Silent
Strings: Autor, Musiker und Humorist Mitch Jayne verstarb am 2. August 2010
(Tja – wieder einer, den ich unbedingt sehen wollte und den ich nun von meiner
Liste streichen muss. Untenstehender Artikel beweist mir noch einmal deutlich,
dass ein Treffen wertvoll gewesen wäre.)
Am Montag, 2. August 2010, verstarb Mitch Jayne in Columbia, Mo. Jayne schrieb
5 Bücher, beteiligte sich seit 20 Jahren regelmässig an Kolumnen, die in den
ländlichen Ozarks erschienen. Auch komponierte er über 12 Bluegrass Songs, die
von den Dillards aufgezeichnet wurden. Mitch leitete zudem eine Radioshow in
Salem, Mo. Diese war Nationweit dank ihrer Satire, u.a. der Sendung „Tick &
Snake Market Report“ bekannt geworden. Regelmässig wurden dort u.a. auch die
Marktpreise für’s Ho-Boy White Dot Crushproof
Dry Walley Wonder gemeldet.
Jane erblickte am 5. Juli 1928 in Hammond, Indiana, als Sohn von Bea und Gus
Jayne, das Licht der Welt. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Universität von
Missouri-Columbia, begann er im Dent County, Mo, selber zu unterrichten. Hier
brachte er den Jüngsten die vergessenen Worte und Phrasen des elisabethanischen
Englisch bei.
Eines Tages fragte er einen 6-jährigen, was sein Vater von Beruf war.
„Eigentlich ist er Farmer“, antwortete der Junge. „Und wenn er das nicht ist,
sitzt er auf der Veranda, wo er Fiddle spielt, um die Zeit todzuschlagen.“
Diese und viele weitere lustige Anekdoten fasste Mitch 2000 in seinem Buch
‚Home Grown Stories & Home Fried Lillies“ zusammen. Illustriert hat das
Werk seine Ehefrau, Diana Jayne. Mitch wünschte sich stets die
Einzimmer-Schulräume, in denen er einst unterrichtete, zurück. Deren Verlust
schrieb er dem Einfluss der Medien, u.a. dem Radio und dem Fernsehen, zu. Auch
machte er diese für den Verlust der elisabethanischen Sprache und Kultur
verantwortlich.
Um 1959 befreundete sich Mitch mit den Bluegrassmusikern Douglas und Rodney
Dillard. Diese luden ihn auf ihre Reise nach Kalifornien ein. Am Tag ihrer
Abreise, währen sie Dean Webb’s alten Cadillac und den angehängten Wohnwagen
mit Instrumenten beluden, meinte Aunt Dollie, der zurückbleibende Dillard
Bruder: „Ihr Jungs macht Euch ja auf eine lange Reise, nur um zu versagen!“
Unbeeindruckt von den Glückwünschen, brachte sich Mitch
auf dem Weg an die
Westküste das Kontrabass-Spiel bei. Als die Gruppe in L.A. ankam, suchten sie
sofort den Ash Grove Folk Club auf. Dort sorgten die Greenbriar Boys bis dato
für Unterhaltung. Als diese eine Pause einlegten, packten die Dillards ihre
Instrumente aus und traten in der Lobby des Klubs auf. Sofort heuerte sie der
Boss an. Durch die Anstellung kriegten sie nicht nur einen Vertrag bei Elektra
Records, sie wurden sogar von einem Talentsucher für die Andy Griffith Show
‚entdeckt‘. 3 Jahre lang traten die Dillards bei Andy (bei uns als ‚Matlock
bekannt geworden) unter dem Namen The Darling Family auf. Jayne komponierte
viele der bekanntesten Arbeiten der Dillards, darunter: "Dooley,"
"The Old Home Place," "The Whole World Round," und "There
Is A Time." Zwischen 1963 bis 2006 nahmen sie unzählige Alben auf.
Allerdings trat Janye Ende der 70er aus der Band aus.
Obwohl sie’s nie realisiert haben, schrieben die Dillards Musikgeschichte. So
beeinflussten sie nicht zuletzt bekannte Bands wie The Byrds, Eagles und The
Nitty Gritty Dirt Band. 1972, eröffneten The Dillards (mit Herb Peterson für
Doug Dillard am Banjo) Elton John's erste Amerika Tournee. Darauf angesprochen,
erklärte Elton in einem Interview: "The Dillards machten ein Album, das
sich Wheatstraw Suite nennt, eines meiner Lieblings-Alben. Es handelte vorwiegend
Beatles-Songs ab – das, was ich brachte, als ich zum ersten Mal amerikanischen
Boden betrat.“
Mitch's drollartige, ländliche Art und Weise vergrösserte die Popularität der
Dillards. Ohne sich auf ein bestimmtes Musikgenre limitieren zu lassen, werden
die Dillards dank Mitch’s Kompositionen als Initiatoren des Country Rocks
betrachtet.
Noch in Kalifornien veröffentlichte Mitch seine ersten Bücher, z.B. 1966 The
Forest in the Wind oder 1973 Old Fish Hawk. Letztere Geschichte handelt von
einem Osage Indianer. 1979 wurde das Buch zum Film mit Will Sampson in der
Hauptrolle.
Ende der 70er Jahre kehrte Mitch nach Missouri zurück. Hier baute er in der
Nähe des Mark Twain National Forest ein Log Haus, das Ozarks verkörpern sollte.
1981, eine Woche vor Weihnachten, wurde das Haus durch ein Feuer zerstört. 2
Wochen später gaben Mitch‘s Bluegrass-Freunde ein Benefiz-Konzert. Es kam genug
Geld zusammen, um erneut ein ähnliches Haus zu bauen. Mitch zog dort 1983 ein.
Mitch’s beliebte Radioshow "Hickory Holler Time," über KSMO in Salem,
Mo., ausgestrahlt, brachte lokale Neuigkeiten, Bluegrass Musik, den Tick &
Snake Marktreport, und verschiedene Sartiren. Darunter auf eine Episode zum 4.
Juli. Die Erzählung handelte von Thomas Jefferson und George Washington, die
Jagdhunde austauschten. Mitch erfand auch einen Charakter namens Zeke
Reeferzottum. Dieser sorgte für Folklore. Etwa dadurch, dass er Winter feierte,
indem er ‚wollene Kissen anstarrte. Nicht ihre Farbe, aber ihre Grösse! ,
Mother Mitch's News waren eine Abhandlung von Mother Earth News. Darin ging’s
um praktische Tipps zum Leben auf dem Land, z.B., wie man eigenes Toilettenpapier
entwirft ("die Perforation kriegt man mittels eines Pizzaschneiders hin“).
Die Radioschau – vor allem der Tick & Snake Marktbericht – hatte viele
Anhänger. Ein Berufspilot verriet Jayne einmal, er sei extra über Salem geflogen,
damit sich seine Passagiere von Mitch am Radio unterhalten lassen konnten.
1980 schrieb Mitch seine dritte Novelle. Sie nennt sich Glory Hole War. Es geht
dabei um Saboteure der Ozarks, die sich gegen einen Plan der Regierung wehren.
Diese beschliesst in der Erzählung nämlich, den Frühling zu verdammen. Jayne
hatte auch damit begonnen, wöchentlich die Kolumne ‚Driftwood‘ herauszugeben. Sie
erschien in verschiedenen Missouri Zeitungen. Doch auch für weitere Magazine
schrieb er witzige Sachen. In seiner Lektüre sprach er jeweils von
Konservierung – nicht nur von natürlichen Quellen, sondern auch von Kultur und
Geschichte.
Am Ende seines Lebens durfte sich Mitch endlich des Lobes erfreuen, das er viel
früher verdient hätte. So schlossen sich 2002 die Dillards noch einmal
zusammen, um vor einer vollen Carnegie Hall zu brillieren. 2009 wurden sie im
Ryman Auditorium von Nashville in die Bluegrass Hall of Fame aufgenommen.
2007 kriegte Mitch dank seiner vierten Novelle, Fiddler’s Ghost, den Missouri
Governors Humanities Book Award zugesprochen. Auch kam seine Geschichte unter
die 10 besten Bücher des Jahres, gewählt von St. Louis Post-Dispatch.
Mitch lässt nicht nur seine Ehefraun Diana Jayne zurück, sondern auch seinen
Bruder, Sears Jayne ausWatertown, Mass., wie die Töchter Carole Jayne,
Eminence, Mo. und Valerie Jayne, St. Charles, Mo. In den letzten Tagen
versammelten sich Familie und enge Freunde um’s Krankenbett von Mitch im
Columbia Veteran's Hospital. Dort unterhielt er sein Publikum noch immer mit
lustigen Geschichten – bis die Zeit für ihn kam, auf den letzten Weg zu gehen.
Als ein Freund ihn fragte, wie es ihm gehe, antwortete Mitch Jane: „Keine
Ahnung – ich bin noch nie vorher gestorben“.
Mitch’s Mutter warnte ihren Sohn jeweils: „Was Du lustig findest, wird Dich
eines Tages in Schwierigkeiten bringen“. „Und so war’s auch“, gab Mitch zu.
„Aber was sie nicht wusste war, dass ich damit meinen Lebensunterhalt
verdiente.“
Von Kathryn Love und Diana Jayne
Web-Seiten:
www.the-dillards.com/
de.wikipedia.org/wiki/The_Dillards
Mehrere Vidoes auf You Tube, z.B.:
www.youtube.com/watch?v=YEqoA1hjrPE