabel) wie Billy, eine Herausforderung sein muss.

Schon die Beschaffung der Wander-Ausrüstung ist amüsant beschrieben und irgendwie rechnet man damit, dass der Journalist jederzeit, schon jetzt, seine Unternehmung abbricht. Doch wie schreibt er irgendwo? 'Man muss für den Appalachian Trail bestimmt sein'. Und das war er wohl.

Mittlerweile habe ich ein Drittel des Buches gelesen und Billy hält noch immer durch. Auch sein Freund Katz, der Kampfgefährte, der tausend Gründe hätte, die Wanderung abzubrechen (nicht nur das Übergewicht), bleibt bis dato bei der Stange. Auf ihrer Reise treffen die beiden Freunde auf weitere 'ausserordentliche Figuren'. Solche, die aufgeben, solche die durchhalten, solche, die die 3'300 km hinter sich bringen und solche, die am Ziel gleich wieder umdrehen. Selbst die Pflanzen, Tierarten und die Geschichte des Wanderweges werden aufgezählt, erläutert und unter die Lupe genommen. Ganz nebenbei, wie im Spiel, staunt man über die Umweltverachtung der USA. Darüber, wie viele Pflanzen, Tierarten und Bäume alleine während des Bestehens des Trails ausgerottet wurden. (1921 hatte ein Einzelgänger namens Benton MacKaye die Idee zum Wanderweg. 1937 wurde er fertiggestellt).

Doch zurück zu Billy Bryson's Buch. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Abhandlung einer irren Wanderung, sondern auch um einen Beschrieb der Geschichte Amerikas, seiner Menschen, ja der Landschaft. Der Autor zählt sogar die unglaublichsten Beweggründe der Wanderer für den irren Tripp auf, genauso verweist er auf die unterschiedlichen Charaktere, mit welchen man auf der Wanderung wohl konfrontiert wird. Dabei betont das Taschenbuch immer wieder auf unaufdringliche Art und Weise, wie sehr wir heutigen Menschen am Luxus hängen und wie wenig wir ihn brauchen, bzw. wie unwichtig er ist.

Die Frage, ob sich durch die Wanderung des Appalachian Trail der Mensch an und für sich verändert kann/will/darf/soll und wie lange der Wandel anhält, bleibt wohl dahingestellt.
Wie überall und immer hängt dies wohl vom Individuum an und für sich ab.

Egal, ob man sich für oder gegen die Wanderung entscheidet: Dank dem Buch von Billy Bryson kann man den Appalachian Trail, zumindest mental, sicher zurücklegen. 

Links:
-
www.appalachiantrail.org

- www.global-av.ch

- de.wikipedia.org/wiki/Appalachian_Trail

 
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