Las Vegas, Mittwoch, 20. April 2011

Nach einem ausgiebigen Frühstück im French Market Buffet stellten wir uns erneut in die Schlage für das Shuttle an den Strip. Wiederum waren Gleichgesinnte vor Ort. Mittlerweile, nach all den Jahren (ich befasse mich seit über 20 Jahren mit Rockabilly, Rock’n’Roll, Hillbilly, Blues und Bluegrass) sollte ich mich an die Arroganz und Ignoranz der Teddy-Szene gewöhnt haben. Aber ehrlich gesagt werde ich das wohl nie. Während ich die Perfektion, mit welchen sich die anderen stylen, immer wieder bewundere, berührt mich ihre Überheblichkeit, die mir stets deutlich macht, dass ich mich nicht auf ihrem Level bewege, nicht ihr Niveau besitze. Ich kann doch auch nichts dafür, dass ich bei solch windigen Verhältnissen, wie sie gestern herrschten, nach kurzer Zeit wie die Vogelscheuche aussehe (die ich eigentlich bin), während bei ihnen sich kein Härchen verschoben hat und das Make-Up auch nach Stunden noch perfekt sitzt. Da fällt mir ein: Heute, am ersten Tag des Festivals, wird das ‘Stylen’ besonders lustig, denn ich ging mit nassen Haaren ins Bett und sehe momentan eher wie ein Punk aus (oder wie jemand, der ein RIESIGES Problem mit Spliss hat). 

Doch zurück zum Bericht, bevor ein Psychiater meine Zeilen entdeckt. 

Also. Wir standen in der Schlange. Und hatten Glück, denn eigentlich waren wir zu spät und die Reihe der Wartenden zu lang. Es haben nur ca. 20 Leutchen im Bus Platz. Doch vor uns stand eine Gruppe. Und die wollten zusammen reisen. Der Platz reichte aber nur für 2, nicht für 4. Also war das Glück an uns. 

Am Strip angekommen, machten wir uns auf den Fussweg ins Hardrock Hotel. Im Nachhinein eine Schnaps-Idee, denn der Weg war heiß, die Sonne drückte und…na ja. Dass es sich nicht lohnen würde, wussten wir ja damals nicht. Ich hatte nämlich einen grossen Laden im Gedächtnis. Dort angekommen, fanden wir ein kleines Hard Rock Café. Die Auswahl war kleiner, als im Shop am Strip. Ich versuchte die Verkäu-ferin nach dem Laden im Hard Rock Hotel zu fragen. Doch, da gäbe es einen, doch der verkaufe Hard Rock HOTEL Ware, meinte sie. Also nichts wie ’rüber, in den anderen Komplex. Der Laden war extrem klein. Er offerierte neben Jeans für $200 auch hässliche karrierte Hemden, die man nicht bügeln muss und die entsprechend aussehen. Das Positive, das ich noch schreiben möchte, ist der Geschmack der Luft im Hard Rock Hotel. Das klingt jetzt unbedeutend, ist es aber nicht. Die meisten Casinos schmecken schal. Dieses hier nicht. Es riecht frisch (nicht nach Fisch!). Einfach gut. Alleine die gute Luft lädt zum verweilen ein. Nun ja. Wir guckten uns in den Vitrinen noch Buddy Holly’s Western Stiefel, Gene Vincent’s verrücktes Wild-Cat Oberteil und Bill Haley’s karriertes Jacket an. (Ja - es hat auch Elvis Ware). Billy Idol’s Anzug amüsierte mich. Der Kerl ist einfach irre. Einen silber-weissen Palletten-Anzug zu tragen, ist echt verrückt. Selbst wenn man Billy Idol heisst. Im Anschluss machte mein Begleiter den Vorschlag, im Hard Rock Café ‘was zu Trinken. Ergo nichts wie hin, an der Bar platziert und Soft Drinks bestellt. Inmitten von Gitarren, Kleidungsstücken und Gold-LP’s schmeckt ein Pepsi  (Cola gibt’s nicht) gleich besser.

Gestärkt machten wir uns auf den Fussweg ins Zentrum zurück. Glücklicherweise kamen wir auf der Parallelstrasse zu unserem Hinweg gleich beim Planet Hollywood raus.  Ich wollte nämlich in den Bettie Page Laden. Wer aber ist Bettie Page? Bettie Mae Page wurde am 22. April 1923 in Tennessee geboren. Und verstarb am 11. Dezember 1998 in L.A. Bettie arbeitete als Fetisch- und Aktmodell, in den 50er Jahren als Pin-Up. In den 80ern entdeckte unsere Subkultur Bettie als Aushängeschild. Heute steht die Frau vor allem für einen bestimmten, sexy Kleidungsstil und für Burlesque (jawohl, liebe Freunde, Dita von Teese hat sich nicht selbst erfunden!).

Das Geschäft zeigte sich so, wie ich’s erwartete. Riesig. In Zürich gibt’s nur einen kleinen Laden, der die Linie zum Teil übernommen hat. Wen wundert’s - hier waren die Kleider billiger. Im Laden von Vegas verirren sich entweder Touristen oder es kommen Leute aus der Szene. Mich interessierten die Kleider zwar, doch ich erstand nichts (ich kann mich nach wie vor nicht für XL erwärmen.)

Weiter ging’s - durchs Bally’s. Dort befindet sich seit Jahren ein Harley Davidson-Geschäft. Klein, aber fein. Ich hatte es vergessen. Nun kauften wir dort ein. Die Auswahl ist riesig, die Sachen schön. Durch den Einkauf gestärkt, machten wir uns weiter Richtung Monorail. Eigentlich ging ich davon aus, dass es sich um eine Fahrt zwischen Bally’s und dem Flamingo handelte. Ich hätte es besser wissen sollen, denn von Weitem hatten wir die Bahn vor Jahren schon entdeckt. Nur dass wir nicht wussten, wo Abfahrts- und Ankunftsort lagen. Vom Bally’s aus hat es schon immer eine Bahn gegeben, muss ich zu meiner Entschuldigung sagen.
Jetzt lohnte sich der weite Fussweg zur Station. Und die $10 für 2 Personen (eine Einzelfahrt) gaben wir gerne aus. Denn: So genossen wir einen distanzierten Blick auf die Spieler-Stadt. Und zwar nicht nur vom Bally’s aus, sondern bis hinauf zum Stratosphere. Die Bahn kommt nämlich im Sahara Casino an. Die dort befindliche Achterbahn war wieder nicht in Betrieb. Dafür, das stellte wir fest, sobald wir aus dem Casino traten, dass diejenige auf dem Dach des Stratosphere gerade ihre Runden zog. Erschreckend, was ich da sah. Die Bahn ist mir zwar schon lange bekannt, aber ich habe nie bemerkt, dass sich seitlich ein Arm losklappt, der die Startbahn (beinahe senkrecht) für die Achterbahn macht. Grässlich. Besser, da unten auf dem Boden zu stehen, als oben im Wagen zu sitzen, sagte ich mir.

Das Stratosphere und den riesigen Souvenir-Shop (den grössten der Welt - zumindest ist er so angeschrieben) davor ließen wir links liegen. Wir waren mittlerweile auch extrem müde. Also suchten wir eine neue Transport-Möglichkeit. Die fanden wir im öffentlichen Bus. Der Doppel-Decker, der häufig kommt, hält überall. Der Einerbus, den wir nun nahmen, lässt Stationen aus. Den Fahrpreis von $ 5 (pro Person, 2 Stunden gültig) fand ich extrem. Und nicht nur ich. Ein Fahrgast sprach gar von einem Tour-Bus. Dafür, dass wir eng gedrängt (immer noch bei glühender Hitze) stehen mussten, würde sich die Fahrt höchstens lohnen, wenn Chris Isaak oder Keanu Reeves neben dran stehen würden…. So war’s aber nicht. Ganze Familien mit Kinderwagen drängten sich rein, bis die Fahrerin per Lautsprecher wartende Passagiere auf den nächsten Bus verwies.

Bei der Fashion Mail, gleich neben dem Wynn’s (nebenan glänzte das gleichwertige ‘Encore in der Sonne) stiegen wir aus. Wir wunderten uns, dass diese immer noch steht. Tut sie aber. Einzig das U-Boot Restaurant hat man entfernt. Schade. Es war ein Hingucker. Dafür sorgen nun zwei riesige Eisen-Säulen dafür, dass das Schiff-artige Deko-Dach nicht ‘runterfallt. Das Wynn’s zog mich nicht an. Es ist zu prunkhaft. Das Palazoo, zum Venetian gehörig, befindet noch im Bau. Doch wir blieben auf der anderen Seite und lümmelten kurz durchs Treasure Island (wo wir auch schon Zimmer hatten). Es widmete sich noch immer dem Piraten-Stil. Dort entdeckten wir das Sirens IT-Motorrad. Wunderschön, aus Eisen gemacht. Nachstehend nur den Kopf der Sirene. Es handelt sich um ein ganz aus Eisen hergestelltes Teil. Absolut Irre. (Entworfen von den Metropolitain Choppers).

Weiter ging’s, ins Freie, an den beiden Piratenschiffen vorbei (täglich wird zur vollen  Stunde ab ca. 20.00 Uhr den Touristen zuliebe eine Schlacht nachgestellt). Nach den Schiffen folgt Gilley’s, ein ganz aus Holz bestehendes, schmales Western-Gebäude, das an Mickey Gilley, den Country-Pianisten, erinnern soll. Es war gut besucht. Cowboyhüte überall sichtbar. Gegenüber (beim Palazzo) hat es einen grossen Walgreens’ Store mit Lebensmittel gegeben. Wäre ich nicht so müde gewesen, ich hätte ihn aufgesucht. Stattdessen landeten wir vor dem Mirage, wo Siegfried’s und Roy’s Tigerchen ausgestellt werden. Auch dort gibt’s vor den eisernen 3 Delphinen tagtäglich eine Wassershow zu geniessen. Gerade feiert das Mirage übrigens das 5-jährige Bestehen des Beatles-Musicals ‘Love’Weiter ging’s, Richtung Shuttle, denn aufnahmefähig waren wir mittlerweile nicht mehr. Dafür tauchten die ‘Wasserträger’ (viele Mexikaner, die an der Strasse eiskaltes Wasser anbieten) und die ordinären Anbieter von minderwertigen Sex-Klubs, über die ich mich am Vortag schon ärgerte, wieder auf. Ich kann nicht verstehen, wie diese Leute Menschen, die sich auf Einkaufstour oder zumindest auf Casinotour befinden, vor allem aber in Begleitung, mit ordinären Gesten zweideutige Werbeflyers zustecken wollen. Wenn ‘Singles’ angesprochen werden, verstehe ich das noch, doch gegenüber einem Paar finde ich die Angebote nicht nur lächerlich, sondern eine Frechheit.
Mittlerweile zeigte die Uhr ca. 18.00 Uhr. Das Shuttle würde wohl ohne uns zurück-fahren (vor dem Flamingo waren wir noch nicht). In Vegas ist vieles auf Hawaii ausgerichtet. Noch nicht lange, wahrscheinlich. Keine Ahnung, ob die heimlich einen Pakt mit den Inseln abgeschlossen haben. Kurz vor dem Flamingo entdeckte ich einen Laden namens Margaritaville. Seit dem Morgen waren viele Stunden vergangen. Eigentlich war da die Lust am Einkaufen abhanden gekommen. Ausserdem klang aus dem Inneren des Ladens ein Song, der schwer nach den Bellamy Brothers klang. Es musste sich wohl aber um Jimmy Buffet handeln, denn im Ladeninnern wurden ein paar T-Shirts mit seinem Porträt drauf angeboten. Okay. Gerade wurde ich klüger. Beim Suchen nach dessen Namen stellte ich fest, dass das Geschäft namens Margaritaville eben dem gehört. Er hat sogar ein eigenes Hotel (mehr unter: www.margaritaville.com). Tja. Auch die Bellamy Brothers haben sich nicht selbst erfunden.

Egal. Im Laden kaufte ich mir noch ein amüsantes Shirt mit einem versoffenen Papagei (zur Feier des Tages). Auf dem Weg zurück trafen wir in einem kleinen Markt auf einem Stand, der den Namen Toby Keith’s trug. Keine Ahnung, ob die dort angebotene Ware mit seinem Einverständnis verkauft wird. Schliesslich warteten wir auf das nächste Shuttle und fuhren übermüdet ins Hotel zurück. Dort schliefen wir ab ca. 19.00 Uhr bis jetzt (3 Uhr morgens).

Der nächste Bericht sollte für Musikfreunde spannender sein, denn heute (also am Donnerstag beginnt unser Rockabilly-Marathon.
Mehr dazu im nächsten Teil.