Ray Price erinnert sich an die guten Zeiten mit Hank Williams

Ray Price, seines Zeichens Hall of Fame Mitglied, könnte sich eigentlich
 auf seinen zahlreichen Lorbeeren ausruhen. Stattdessen lässt er sein
eigenes Record Label vom Stapel, zeichnet neue Musik auf und zeigt sich
seinen enthusiastischen Fans.

„Habe ich mir je den Kopf darüber zerbrochen, ob ich Fischen gehen soll? Nein. Stattdessen fragte ich mich, weshalb ich nicht sang. Also trällerte ich sogar beim Fischen. Ich liebe Musik. Sie ist mein Leben. Vermutlich bin ich dafür geboren worden. Ich möchte immer besser werden. Ich bin nie zufrieden. Ich denke, keiner sollte das je sein.“

Diese Einstellung machte Price, neben einer natürlichen Gesangsbegabung, zu einem Pionier der Country Musik.

Price wurde in der Nähe von Perryville, TX., geboren. Während des zweiten Weltkriegs diente er in den U.S. Marines und kehrte als Veteran nach Texas zurück. Sobald er aber im Lone Star State aufzutreten begann, war dieser Vorsatz schnell vergessen.

Die Freundschaft zum Country Musik Hall of Fame Mitglied Hank Williams spielte hinsichtlich Price’s Karriere eine wichtige Rolle. Hank war der Grund dafür, dass Eddie Stubs von WSM/Nashville Radio Price im März dieses Jahres ins Ford Theater einlud. Die Diskussion der beiden Männer passte gut zu einer speziellen Ausstellung, die sich ‚Family Tradition: The Williams Family Legacy‘ nennt. Die Schau dauert übrigens noch bis 31. Dezember 2011.

„Wir waren beide jung und besassen viel Talent“, erinnert sich Price in seinem Tourbus nach dem Ford Theater-Anlass. „Er konnte Songs komponieren, weil er das schrieb, was Menschen empfinden. Wenn man das kann, kann man alles schreiben.
Keine Ahnung, weshalb Hank, wo immer er auftrat, Reklame für mich machte. So nahm er mich z.B. mit und stellte mich Leuten an der Grand Ole Opry vor. Er half mir generell. Ich hatte ja keine Ahnung vom Geschäft. Ich war noch jung und kam gerade vom College. Ich kriegte einen Vertrag, weil ich einem Verleger ein Stück vorsang. Und schon hielt ich einen Kontrakt in Händen, unterschrieb bei Bullet Records in Nashville. Für mich erschloss sich damit eine brandneue Welt. Und Hank Williams hat mir dazu verholfen.“

Williams nahm Price mit auf Tournee und stellte ihm sogar seine Band, The Drifting Cowboys, im Studio zur Verfügung. Gemeinsam komponierten die beiden diverse Titel, darunter „Weary Blues (From Waiting)“. Dieses Stück zeichnete Price in seinen Anfängen auf. Eine Zeit lang lebten die beiden zusammen. „Hank ging entweder zum Essen aus oder er kochte sich etwas und ass es zu Hause“, erinnert sich Price. „Ständig telefonierter er mit Audrey, seiner Frau. Er versuchte, alles wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und schaffte es einfach nicht. Sie war stur. Klar, nach seinem Tod war’s zu spät. Doch Hank war Spitze. Er war der Anführer.
Auch Price war eine Zeitlang der Rädelsführer i.S. Country Musik. So hielt er seine Freundschaft zu Hank aufrecht, trat sogar nach dessen Tod noch mit den Drifting Cowboys auf. Schliesslich nahm er zwei ehemalige Mitglieder, nämlich Don Helms, den Steel Gitarristen und Jerry Rivers, den Fiddler, in die Band, mit der er normalerweise in Erscheinung trat, die Cherokee Cowboys, auf. „Wir mochten einander,“ erklärt Price. „Wir bauten unsere Häuser gemeinsam und lebten 14 Jahre nebeneinander. Jerry gegenüber der Strasse, Don hinter mir. Wir waren Freunde – bis zum Tod.“

Als Solokünstler sicherte sich Price eine grosse Anhängerschaft mit seinem traditionellen Honky Tonk aus den 50er, 60er Jahren.
Jener Stil brachte Stücke wie „Crazy Arms“ oder „My Shoes Keep Walking Back To You“ hervor. In den 70er Jahren orientierte sich Price jedoch eher an Pop mit Titeln wie „For The Good Times“ oder „I Won’t Mention It Again“, letzeres Titel Track des CMA Albums of The Year 1971.

Wie Williams, besass auch Price ein geübtes Auge für neue Talente. So mischten bei den Cherokee Cowboys Leute wie Johnny Bush, Roger Miller, Willie Nelson oder Johnny Paycheck  mit. „Ich war mir bewusst, dass ich einen guten Musiker sofort erkenne, wenn ich ihn sehe und höre. Selbstverständlich war dies bei einem Jungen wie Willie nicht allzu schwer. Bereits nach dem ersten Song, den er komponierte, war ich mir seines Talentes bewusst. „

Doch Price ist auch heute noch fleissig. So zeichnet er immer noch auf, tourt durch die Lande und macht als Legende von sich reden. Danach gefragt, wieso Price seit langem so erfolgreich ist, brachte es Michael McCall, Schreiber/Herausgeber des Country Music Hall of Fame und Museums, auf den Punkt:
„Es liegt an seiner Stimme und an seiner Musikalität. Ray’s Stimme gehört zu den grössten Instrumenten der Country Musik Geschichte. Price ist sanfter, als die Mehrheit der Country Sänger, als ob er Oper studiert hätte. Er liebt die Pop- und Jazzsänger der 40er und 50er Jahre. Die Kontrolle, die er über seinen Gesang hat, ist spürbar. Ray versteht ein Mikrophon und wie man’s zu seinem Vorteil benutzt. Dabei ist sein Ton unglaublich reich, sein Stimmvolumen erstaunlich. Doch er setzt es subtil und nicht wie viele andere, bewusst ein. Hinzu kommt seine Phrasierung. Und die Beachtung, die er den Emotionen seiner Nummern zukommen lässt, ist echt bewundernswert. Fasst man alles zusammen, wird einem klar, weshalb Ray Price einen solch grossen Einfluss ausübt.
Dabei darf man auch Price‘ Mentor-Rolle nicht vergessen. Er mag gute Musiker und hält viel von einer guten musikalischen Zusammenarbeit“, erklärt McCall.

Noch immer wird Price vorangetrieben. Einen wichtigen Platz nimmt in seinen Plänen die Zusammenarbeit mit seinen Freunden, inkl. Willie Nelson, ein. „Ich werde mit Willie, Billy Bob Thornton, Leon Russell und Bob Dylan zusammen eine CD machen. Keine Ahnung, wie die klingen wird, aber ich bin sicher, Willie lässt es mich wissen: 10 Minuten, bevor wir mit den Aufnahmen starten.“
Auch ein Gospel-Album ist geplant. Dieses wird auf Ray‘s eigenem Label, Priceless Records, erscheinen. Ob er noch weitere Künstler unter Vertrag nimmt, kann Price nicht sagen. „Kommt drauf an, was mir über’n‘ Weg läuft. Ich bin gerne anderen behilflich, muss mich dabei aber selber in einer guten Position befinden. Läuft die Sache gut an, sprich: Läuft die Firma gut, bin ich willens, neue Talente zu fördern, sie unter Vertrag zu nehmen.“

Auch mit 83 Jahren ist Price noch bei guter Gesundheit. Er führt dies auf seine guten Gene und einen gesunden Lebensstil zurück. „Ich wuchs auf dem Lande auf – an der frischen Luft, bei gutem Essen“, sagt der Mann, der gegenwärtig in der Nähe von Dallas lebt. „Wir waren Selbstversorger, ich hatte eine gute Mutter und einen guten Vater. Meine Mutter wurde 96, mein Grossvater 98 Jahre alt. Ich stamme aus einer gesunden Familie. Ich habe gut für mich gesorgt. Wie ein paar alte Jungs sagten: ‚Hätte ich gewusst, dass ich so lange lebe, hätte ich besser auf mich geachtet. Aber nun ist es nicht mehr zu ändern. Es geht mir gut. Ich beschwere mich nicht.‘“

Mehr zu Ray Price:
www.bobbyroberts.com/artist/ray-price
www.officialraypricefanclub.com
www.countrymusichalloffame.com