Steve Martin verbannt alle Zweifel über sein Banjo-Talent

Earl Scruggs, John McEuen und die Steep Canyon Rangers sorgen für eine Nacht voller guter Musik


Steve Martin


Auch wenn sich jemand darüber wundern sollte: Steve Martin ist ein höllischer Banjo-Spieler. Am Samstagabend, 11. Oktober 2009, bewies er dies zweifellos. Dafür sorgte ein Konzert im Ryman Auditorium von Nashville.

Zwischen den Songs witzelte Martin in der von ihm gewohnten Art 'rum, trotzdem konzentrierte er sich vorwiegend darauf, sein Album, The Crow: New Songs for the 5-String Banjo, vorzustellen.

Aus den eigenen Kommentaren auf der Bühne geht hervor, dass sich Martin vollends bewusst ist, wie viele Zweifel an seinen musikalischen Fähigkeiten hegen. Einige zeigen sich skeptisch gegenüber seiner offensichtlichen Bluegrass-Orientierung. Und wer könnte den Zweiflern schon böse sein? Ohne Namen zu nennen, gibt es unzählige Filmstars, die sich nebenbei an einer Musikkarriere versuchen. Sie verlangen zwar, dass man sie ernst nimmt, aber unglücklicherweise lassen ihre Alben lediglich Zweifel an ihrer Ernsthaftigkeit bzw. an ihrem Musiktalent aufkommen.

Martin's musikalische Fähigkeiten wurden indes nie in Frage gestellt. In den 70er Jahren, als er als Komödiant auftrat, war das Banjo Bestandteil seines Auftrittes. Und siehe da: Bereits damals entdeckte das Publikum hinter dem wilden und verrückten Typen einen ernst zu nehmenden Musiker. Später zeigte Martin erneut sein Können, indem er zusammen mit Vince Gill, Marty Stuart und anderen bei Earl Scruggs' Version von "Foggy Mountain Breakdown" mitwirkte. Einer Arbeit, die 2001 wohlverstanden einen Grammy einbrachte.

Aber so gut die Musik bei The Crow auch klingen mag: Der heutigen, modernen Aufnahme-Technik haben wir es zu verdanken, dass urplötzlich aus durchschnittlich talentierten grossartige Musiker werden. Bei einem akustischen Konzert können sich Musiker allerdings nur schwer hinter einem Mikrophon verstecken. Und dies zeigte sich deutlich beim Auftritt Martin's im Ryman Auditorium.

Unterstützt von den Steep Canyon Rangers, einer der besten Bluegrass-Bands in jüngster Zeit, zeigte Martin eine Vielseitigkeit, die sich von Scruggs-Technik, dem 3-Finger-Picking, bis hin zum zerbrechlichen Old-Time mit modernem Touch präsentierte. Martin war der Star der Show. Trotzdem zog er sich auch als Mitspieler zurück, so dass Gitarrist/Sänger Woody Platt, Banjo-Spieler Graham Sharp, Mandolinist Mike Guggino, Bassist Charles R. Humphrey III und Fiddler Nicky Sanders ebenfalls im Rampenlicht glänzen durften .

John McEuen, Mitglied der Nitty Gritty Dirt Band und Martin's langjähriger Freund, eröffnete die Schau. Zuerst erklärte er in knappen Worten die Entwicklungs-Geschichte der amerikanischen String-Musik. Betonung legte er dabei auf die Bedeutung Earl's und diejenige der verstorbenen Louise Scruggs hinsichtlich den Will the Circle Be Unbroken Album Serien der Nitty Gritty Dirt Band. Auch zollte McEuen Tribut an den verstorbenen Merle Travis mittels eines unglaublichen Fingerpickings bei "I Am a Pilgrim" und "Cannonball Rag." John hob ebenfalls den verstorbenen Vassar Clements hervor, als er zuerst die Fiddle, dann das Banjo zu Stephen Vincent Benet's Gedicht "The Mountain Whippoorwill (oder How Hillbilly Jim Won the Great Fiddler's Prize) zupfte.

Bei Martin's Set tauchten Dan Tyminski und Rhonda Vincent auf der Bühne auf. Gemeinsam trällerte man "Pretty Flowers," einen Song, den Vince Gill und Dolly Parton zusammen mit Martin für The Crow aufzeichneten. Für Martin's Zugabe zeigten sich Scruggs und dessen Sohn Gary auf der Bühne. Zusammen spielten die Drei "Foggy Mountain Breakdown."

Einer der immer oft erzählten Witze handelt davon, dass man von Bluegrass Musik alleine nicht leben kann. Martin bezog sich auf diesen Witz, als er das Gesicht seines Agenten beschrieb damals, als er diesem mitteilte, er wollte auf eine "Banjo Tournee" gehen. Gleichzeitig machte Steve darauf aufmerksam, dass Nashville eine der ersten Städte sei, die er besuche. Nachher meinte er: "Wenn alles nach Plan klappt, werde ich gerade mal $12'000 verlieren".


In der Zwischenzeit sorgen Martin's Album und seine Tournee dafür, dass Bluegrass wieder Auftrieb erhält. Und falls Steve Martin sich dazu entschliesst, seiner Schauspiel-, bzw. Produzentenkarriere ein Ende zu bereiten, kann er sich sicher jederzeit bei einer Bluegrass Band bewerben. Bestimmt kennt er den Witz über den Banjospieler mit dem Pager schon….

 

 

 
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