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Austin, 29. April 2011 Teil 11
Heute
gucken wir uns Austin an. Wir sind nun beinahe eine Woche in der Stadt,
ohne je ‘Downtown’ gewesen zu sein.
Das Wetter ist erneut heiß, die Sonne scheint.
Von zu Hause habe ich eine CD-Wunschliste mitgenommen. Denn wir werden
den besten CD-Laden den ich kenne, Waterloo Records, aufsuchen. Nach
einer relativ ungewohnten direkten Fahrt vors Geschäft, parkieren wir
vor dem Shop. Wir haben mittlerweile sicher schon 5 CD gekauft. Im
Waterloo kommen noch mindestens 10 dazu. Wir bezahlen bar. Dann kriegen
wir 10% Rabatt. Was bei so vielen Exemplaren wohl etwas ausmacht, wenn
wir auch nachher pleite sind…..
Parkplätze in Austin gibt’s überall. Entweder stellt man die Karre am
Strassenrand ab, man bezahlt einen Platz auf einem öffentlichen Feld
oder man macht’s wie wir und parkiert das Vehikel beim Whole Food Market
- umsonst. Beim Market handelt es sich um den grössten Frischmarkt, den
ich je sah. Absolut grün und riesig zeigt sich die Auswahl.
Das Auto abgestellt, spazieren wir der 6th Ave. entlang. Austin hat ein
simples Strassen-Namen System. Die Strassen bestehen aus Vierecken. Die
eine Seite ist durchnummeriert, etwa 1th, die andere Seite besteht aus
Namen, etwa Guadalupe St. An der Strasse wie auch bei Autobahnauffahrten
stehen Bettler. Manchmal sind sie recht aufdringlich, manchmal auch nur
traurige Gestalten, die scheinbar an das grosse Glück nicht mehr
glauben. Sie haben resigniert und erwarten auch von den Passanten nichts
mehr.
Auf unserem Weg passieren wir ein Geschäft, das sich ‘”Wild abtut Music”
nennt. Es ist verrückt, was es da alles gibt. Angefangen von Rockmount
Shirts im Nudie-Look bis hin zu einer kleinen Kunst-Galerie, wo es
Gitarrenbilder aller Art neben Kleinmöbeln zu bestaunen gibt.
Nachher laufen wir noch ein wenig weiter, drehen um und kaufen in obigem
Geschäft auf dem Rückweg noch ein. Aus Platzmangel jedoch nicht soviel,
wie wir möchten. Auch beim Food Market kaufen wir noch ein wenig ein,
dann geht’s Richtung Hotel.
Heute steht Omar & the Howlers auf dem Programm. Omar Kent Dykes wird im
Saxon Pub auftreten. Dieses liegt an der S. Lamar Street. Mr. Dykes hat
bei mir vor allem durch sein neuestes Werk, der Zusammenarbeit mit
Jimmie Vaughan, die zu einem tollen Jimmy Reed Tribut-Album namens
‘Jimmy Reed Highway’ führte, gepunktet. Ehrlich gesagt, habe ich eben
diesen Tonträger von ihm und einen Weiteren, der mir aber nicht sehr
gefällt. Aus diesem Grund war ich eher skeptisch und erwartete vom
Auftritt nicht viel. Obwohl mir bewusst war, wie gut die Stimme des
Künstlers ist, habe ich nicht mit einem solchen Gitarristen gerechnet.
Das Saxon Pub zu finden, war auch wieder eine Herausforderung. Die
Hausnum-mern sind oftmals so klein, dass man sie nicht sieht. So fuhren
wir erst einmal am Pub vorbei. Das Saxon liegt in einem Gebäudekomplex,
Tür an Tür mit dem South Austin Gitarren-Geschäft. Also zurück, suchen
und - finden. Auch einen Parkplatz. Wobei der Schuppen gut besucht ist,
denn die leeren Parkfelder sind rar. Auch das Saxon Pub zeigt sich
vorderhand von der besten Joint-Seite. Es besteht aus viel Holz,
gelungene Lichtbildern zieren die Wand. Bei unserem Eintreffen spielte
bereits eine Band. Das Mädchen war keine schlechte Sängerin. Meinem
Begleiter gefiel vor allem ihre Version von “Fever”. Die Band
beendete die Show nach 20.00 Uhr. Um 21.00 Uhr sollte Omar beginnen.
Damit rechnete ich aber nicht. Mit Recht. Zwar stellte die Band ihr
Equipment um ca. 20.30 Uhr auf, doch es wurde 21.15 Uhr, bis die
3-köpfige Musikgruppe die Bühne betrat. Das Trio bestand aus
elektrischem Bass, Schlagzeug und elektrischer Gitarre. Unglaublich, was
Omar Kent Dykes vom ersten Moment an bot. Sein rauer Gesang passt
ausgezeichnet zu seinem Genre, dem Blues. Unter den 4 Jimmie Reed Songs,
die er zum besten gab (er ist ein grosser Fan), waren die besten des
Blues-Stars, u.a. “Honest, I Do” und “Shame, Shame, Shame” .
Dann offerierte der Mann noch einen CCR-Song, 3 bekannte Rock’n’Roll
Stücke und einen lustigen Song über einen Roadrunner, den er perfekt
imitierte. Das war echt spaßig. Überhaupt scheint der Mann mit Humor
gesegnet zu sein und einer warmherzigen Art, begrüsste er doch viele
Fans (nicht nur weibliche) mit einer Umarmung, die von Herzen zu kommen
schien. Auch sein Lachen mochte ich. Und Mädchen: Wenn ihr denkt, es
gibt nur Frauen, die erotisch singen können, hört Euch mal Omar Kent
Dykes an. Mit seinem Übergewicht (er hat ganz schön zugelegt) kann er
mit den üblichen Schönheitsidealen nicht konkurrieren. Doch jeder Ton
heute Abend sagte laut und deutlich: Will ich das denn? Ich bin besser.
Und das ist er, dieser Omar Kent Dykes. Unglaublich gut. Nicht nur, was
den Gesang anbetraf, sondern auch die Gitarrenkünste. Omar Kent Dykes
spricht durch die Gitarre, die er klopft, zupft oder schlägt……..
Vorbildlich.
Diese Show war ein Gourmet-Menü der Oberklasse.
Ich habe heute Abend ein Konzert sehen dürfen, das ich nicht vergessen
werde.
Und ich danke demjenigen, der dafür verantwortlich ist, dafür.
Austin, 30. April 2011 Teil 12
Wir
haben heute lange ausgeschlafen. Zu lange, für die Tour die vor uns
liegt. Um 11 Uhr brachen wir Richtung Waco auf. Und standen zuerst mal.
Das ging an die Nieren. Dann mussten wir zurückbleiben, weil eine Horde
Motorradfahrer durch die Polizei abgeschirmt wurde und so ein
vorbeifahren unmöglich wurde.
Endlich ging’s aber doch los. Und wir fuhren, fuhren, fuhren……. Bis Waco
war’s schon länger, als gedacht. Doch dort fing’s erst an. Ab Waco
nahmen für die Überlandstrasse, die Nr. 79. Und fuhren, fuhren und
fuhren. Ich wusste, dass das Tiger Refugee, das wir aufsuchen wollten,
um 17.00 Uhr die Tore schloss, ergo musste ich mich beeilen. Glaubt’s
oder nicht - mal abgesehen von kurzen Zwischenhalten (Tanken,
Rauchpausen) kamen wir kurz nach 16 Uhr vor Ort an.
Mein Begleiter, ein begeisterter Tiger-Fan, sollte diese Auffangstation
unbedingt sehen. Im Tiger Sanctuary von Tyler, TX., werden Tiger wieder
aufgepäppelt, die ausgestoßen (glaubt’s oder nicht: Einer der Tiger
wurde als Haustier gehalten und einfach zurückgelassen, als ‘Mann’
umzog) wurden. Neben Tigern finden sich auch Pumas, Ozelots und ein
wunderschöner asiatischer Panther in den Gehegen , die es zu bewundern
gilt. Man kann hier Touren buchen, $10/Person und erhält dafür einen
persönlichen Guide, der einem alles über die hier untergebrachten Tiere
erzählt. Habt Ihr z.B. gewusst, dass Wildkatzen entweder röhren oder
knurren können? Beides geht nicht.
Ich habe mich übrigens auf Anhieb verliebt. In 8-Ball, den Panther. Und
in Jessie, den verrückten Puma, der glaubt, er sei unsichtbar. Das
Tierchen kann aus dem Null Komma nichts aus seiner Hütte rennen und sich
benehmen, als sei er wirklich nicht da……Bilder zum Bericht finden sich
hier:
http://www.tigercreek.org/
Nach unserem kurzen Aufenthalt fuhren wir wieder zurück - d.h. wir
wollten es. Auf der 79. Bis Austin. Denkste. Als kein Ende in Sicht war,
fuhr ich auf die Autobahn. Leider die Falsche (wir waren beide geschafft
und rafften es erst zu spät). Also nach Houston runter und auf der 290 W
nach Austin zurück. Fahrt ihr so gerne Auto wie ich? Dann könnt Ihr Euch
vielleicht vorstellen, wie es ist, wenn einem die mitgebrachten CD’s
ausgehen, das Getränk fehlt, die Tankstelle unbedingt kommen muss,
ansonsten man in der Wildnis stehen bleibt und zu allem Unglück auch die
Strasse kein Ende nehmen will. Und ich meine wirklich: KEIN ENDE. Wie
gesagt. Ich fahre gerne. Sehr gerne, sogar. Doch seit wir hier sind,
d.h. innerhalb einer Woche haben wir laut Tachometer 2’400 Meilen
zurückgelegt…..
Tja. Morgen - nein, heute - schaffen wir’s hoffentlich trotz dem noch
einmal nach San Antonio. Diesmal tritt Jimmy Vaughan (der kleine Bruder
von Steve Ray) zusammen mit den Horton Brothers auf.
Aber eben -
zuerst Ausschlafen…….Gute
Nacht, Freunde!
 

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