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Austin, 6. Mai 2011
Abschlußbericht
Heute
wollten wir uns zum Abschluss etwas Gutes tun und noch einmal in ein
Steakhouse fahren. Ich habe vor Jahren die Seite citysearch.com
entdeckt, wo man die Stadteigenen Tipps betr. Shopping, Essen, Hotels,
etc. abrufen kann. Nach einer Irrfahrt (nach der Google Karte dieser
Web-Seite), die einen halben Tag dauerte, rate ich jedoch davon ab.
Insbesondere, da das Backstage Steakhouse mittlerweile nicht mehr zu
existieren scheint. Was man uns an der Tankstelle sagte, als mir
schließlich nichts anderes mehr übrig blieb, als zu fragen.
Also zurück in die Stadt, ohne Autowäsche (wir hatten die Energie nicht
mehr) und mit leerem Magen ins Texas Roadhouse, das Willie Nelson
gehört. Passte gut, nachdem wir auch an Willie’s Ranch beim Lake Travis
vorbeifuhren.¨
Ich kann das Texas Roadhouse, obwohl
es nicht auf der Bestseller-Liste steht, nur empfehlen. Die Bedienung
war nett, wir kriegten sogar ein kleines Präsent, als wir uns als
Schweizer ausgaben (nun - wir sahen wirklich mitgenommen aus nach der
langen Autofahrt und ich brauchte dringend eine Entschuldigung). Die
Preise sind mittelmäßig, die Speisen für amerikanische Verhältnisse gut
gewürzt (genau gesagt, waren meine Kartoffeln versalzen).
Nun sind wir im Hotel, am Packen.
Ich blicke mit gemischten Gefühlen auf unsere Ferien zurück. Denn Ferien
waren es keine.
Musikalisch betrachtet, hat sich der Trip gelohnt. Allemal. Finanziell,
emotionell und Erholungsmässig betrachtet kaum. Wir haben trotzdem die
amerikanische Wirtschaft angekurbelt und ein paar Musikern versucht, mit
unserem spärlichen Englisch unsere Begeisterung über ihr Können
mitzuteilen. Ein paar
Versprechen hat Amerika gehalten, ein paar nicht.
Sonntag,
08.05.2011- die Heimreise
Geschafft.
Wir fuhren heute um 07.15 Uhr ab, um Abends den Flug von Dallas über
London zurück in die Schweiz zu kriegen. Da ich einen kleinen
Zusammenstoss mit einem Pick-up hatte, wollte ich den demolierten Wagen
so schnell wie möglich abgeben. Jedoch nicht, ohne unterwegs noch bei
einer Autowaschanlage zu halten.
Schliesslich war’s um 13.00 Uhr soweit. Der Angestellte von National
teilte mir mit, dass zwar mein Schaden gedeckt sei, nicht aber derjenige
des anderen Fahrers. Da kommt noch was auf mich zu.
Dallas‘ Flughafen ist ätzend. Da gibt es einfach gar nichts. Ich hatte
ihn anders in Erinnerung. Und mein Begleiter auch. Der wollte sich
nämlich im Duty Free Shop noch mit Glimmstängel eindecken. Denkste.
Lucky Strike gab’s keine. Die Ecke mit den Zigaretten ist sehr klein,
die Auswahl dementsprechend winzig. Ausserdem gibt der Flughafen 2 oder
3 Restaurants, 2 Kioske, 1 Brookstore und ein Herrenbekleidungsgeschäft
her.
Also nichts wie einchecken. Das Gewicht unseres Gepäcks belief sich auf
22 bzw. 23 kg. Damit lagen wir genau bzw. knapp unter dem Höchstgewicht.
Wird jenes überschritten, muss man bezahlen. Und das deftig (ca. $50, am
Vorabend, über’s Internet, wär’s billiger. Doch das hat bei uns nicht
geklappt…der Buchungscode wurde vom Programm nicht akzeptiert).
Die Verkäufer am Kiosk bzw. das Servierpersonal der Restaurants gab uns
noch einmal Einblick in das, was die Amis heute Dienstleistung nennen.
Und das ist für mich, die ich selber in diesem Bereich tätig bin, unter
allem Hund. Die Bedienung war mehr als unhöflich.
Zurückblickend muss ich in meine Einsicht auch die Hotel- und
Tankstellenangestellten miteinbeziehen. Vielerorts wurde über unser
schlechtes Englisch gelacht, man zog alles ins Lächerliche oder gab vor,
nichts zu kapieren. Ich bin froh, sind Amis mehrsprachig und deshalb im
Recht, sich über andere lustig zu machen, die sich um eine Verständigung
zwischen den Nationen bemühen. Zu meiner Entschuldigung möchte ich hier
auch noch anführen, dass ich nicht in die Sekundarschule (in der Schweiz
die Schule für ‚Gescheite‘) ging, sondern nur in die Realschule (in der
Schweiz die Schule für ‚Durchschnittsschüler‘). Dort hatte man zu meiner
Zeit kein Englisch. Ich hab mir dieses mit der Übersetzung von Songs und
ganzen Büchern selbst beigebracht, daher also das Manko.
Doch zurück zur Realität.
Man hat uns einen sehr schlechten Sitzplatz gegeben. Gespräche zwischen
anderen Passagieren ergaben, dass die Maschine kurzfristig ausgetauscht
wurde, deshalb. Also wurden wir in der Mitte zwischen zwei anderen
Personen eingeklemmt. D.h. für 8 Stunden lang die Blase terrorisieren.
Dann legte ich mich noch mit der Stewardess an, die darauf bestand, dass
ich meine Tasche völlig unter dem Stuhl verstaue (ein aussichtsloses
Unterfangen, da mein Begleiter seinen Laptop links platziert, meine
Nachbarin zur Rechten ihre Tasche zur Hälfte unter meinem Sitz
verstaute). Anscheinend hatte sie den Laptop meines Begleiters nicht im
Sichtfeld, denn dieser ragte weitaus mehr in den Gang hinein, als meine
kleine Handtasche. Na ja. Zur Strafe erhielt ich dann kein Frühstück. Da
ich in den Staaten ob dem Essen eh zugelegt hatte, war die Rache der
Stewardess umsonst.
In London kamen wir eine halbe Stunde zu spät an, weshalb wir den
Anschlussflug verpassten.
Doch hat nicht alles seine Vorteile? Für £50 konnte mein Begleiter doch
noch seine 400 Zigaretten erstehen……
Beim Weiterflug war die Bedienung im Flugzeug erneut sehr unhöflich. Auf
eine Abschiedsfloskel wurde ganz verzichtet.
In der Schweiz zeigte sich das Wetter fast so heiss, wie in den Staaten.
Glücklicherweise aber nicht so feucht. Wir waren überrascht.Um 17 Uhr
waren wir zu Hause, völlig übermüdet.
Fazit der Reise: Die Staaten sind eine solche wert – vom musikalischen
Wert aus betrachtet. So haben sich Omar & The Howlers, The Delta
Bombers, The Horton Brothers und Two Tons of Steel, ja sogar der
akustische Steve Earle in meinen Augen bewiesen.
Ob eine Reise auch von der menschlichen Seite her lohnt, sei
dahingestellt. Ich habe, wie gesagt, die Amerikaner weit freundlicher im
Gedächtnis gehabt. Vieles ist auf Abriss ausgerichtet, dazu gehören die
Steuern, die auf alles anfallen (ja, hier bei uns in der Schweiz auch,
doch da die Preise mit der Mehrwertsteuer ausgewiesen werden, fällt’s
weniger auf). Auffallend sind zudem die erhöhten Preise, für
Kleidungsstücke (ein Westernhemd gibt’s nicht mehr für $30,
Westernstiefel kosten über $150), Schuhe, Esswaren, etc.
Wer sparen will, bleibt zu Hause.
Wer Musik in ihrer ganzen Purität, in ihrer ganzen Vielfalt, in ihrer
ganzen Schönheit erleben will, der reist nach Austin, TX.
 
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