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Austin, 29. April 2011 Teil 10
Meine
Schuhe sind durch, ich habe Blattern. Also ging’s am Donnerstag zuerst
zum Schuhkauf. Erneut im Outlet. Bei Hush Puppies.
Dann ging’s weiter nach San Antonio. Diese Stadt wird offiziell als die
Schönste Amerika’s gehandelt. Ich bin da nicht ganz dieser Ansicht und
habe auch zu wenig von den Staaten gesehen, um diesem Pauschalurteil zu
vertrauen. Doch wir wollten ja nicht eine Stadtbesichtigung machen: Am
Abend sollten die Lazy Boys aus Deutschland zusammen mit Ruby Dee & den
Snakehandlers in Sam’s Burger Joint auftreten.
Mein Plan war, die Stadtbesichtigung “einzubauen”. Dazu waren wir
allerdings zu spät unterwegs. Und wohl auch zu übermüdet. Obwohl ich die
Ausfahrt zum Joint genau aufgeschrieben hatte, verfuhren wir uns
hoffnungslos. Okay. Ich war schuld. Aber nicht nur. Es gibt 2 Autobahnen
durch die Stadt. Beide weisen dieselbe Exit-Nummer auf.
Selbstverständlich befanden wir uns auf der Falschen und nahmen das Exit
nach der Nummer, die ich zuvor notiert hatte. Ehrlich gesagt, eine
Zeitlang wollte ich einfach nur umkehren. Ins Hotel fahren und schlafen.
Irgendwann folgten wir einfach einem Bus, der mit Downtown beschriftet
war. (Ja, ich hatte eine Karte. Nein, sie war nicht detailliert genug).
Tja. Wer sagt’s denn: Die Dummen haben immer Glück. So auch wir. Zwar
nimmt unser ‘Stammparkhaus’ (da waren wir schon mal, vor Jahren)
mittlerweile nur noch Kreditkarten, doch es befindet sich noch immer in
der Stadtmitte, ist also günstig gelegen. Nichts wie rein (denn ohne
Kreditkarte bleibt man besser zu Hause, als nach Amerika zu reisen),
ausgestiegen und das Visitor-Zentrum angepeilt. Nur: Wo lag es? Dafür
liefen wir zuerst durch sie ganze Fluss-Anlage des Riverside Zentrums,
dann durch’s Alamo, das wir schon einmal besichtigten. Es ist aber noch
immer einen Besuch wert. Das Wetter war schön und die Besucherzahl nicht
allzu gross. Am Ende kriegten wir unsere Auskunft. Es war relativ
einfach, die Strasse zu finden, denn der Boulevard beginnt gleich hinter
dem Alamo. Aufgrund der Aussage der Lady kriegten wir’s hin und fanden
unser Burger Joint. Ziemlich hungrig, bestellte mein Begleiter einen
obligaten Hamburger, ich blieb bei Mineralwasser. Der Hamburger sah toll
aus, die Pommes schmeckten. Es ist momentan drückend heiß hier, obwohl
die Temperaturen zurückgehen sollen. Also blieben wir vorderhand im
Innern des Gebäudes, in dem es allerdings ziemlich luftig war. Im
Anschluss machten wir Bilder vom Ort (der Platz ist wieder einmal sehr
kreativ gestaltet), dann fanden wir noch den “Stable” (den Stall) einer
ehemaligen Brauerei, wo heute Bankette abgehalten werden. Im Anschluss
warteten wir einfach, bis die Show anfing.
Ich bin schon oft auf schlecht besuchte Konzerte gestoßen. Doch als Ruby
Dee, das kleine Energiebündel, die Bühne betrat, waren wir, die Lazy
Boys und den Typen am Mischpult sowie die Bedienung ausgenommen, 4
Zuschauer. Es war oberpeinlich, denn Ruby Dee hat echt was drauf.
(http://www.rubydeemusic.com/). Obwohl sie ihr Set auch mit diesen
wüsten Hickups (eigentlich heisst das Schluckauf) startete, hielt ihre
Stimme, was sie versprach. Durchaus stark, selbstbewusst, ohne
eingebildet zu sein und mit dem Humor gesegnet, der einen Künstler durch
einen schlecht besuchten Gig bringt, konnte sie in meinen Augen punkten.
Es gab zwar auch ein paar Swing Stücke, denen ich auch in Texas einfach
nichts abgewinnen kann, doch insgesamt offerierte Ruby ausgezeichnete
Rockabilly-Stücke. In der Mitte des Sets nahm denn ihr ‘Zukünftiger’ (so
stellte ihn das Mädchen zumindest vor) die Bühne ein. Seine Stimme war
ausgezeichnet, das Gitarrenspiel gut, der Sound wies eine sympathische
Blues-Prise auf. Am Ende seines Sets sang Ruby noch mit, doch die Stimme
ihres Freundes war zu laut eingestellt und ihre schlecht hörbar. Wenn
ich etwas vermisste, waren es Harmonien. Doch vielleicht bin ich einfach
ein ‘Harmonie-Bewusster’ Mensch?. Es geht nichts über mehrstimmigen
Gesang, wenn man auch aufpassen muss, dass dieser nicht zu eintönig
wird.
Später, als der Raum ein bisschen besser gefüllt war (ich denke,
entweder haben die Leute Ruby Dee schon genug gesehen, oder sie nahmen
zuerst ihr Abendessen im Joint ein), nahmen die Lazy Boys die Bühne ein.
Mir gefiel ihre Kommunikation mit dem Publikum. Sie waren auch in Vegas.
Ich habe sie nicht gesehen. Auf der Bühne eh nicht und in der Menge mag
ich mich ebenfalls nicht an sie erinnern. Der Sound der Lazy Boys ist
gut. Ziemlich satt. (http://www.lazyboys.de/). Gut genug, als dass sie
ebenfalls in Vegas hätten auftreten können. Doch vielleicht haben sie,
gleich einem Schweizer Kumpel, den Ort für die Zukunft ‘abgecheckt’?…..
Und vielleicht haben auch die Lazy Boys Las Vegas zu ihrer Heimatstadt
erklärt, wie unser Freund aus der Schweiz. Wieso bloss packt mich der
Vegas Virus nicht? Ich bin immer froh, hier in Texas zu sein und Vegas
den Rücken kehren zu können. Alles dort ist künstlich. Alles, was hier
natürlich ist.
Egal. Zurück zu den Boys. Ich kann’s nicht erklären und möchte auch
niemanden verletzten, doch dem Gesang konnte ich nichts abgewinnen. Und
ich weiss nicht mal, wieso. Ganz ehrlich. Ich kann die Stimme des
Sängers einfach nicht mit Rockabilly in Verbindung bringen. Keine
Ahnung, weshalb. Das Timing stimmt, die Noten sitzen…woran liegt’s also?
I Do Not Know, To Be Honest.
Vielleicht mag ich auch die Hüte einfach nicht. Ich war mal in einem
Filzkurs. Und lernte, wie man Kopfbedeckungen herstellt. Will sagen: Ich
mag die Frank-Sinatra Deckel nicht, ebenso wenig wie die von Ray Campi
bevorzugten Golf-Dinger. Cowboyhüte dagegen liebe ich. Nur die Köpfe
darunter meist nicht.
Also. Die Lazy Boys. Sie brachten eigene Stücke und Covers, gemischt
also. Mir gefiel jeweils der Rhythmus. Der war, wie bereits gesagt,
satt. So lasse ich mir Rockabilly gefallen. Was ich auch gerne habe, bei
Ensembles jeder Grösse ist, wenn die einzelnen Bandmitglieder
abwechselnd auf Leader machen. Sei dies mittels solo, sei dies mittels
Gesang…….doch ich finde, dass nicht unbedingt klar sein sollte, wer der
Anführer einer Gruppe ist. Daran kann man Grösse auch messen.
Ruby Dee hat z.B. dem Bassisten, dem Schlagzeuger und dem Gitarristen
ohnehin genügend Freiraum eingeräumt, dass sich diese austoben konnten.
Bei den Lazy Boys sah ich einen Typen im Vordergrund (nein, ich gucke
dessen Namen nun nicht nach) und der Rest, im Background, funktionierte
einfach. Zwar gut, aber er war einfach da und zeigte keine bestimmten
Ambitionen.
Ich weiss nicht, vielleicht muss es auch so sein und ich irre mich.
Schon möglich.
Um 23 Uhr traten wir unsere 2-stündige Heimfahrt an. Mit einer CD der
Lazy Boys im Gepäck. Mein Begleiter erstand sie. Ruby Dee gab zwar an,
ebenfalls CD’s dabei zu haben, doch sie war plötzlich nicht mehr da und
der Stand der Deutschen verkaufte verständlicherweise nur den eigenen
Stoff.
Um 1 Uhr morgens kamen wir, einmal mehr übermüdet, nach einem kurzen
Halt beim Wal-Mart, an.
Heute müssen wir zuerst tanken. Es geht zum ersten Mal in die
Innenstadt, sprich: Nach Austin.
Abends würden noch einmal die Lazy Boys mit Ruby Dee auftreten. Diesmal
vor Ort. Doch ich hab’ Omar Kent Dukes (Omar & the Howlers) auf meiner
Liste. Sollte er mir nicht gefallen, haben wir hoffentlich noch genügend
Zeit, die Lokation zu wechseln (er spielt bei Stubb’s, Ruby im
Continental).
 
 
 
 
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