Las Vegas, Dienstag, 19. April 2011

Der Tag begann für uns früh. Eigentlich wollten wir ja nach dem Einchecken im Orleans Casino noch eine kleine Runde durchs Hotel machen. Das schafften wir nicht mehr. Wir legten uns hin und standen nicht mehr auf. Geweckt wurden wir durch andere Eincheckende und eine weitere Nachbarin, die mitten in der Nacht duschte. Um ca. 3 Uhr wurde uns dann bewusst, warum. Das Wasser war abgestellt. Und wir konnten nicht mehr schlafen. Also angezogen und runter ins Casino. An der frischen Luft machten wir ein paar Fotos vom Gebäude wie von 2 bereits auf dem Vorplatz abgestellten Oldtimern.

Dann leisteten wir uns um ca. 4 Uhr ein verfrühtes Morgenessen im einzigen geöffneten Restaurant. Der Kellner war galant, sachbezogen und konnte uns bei der Bestellung weiterhelfen (in Amerika kriegt man nicht nur einfach ‘Eier’. Man kann

Wählen. Zwischen Rühreiern, Spiegeleiern (auch diese auf mindestens 2 verschiedene Arten zubereitet) oder gekochten Eiern. Diese Differenzierung gilt auch für Kaffee, Fleisch, Saft, Salatsauce, Pommes, etc……

Na ja. Wir kämpften uns also durch und genossen das Essen inkl. Der vielen Kaffees. Später gingen wir wieder aufs Zimmer und probierten uns erneut an Schlaf. Der aber wiederum nicht kam.

Heute machen wir uns auf einen weiteren langen Tag gefasst. Wir wagen uns mit dem Gratis-Shuttle an den Strip (an den Strip offeriert das Hotel Transport. Leider nicht zum Flughafen).

Nach dem ausgiebigen Frühstück aufs Zimmer zurückgekehrt, schliefen wir ein paar Stunden und machten uns dann auf, um 10 Uhr das Gratis-Shuttle an den Strip zu nehmen.

Die Warteschlange war klein, wurde aber größer und obwohl wir unter den Ersten waren, stiegen wir einmal mehr später ein (die Amis haben keine Hemmungen). Der Fahrer, aufgestellt und freundlich, setzte uns nach kurzer Fahrt über das Schwesterhotel Gold Coast an einer Seitenstrasse des Strip ab. Einmal hatte ich kurz mit dem Gedanken eines Spazierganges in die Stadt zu machen gespielt, doch der verlor sich schnell auf dieser Fahrt. Der Weg hätte entlang der breiten Auto-Straße, an Erotikshops, großen Garagen, zum Verkauf stehenden Wohnungen und weiteren unschönen Bauten vorbei geführt.

Am Strip angekommen, fiel uns ohne viel Nachzudenken sofort auf, dass er einiges
enger geworden ist. Also wurden trotz anderslautenden Zeitungs-Meldungen wieder ein paar neue Hotels gebaut. Gespannt war ich vor allem auf das Cosmopolitan, das ja momentan der Deutschen Bank gehört. Den Bau haben wir kurz am Fernsehen verfolgt. Vor allem die zwei schiefen Türme in der Mitte machten den Bauarbeitern zu schaffen. Da wir nur eine Folge sahen, waren wir beinahe erleichtert festzu-stellen, dass die Arbeiter ihre schwere Aufgabe anscheinend meisterten. Denn die Türme waren nicht zu übersehen. Sie sind übrigens nicht einfach schief, sondern weisen eine leichte Biegung auf. Darin bestand dann wohl auch die Schwierigkeit.

Unsere erste Anlaufstelle blieb aber das Caesar's , nach wie vor mein Lieblingshotel. Sein Bau offeriert viele Anlehnungen an das römische Imperium. Im Innern befindet sich eine grosse Einkaufsstrasse, inklusive einem mit Göttern in Lebensgröße verzierten Brunnen. Die vier Götter (darunter Zeus) bewegen sich einmal pro runde Stunde. Unglaublich, der Spektakel. Gestern war der ursprüngliche Brunnen aber außer Betrieb. Zufälligerweise (denn der Tempel wurde vergrößert, nun hat auch H&M seinen Platz gefunden) trafen wir aber an einem neuen Ort auf eine ähnliche Skulptur, die mit einem Aquarium verziert war. Die Show, die wir später dort sehen sollten, ist noch besser. Nur soviel dazu: Eine der
Mitspielerinnen ist die Lorelei.
So bummelten wir durch das Casino und genossen auf dem Weg dahin die neu angelegte Gartenanlage. Die Blumen sind dort so eng gesteckt, dass sie viel voller wirken, wie bei uns. Auch scheinen sie regelmäßig gegossen und gepflegt zu werden.

Vom Caesar's fügte unser Weg über das protzige Bellagio zum Cosmopolitan (hier ass ich kurz einen Croissant, mein Begleiter begnügte sich mit einem Mineralwasser. Zusammen bezahlten wir rund 11 $. Wir liefen nur kurz durch die Eingangsstrasse, die uns aber ob den vielen von der Decke hängenden, tradierten Glassteine nicht gefiel. Die Steine sind auch nicht in derselben Farbe wie die Kronleuchter, die von der Decke hängen, gehalten. Das stört. Der Boden ist allerdings schön. Anschließend nahmen wir die Brücke über die Strasse, um zum Planet Hollywood zu gelangen. Die Ware in deren Shop war nichts außergewöhnliches, das Hotel besuchten wir nicht. Denn bereits hatte mein Begleiter das Harley Café entdeckt. Doch auch dort wollte keine große Freude aufkommen. Vielerorts scheint das Personal auf junges Publikum ausgerichtet zu sein oder zumindest auf solches, das auf ihre Werbung reagiert. Wir gehören da nicht dazu.
In der Ferne entdeckten wir den Cola Laden, wo wir ebenfalls eintraten. Für einen Cola-Fan ist dieses Geschäft der Himmel. Es gibt dort einfach alles. Von wunderschönen Tiffany-Lampen mit dem Cola-Schriftzug verziert, über Cola-Drinks, die ich noch nie sah (eine kleine Auswahl wird dem Interessierten auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Diese besteht aus kleinen Bechern, der Inhalt glänzt in allen grellen Farben, die man sich denken kann). Das Personal ist nett, d.h. keiner versucht, einen Ladenhüter dringend zu verkaufen. Im Laden wurde gerade die Rolltreppe repariert. Dies führte zu einem unfreiwillige Besichtigungs-Tour durch Räumlichkeiten, die den Besuchern normalerweise nicht gezeigt werden (per Warenlift). Unten führte eine Tür direkt zum Imperium von M&M
s. Wer den Laden von Cola schon gut findet, dessen Produkte sich übrigens in vielen anderen Geschäften in kleinerer Menge wiederfinden, der wird vom M&M Store irre. Die lustigen runden Schokoladen-Dinger gucken den Besucher in jeder Variante von den Regalen an. Als Tassen, Gläser, Serviertabletts, Taschen, Pyjama-Hosen, Spendier-Maschinen, Geschirr, Jacken, Shorts, Hemden, Eisenbahnen, teure Skulpturen, etc. Auf 4 Stockwerken präsentieren sich die Kerlchen so gut, wie sie können. Und immer mit einem Schuss Humor. Das Geschäft gehört zu meinen Lieblings-Anlaufstellen am Strip. Auch hier ist das Personal freundlich und aufgestellt und völlig unaufdringlich.

Es folgten ein paar Billig-Geschäfte, die wie Baracken aussehen. Darunter auch zum ersten Mal ein paar Lebensmittel / Drogerie-Shops. Am Strip will man ja, dass die Leute einkehren. Womit Lebensmittelgeschäfte unnötig werden. Zwischendurch hat man einen Hawaii-Markt aufgestellt. Auch dort sind die Verkäufer relativ aufdringlich, die angebotene Ware ist Kitsch. Von Weitem sieht die Stelle aus wie ein offenes Zelt. Später füllte sich die Anlage, man konnte auch laute Musik hören (evt. ein Open-Air Konzert?). Anschließend liefen wir durchs MGM
s und besuchten dort die Löwen. Arme Tierchen, die den Blicken der Masse ausgesetzt werden. Die Anlage ist klein, wird von Glas umgeben. Die Tiere wirken gelangweilt (wen wunders?) und geben sich der Muße oder dem Fressen hin. Was bleibt auch anderes zu tunWeitaus attraktiver ist das Rainforest Café, das den Amazonas unterstützt. Da leuchten bei den vielen Farben, den Tier-Shirts, Griffel oder Anhängern nicht nur Kinderaugen auf.

Über die Brücke gelangten wir ins New York, New York. Ich mag das Hotel, obschon es im Innern eines der düstersten ist. Dort ist das Greenwich-Village einquartiert, das man hier nachzubauen versuchte. Nur ist es im Innern schwer auszumachen. Draussen, im Freien, befindet sich nicht nur eine riesige Achterbahn, auch die Freiheitsstatue wurde nachgebaut. Entlang des Beckens, wo auch ein Schiff der Feuerwehr steht, sind Plaketten von berühmten Sprüchen diverser Persönlichkeiten zum Thema Menschsein angebracht. Leider werden sie beinahe nicht betrachtet. Also über die Brücke zum Excalibur. Dort sind wir auch einmal abgestiegen. Wir kennen das Hotel ziemlich gut. Nach wie vor gefällt mir der Bau äußerlich. Im Innern scheint sich
nichts getan zu haben. Also weiter per Monorail über das Luxor (die Pyramide, die im Innern auch nichts zu bieten hat) zum Mandala Bay. Dieses glänzt durch den falschen Strand, den man rundherum angelegt hat. Und auch das Innere, wenn auch ziemlich mondän, kann sich sehen lassen. Uns zog es dorthin, weil dort das House Of Blues beheimatet ist. Ich hatte es allerdings so im Gedächtnis, dass es in den oberen Stockwerken zu finden ist. Wir liefen jedoch sofort drauf zu. Das House of Blues ist eine Einrichtung, die mir gefällt. Wenn ich mich nicht irre, geht ein Teil seiner Einnahmen an alte Blues-Musiker. Dort kauften wir auch zum ersten Mal an diesem Tag ein. Ein Hemd, ein Shirt und ein Cajun-Gewürz, das wir tags zuvor an den French Fries fanden, musste es sein.

Hernach ging
s zurück per Monorail zum Excalibur. Noch ein kleiner Zusatz zum Cosmopolitan: Im zweiten Gebäude, das es auf dem Weg zum Strip zu durchqueren gilt, steht ein unglaublicher Holzbau. Er wirkt wie ein hölzernes Netz, das im oberen Stock ein sicher teures Restaurant aufweist, im unteren Teil das Büro für die Information beherbergt. Unglaublich, wenn man es von so vielen Seiten betrachtet, wie wir. Man wirkt es gerade, mal geschwungen, mal rund, mal eckig. Da war ein Meisterarchitekt am Werk. Nur mit jenen, die seinen Traum umsetzen mussten, möchte ich nicht tauschen.
Vor dem Bellagio kamen wir gerade recht, die Springbrunnen-Show zu bewundern und weiter ging
s, zurück zum Caesar's, wo ich Jeans bei H&M kaufen wollte, da ich Dämlack diese einzupacken vergessen hatte.

Hernach konnten wir noch die Götter-Show bewundern, dann ging
s zurück zum Shuttle sprich Hotel.

Dort nur noch aufs Zimmer und schlafen. Geweckt wurden wir lediglich durch laute Deutsche, die mit Frauen auf dem Flur schäkerten. (Gestern warens Amis). Sieht so aus, als würde sich einmal mehr die ganze Welt am Rockabilly Festival von Vegas treffen.

Irgendwann hörte der Krach auf und wir konnten ruhen. So ging ein anstrengender Tag (für die Beine) zu Ende.