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Austin, 1. Mai 2011 Teil 13
Es
ist 09.15 Uhr, wir sind aufgestanden. In Luckenbach wäre heute grosses
Fest.
Stattdessen fahren wir wieder nach San Antonio um uns ein weiteres
meiner Idole, Jimmie Vaughan, anzusehen. Er wird heute von den Horton
Brothers, die wir bereits in Vegas sahen, begleitet.
Ich bin gespannt. Eigentlich hätte man reservieren müssen. Doch ich
hoffe trotz allem auf einen Sitzplatz.
Vorderhand fuhren wir runter, um uns San Antonio noch einmal anzusehen.
Der Ort ist eine Besichtigung wert. Der Riverwalk, ein Fluss, der durch
die Innenstadt führt, macht alles wett, was S. Antonio sonst weniger
anziehend macht (z.B. die riesige Autobahn, die unzähligen Brücken, die
Aussenquartiere, die dringend der Renovation bedürfen, das grosse
Einkaufszentrum Riverwalk, wo die Verkäufer mehr als aufdringlich sind).
Also guckten wir uns 2, 3 Stunden lang die Stadt an und
kauften u.a. im Hard Rock Café ein. Ich mag San Antonio.
Dann ging’s raus, zu Sam’s Burger Joint. Hier nahm mein Begleiter sein
Mittagessen/Abendessen ein, wir genehmigten uns ein Bier (zum Abkühlen,
es war glühend heiß und draußen nicht auszuhalten, während drinnen
wieder einmal alle Ventilatoren auf Hochtouren liefen, sodass ich
entsetzlich fror). Vor dem Haus stand bereits Jimmie Vaughan’s Tourbus.
Die Horton Brüder, als Vorband auf der Liste, konnte ich noch nicht
ausfindig machen.
Auf dem Weg zum Auto, etwas später, stellten wir fest, dass sich um ca.
18.15 Uhr bereits eine Schlange für den Einlass um 19.00 Uhr gebildet
hatte. Also nichts wie anstehen, denn die Billette hatten wir nicht, wie
viele andere, im Voraus bestellt. Um 19.00 Uhr ging denn wirklich die
Türe auf. Wir konnten sogar einen Sitzplatz ergattern. Drinnen hatte ein
Blues-Klub seinen Stand eingerichtet. Die Leute erschienen zahlreich.
Das Publikum war gemischt. Sogar 2 Cowboyhüte konnte ich am Ende
ausmachen. Jimmie Vaughan zeigte sich nicht voraus unter der Menge,
dafür die Horton Brothers, die keine Berührungsängste haben. Ihr Set
begann um 20.00 Uhr. Was die Jungs uns zeigten, war erste Klasse.
Rockabilly, Hillbilly, eine gelungene Mischung zwischen Johnny Horton
und den Everly Brothers.
Die Web-Seite findet Ihr hier:
http://www.myspace.com/hortonbrothers
Die Gruppe hatte die Harmonien, den Bass, die Steel-Gitarre, das Piano
(Keyboard, das auf Barrelhouse-Piano eingestellt war) und das Schlagzeug
voll im Griff. Unglaublich, was sie boten. Sie gehörten schon in Las
Vegas (ja, sie traten da auf) zu meinen Lieblingen und zogen in San
Antonio noch einmal alle Register, um meine Meinung zu bestätigen. Wobei
der Bassist die Stärke der Band ausmacht. Er besitzt die beste Stimme
und zeigt sich auch am Kontrabass gross. Doch auch sein Bruder an der
Gitarre und kann sich sehen lassen, ebenso der Pianist, ein kleiner
Jerry Lee Lewis. Absolut klasse war ihre Version von “I Hear You
Knockin’”, ohnehin eines meiner Lieblingslieder. Will sagen: Mein
Begleiter wies mich zurecht, weil ich für einmal mit dem Klatschen nicht
mehr aufhören wollte.
Leider konnte man das vom folgenden Akt, Jimmie Vaughan, nicht sagen.
Gerade 3 Stücke hielten wir aus. Zudem begann der Herr um 21.15 Uhr und
nicht, wie angekündigt, um 21.00 Uhr. Kann sein, dass nun einige
Blues-Fans entsetzt die Augen aufreissen, doch ich mag diese Art von
Blues einfach nicht. Jimmie brachte Sax mit, seine Gitarre war richtig
dumpf eingestellt und singen kann er überhaupt nicht. Sprich: Der Blues
entspricht demjenigen Buddy Guys, Robert Crays etc. ich mag entweder
denjenigen von Jimmy Reed oder aber den Chicago Blues, z.B. den von
Magic Slim.
Also verließen wir den Ort, obschon wir $25.00 für den Eintritt
bezahlten. Das war unser teuerstes Konzert in Austin. Der Preis war
unverschämt. Dafür hätte aber, wie der Ansager versprach, Jimmie Vaughan
im Anschluss noch endlos Autogramme gegeben, worauf wir verzichten
konnten.
Nun ja. Ich habe im Anschluss die Horton Brothers CD gekauft. Für $15.
Ebenfalls die teuerste CD, die wir direkt von einer Band kauften. Doch
was soll’s. Der ‘Manager’ klatschte die CD-Schachtel direkt neben mich
hin, als ich mich am Stand, wo ich nur Jimmie Vaughan CD’s und T’shirts
ausmachen konnte. Verdient hätte er bei so einem Auftritt den Kauf nicht
gehabt. Doch anscheinend ist das in Amerika Mode geworden. Wir haben in
Las Vegas eine solche Kellnerinnen gehabt. Auch in Sam’s Burger Joint
hat man uns so bedient, ebenfalls an einer Tankstelle. Dabei sind wir
Touristen es doch, die die Wirtschaft ankurbeln. Das Glas, wo man
Trinkgeld ‘reinwerfen kann, wird von Einheimischen nicht bedient. Nur
von den dummen Ausländern, die mittlerweile auch $20 für ein
Frühstücks-Büffet bezahlen (in Las Vegas) und $10 für einen Hamburger
(bei Sam’s). Und zwar meist nicht mit Kreditkarte, sondern mit Bargeld
(wofür wir nur bei Waterloo Records belohnt wurden).
Für mich war der gestrige Abend neben Omar Kent Dykes, zwei Tage zuvor,
ein absolutes Highlight. Die 2 ½ -stündige Anfahrt von Austin nach San
Antonio ist somit wieder wettgemacht.
Dank den Horton Brothers.
Austin, 2. Mai 2011 Teil 14
Auch
heute machten wir uns spät auf den Weg. Mein Begleiter wollte auswärts
essen gehen. Steak, selbstverständlich. Also nichts wie hin und bei
www.citysearch.com
den besten Ort suchen. Die Seite verwies auf die Austin Land & Cattle
Company,
1205 North
Lamar Blvd., Austin, TX 78703. Also nichts wie hin, aber erst abends,
nachdem wir am Morgen noch einmal ins Outlet Center in der Höhe von San
Marcos aufsuchten, um unsere Dollars ungeniert zu investieren.
Von Aussen macht das Lokal nicht viel her. Dennoch können wir das
Restaurant nur wärmstens all jenen empfehlen, die es einmal in die
heimliche Hochburg der echten Country Musik zieht (und ich meine die
echte, nicht die ‚reale‘). Die Web-Seite ist hier untergebracht:
www.austinlandandcattlecompany.com.
Bei unserem Eintreffen wurden wir außerordentlich herzlich von zwei
jungen Mädchen begrüsst. Eines führte uns an den Platz, einen kleinen
Zweiertisch, schwarz gedeckt. Originelle Bilder zieren das ganz in
schwarz/weiss gehaltene Innere des Gebäudes. Wir hatten auf der
Web-Seite zuvor bereits unser Menü zusammengestellt, ich notierte die
Bestellung und las sie nun vor. Es ging zwar relativ lange, bis unser
Essen kam, doch wir wurden in der Zwischenzeit von den anderen Gästen,
dem Servierpersonal sowie der Dekoration auf Trab gehalten. Mein
Begleiter bestellte das kleinere Top Sirloin, mit Steak Potatoes,
Bourbon Sauce und Karotten, ich den Sweet Potato Clam Chowder und als
Vorspeise die Shiner Bock Battered Mushrooms. Die hätten genügt, ehrlich
gesagt. Es gab eine riesige Portion. Glücklicherweise beteiligte sich
meine Begleitung am Essen, ansonsten hätte ich einen Teil der
Köstlichkeit in die Küche zurückschicken müssen. Und die Pilze waren
echt so gut, das wäre nicht fair gewesen. Das Steak und die Suppe kamen
gleichzeitig. Das Sirloin sah aus wie aus einem Bilderbuch, die Karotten
waren wunderschön in der Farbe und wirkten, als kämen sie aus dem
Garten. Steak Fries sind jene Kartoffeln, die bei uns in Schnitzen
tiefgefroren erhältlich sind. Die Suppe schmeckte wunderbar. Sie hatte
Fleischwürfel und Pilze drin. Ich platze noch jetzt, Stunden später,
beinahe…doch sie war zu gut, um sie stehen zu lassen….(Dafür habe ich
bei unserer Rückkehr in die Schweiz wohl eine Kleidergrösse mehr).
Das Mahl kam auf rund $50 zu stehen. Inklusive Getränke (kein Wein).
Im Anschluss fuhren wir in den Continental Club. Heute stand Dale Watson
auf dem Programm, für $5.00. Dieser Typ haben wir vor Jahren erstmals in
Holland gesehen. Damals spielte er rund 3 Stunden lang und war
spitzenmässig. Honky Tonk vom Feinsten, wunderschön gesungen. Seither
haben wir immer wieder Dale‘s Konzerte besucht. Nicht nur in Europa,
auch hier, in Austin und in Wisconsin. Ehrlich gesagt, war er nie mehr
so gut. Was meiner Ansicht nach der Tatsache zu verdanken ist, dass der
Kerl immer Durst hat. Auf CD ist der Junge ausgezeichnet. Live leider
weniger. Auch heute zeigte er sich am Anfang extrem stark, allmählich
liess aber nicht nur die Energie, offensichtlich auch die Begeisterung
und das Talent nach. Die Fehler fanden sich nicht nur im Gitarrenspiel.
Die Stimme war extrem schlecht eingestellt (was also bitteschön, soll
das Kompliment an den PA-Mann?), der Fiddler spielte teilweise für sich
alleine, den Steel-Gitarristen konnte man kaum hören (früher war er
immer zu laut). Einzig der Kontrabassist (den kannten wir noch nicht.
Doch ich finde es eine gute Idee, einen solchen in die Band aufzunehmen)
zeigte ein bisschen Begeisterung und auch Wille, sich für die Sache
einzusetzen. Vielleicht ist er ja neu genug dazu.
Wir hörten Stücke von Wynn Stewart (Dankeschön), Jerry Reed, Merle
Haggard und Lefty Frizzell….. Mehr oder weniger gut. Mr. Watson‘s Stimme
ist eigentlich stark. Heute leider nur noch (wie bei Kim Lenz &
Konsorten) am Anfang und am Ende. Mittendrin versandet der Cowboy. Dafür
machte er nach jedem dritten Stück Werbung für das Lone Star Bier
(light), das an diesem Abend $2.00 kostete. Dann kam noch ein
politisches Statement, ein Kommentar zur von Mrs. Aguilera gesungenen
Nationalhymne und ein Hoch auf das Militär (das Bin Laden killte).
Der Continental Club ist trotz allem einen Besuch wert. Die Web-Seite
ist hier zu finden:
http://www.continentalclub.com/.I
Im Continental scheint die Zeit still gestanden zu sein. Die Menschen
sind zwar modern angezogen (gerade scheinen hier in Austin die Berets
Mode zu sein), doch noch immer handelt es sich um Partygänger, die nicht
sehr wählerisch sind und einfach irgendwo hingehen, wo sie sich Spass
versprechen und wo‘s genügend Bier gibt. Entschuldigt die harschen Worte
- doch ich denke, die grossartige Unterhaltung, die Austin jeden Abend
irgendwo bietet, kann sich auch nachteilig auswirken.
Dale Watson habe ich immer wieder so gut sehen wollen, wie er das erste
Mal war, als wir auf ihn trafen. Mein Wunsch ging bisher nicht in
Erfüllung. Mit zunehmendem Alter bin ich je länger je mehr, weniger
gewillt, mir etwas anzutun, das mir eigentlich widersteht. So bin ich
denn nicht sicher, ob ich solchen Künstlern (es gibt noch andere, die in
diese Kategorie fallen) noch einmal zuhören möchte. Dafür ist mir die
Zeit, ehrlich gesagt, zu kostbar.
Es ist traurig, wenn Interpreten nicht so gut wie erwartet sind. Noch
trauriger ist es aber, wenn sie Talent haben und dieses nicht benutzen.
 
 
 
 
 
 

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