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In eigener Sache In der Schweiz ist es Herbst geworden. Die dunkle Jahreszeit bricht an die, wo ich mich vermehrt nach sentimentalen Country-Songs und netter Gesellschaft (bestimmter, dummerweise) sehne. Und guten Konzerten. Da bleibt der Frust nicht aus. Denn Veranstalter haben seit Jahren eine neue Marotte eingeführt, von der ich gar nicht begeistert bin: Sie setzen Konzerte unter der Woche an. Um alles noch zu toppen, oftmals zu Unzeiten (in der Schweiz nach 22.00 Uhr - für die Hauptband) und an Orten, die ohne Gefährt kaum zu erreichen sind. Oder sagen wir mal: Zu erreichen schon. Nur: Wie kommt man wieder nach Hause? (Für die Beantwortung der Frage winkt eine hohe Belohnung - abzuholen bei einem dieser Veranstalter). Die öffentlichen Verkehrsmittel stehen in der Schweiz rund um die Uhr übrigens nur an Wochenenden zur Verfügung. Und ehrlich gesagt: Das, was wir früher 'Lumpensammler' nannten, hat widerliche Dimensionen angenommen. Im Eisenbahnabteil kriegt man eine Alkoholvergiftung nur schon beim Einatmen des nachbarlichen Ausatmens. Und Pöbeleien sind an der Tages- bzw. Nachtordnung. Nun ist die deutsche Musik-Szene seit längerer Zeit attraktiver, als die schweizerische. Wenigstens, hinsichtlich meines Musikgeschmacks. So setzt denn Wayne Hancock seit Längerem keinen Fuss mehr in unser Land. Auch Joe Ely lässt sich nur spärlich blicken, ganz zu schweigen von John Prine, der damals in Kötz versprach, nächstes Jahr (!) in die Schweiz zu kommen. Muss mittlerweile über 10 Jahre her sein…. Das Pärchen, mit dem ich mich damals befreundete, ist sicher schon verheiratet, geschweige denn längst geschieden…. Von Guy Clark oder Peter Rowan sprechen wir gar nicht, ebenso wenig von Chris Hillman, Herb Pedersen oder der grossartigen Nitty Gritty Dirt Band. Ebenso bleibt ein erneuter Fabulous Thunderbirds-Auftritt ein Wunschtraum. Ach, es gäbe so viele, die ich noch (einmal) sehen möchte!!! Und dann stösst man auf traurige Neuigkeiten: Jerry Reed, Waylon, Gary Stewart, Jimmy Martin, Willy DeVille, Buck Owens…sie alle werde ich nie mehr sehen (wenigstens hier unten nicht - und nachher kommt's wohl drauf an, wohin ich komme). Die Zeit läuft. Gegen uns. Ich selber miete längst nicht mehr in jedem Fall einen Wagen, um zu einem entfernten Konzert zu gelangen. Wie oft haben wir das gemacht! Dale Watson, die Hacienda Brothers, Dave Alvin, die Chevy Cats, Wayne Hancock, The Fabulous Thunderbirds, Jason Ringenberg…für sie alle fuhren wir nachts nach Holland. Tags darauf ging's entweder ans nächste Konzert oder gleich zurück Richtung Käseländle….. Dabei hatten wir mit vielem zu kämpfen - von geplatzten Pneus über Epilepsie-Anfälle bis hin zu starken Regenfällen auf dem Heimweg…..Mal abgesehen von 8, 9 Stunden Fahrt. Im besten Fall. Die sich aber meist lohnten. Abgesehen von Crazy Cavan in Forli. Während andere sich also einen Sonnenstich am Strand von Mallorca holten, fuhren wir 'Bleichgesichter' nach Holland. Oder nach Deutschland. Das verstanden wir unter Ferien. Und dann die Kommentare der Bands! Die 'armen' Osborne Brothers…mussten Non-Stop von Deutschland in die CH rattern!!!! Das habe ich auf der Web-Seite, die für das entsprechende Video warb, nachlesen dürfen. Vielleicht hätten sie sich nicht gar so viele Gedanken um die Reise gemacht, hätten sie gewusst, dass viele weit her kamen, um sie wenigstens einmal geniessen zu können. Und das Konzert war, by the way, schlichtweg genial. Wieso wohl müssen Bands immer betonen, wie hart das Leben auf Tour ist? Wie hart ist es für die Fans? Einzig die Anhänger von Grateful Death haben einen Kult daraus gemacht. Und die Pilgerfahrten richtiggehend genossen. So sehr, dass selbst Martha Grimes ein liebenswertes Buch darüber schrieb… Und der Sänger von Hayseed Dixie heute noch ein Batik-T-Shirt trägt…(An deren Konzert in der Schweiz trafen wir auf einen Schotten und einen Engländer, die extra anreisten. Und das angesichts der Wirtschaftslage, wohlgemerkt). By the way: Wie oft nahmen die Bluegrass Boogiemen, die Chevy Cats, Jason Ringenberg oder Big Sandy Distanzen auf sich? Und sie werden längst nicht so gut bezahlt wie die Eagles. Jason haben wir entdeckt, wie er ganz alleine mit seiner Klampfe vom Hauptbahnhof Zürich auf dem Weg zum Auftrittsort war. Haben sich die Jungs je darüber beschwert? Und wir, die Reisenden mit festem Ziel? Wir verprassen unser Geld bei Konzerten. Für Konzerte. Ach ja: Die Preise! Auch ein Thema für sich. Früher war's ja so, dass der Eintritt hoch, die Getränke dafür billig waren. Oder umgekehrt. Heute ist beides teuer. Zum Vergleich: In Austin kann ich die besten Bands gratis in Klubs geniessen. In Vegas kostet der VLV-Event (Mittwoch bis Sonntagabend bzw. Montagmorgen) $95. Davon kann ein Schweizer Konzertbesucher nur träumen. Und dann die Art der Events! Die Musikrichtungen sind beschränkt. So können sich denn Fans der 'Real Country Musik' in der Schweiz nicht beklagen. Genauso wenig Fans von Swing aller Art (inklusive Western Swing). Dagegen werden Liebhaber von traditioneller Bluegrass-Musik, Honky Tonk oder klassischer Country-Musik keineswegs verwöhnt. Im Gegenteil. Entweder, sie sehen sich an grossen Country-Festivals jedes Jahr dieselbe Band an, sie begnügen sich mit Schweizer Gruppen oder sie überwinden sich und geben sich mit Ensembles zufrieden, die eine Mischung aus traditioneller und moderner Musik anbieten…..und in keinem der gewählten Genres gut sind….Eine Alternative ist auch, zu Hause zu bleiben, CD's zu hören und von einem Konzert seiner Wahl zu träumen. Gleich um die Ecke….By the way: Wo bleibt eigentlich Dick Brave? Hey, wake up, Buddy! Morgen (!) tritt Linda Gail Lewis, die Schwester von JLL, in Feuerthalen auf. Der Ort ist zwar per Eisenbahn und zu Fuss zu erreichen, aber ein 'Zurück' gibt's nicht mehr. Bald geben die Wilders ihr einziges Zürcher Konzert. Die Werbung dafür fand ich per Zufall. Denn die Wilders halten ihr Wort. Und haben versprochen, dieses Jahr wiederzukommen. Also: Immer Augen offen halten. Weil die Country Musik-Webseite die Band nicht in ihrem Event-Programm führt. Selbst die Rockabilly-Seite ignoriert die Super-Truppe gekonnt. Eigentlich eine Meisterleistung, positiv betrachtet. Womit wir schon beim nächsten Thema sind: Der Werbung. Gruppen, die den Betreibern von häufig besuchten Web-Seiten nicht interessant genug sind, werden nicht aufgeführt. Punkt. Dadurch kommen sie um ihr Publikum. Wenigstens um das Interessierte. Denn Leute, die grundsätzlich bei Konzerten im El Lokal (Zürich) auftauchen, sind ohnehin auf Nummer sicher. Und weil der Klub so klein ist, ist es vielleicht besser, wissen nur wenige davon. So bleibt denn nichts anders zu tun, als an kühlen Herbst-Abenden von einem Konzert der Nitty Gritty Dirt Band zu träumen. An einem langen Samstag-Abend. An einem Ort meiner Wahl. In der Nähe. Und bis dato? Höre ich mir 'Far, far away' von Don Gibson an und fühle mich komischerweise verstanden…. |
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