|
Die Musikindustrie - ein Versuch, gespickt mit
verpassten Möglichkeiten Das Basiskonzept, Musik in eine Verpackung für die Masse zu bringen, also eine Aufnahme zu machen - ist nicht neu. Was viele nicht realisieren ist, dass die Musikindustrie nicht einmal der Innovator eines Aufnahmeprozesses war. Egal, ob wir uns das Produkt oder die Technologie vornehmen. In Wirklichkeit hat sie stets das Gegenteil getan. Immer wieder hat sie versucht, den Fluss der Technologie zu bremsen. Dabei hat sie sich selber in den Fuss getroffen, versuchte sie doch, jede Quelle, die auf aufgezeichneter Musik basiert, abzuschiessen. Mein totes Schaukelpferd war smarter als die Musikindustrie.Sehen wir uns doch zuerst die Evolution der Medien genauer an…. Der Edison Zylinder gilt als erste Form betreffend mechanische Aufnahme-Geräte. Am 18. Juli 1877, also vor 132 Jahren - ist Thomas Edison damit an die Öffentlichkeit getreten. Sein Phonograph war aber nicht für Musik vorgesehen. Er sollte Telefonnachrichten festhalten. Doch mit dem Phonographs konnte man schliesslich auch Musik aufzeichnen. Und erstmals handelt es sich weder beim Edison Zylinder, noch beim Phonograph um eine Erfindung der Musikindustrie.Trotzdem muss man RIAA Beachtung zollen, entwickelte der Betrieb doch innerhalb eines weiteren halben Jahrhunderts einen Standard für Aufzeichnungen. Aber damit begannen die eigentlichen Probleme. Weshalb? Weil die letzte Zylinderaufnahmen vor 10 Jahre entstanden. RIAA war somit mindestens eine Dekade zu spät dran.Schliesslich wurde der Zylinder von einem neuen Format abgelöst. Dieses benötigte weniger Platz, hielt länger und sorgte für einen besseren Klang. Ins Rampenlicht trat nun die 78 RPM Schallplatte. Zur Auswahl standen ausserordentlich viele Formen, Formate und Geschwindigkeiten. Dies, bevor irgendein Standard existierte. Die ersten Playback Systeme bestanden aus einem Mechanismus, der von Hand bedient werden musste, um die Platten zu starten. Wenig später baute man den Geräten elektrische Motoren ein. In Betrieb genommen wurde am Ende ein 3600 RPM Motor (60x60), der für eine 60 Hz Frequenz sorgte (ausserhalb der USA 50 Hz). Somit kann man wohl von einem Standard sprechen. Das Format schien eine gute Balance zwischen
der Länge des Inhalts und dessen Qualität zu besitzen. Trotzdem kann
keiner erklären, wieso gerade diese Geschwindigkeit ausgesucht wurde.
Die neue, flache Scheibe benötigte bedeutend weniger Platz als ihr
Vorläufer, der Zylinder. Und die Schallplatte sollte noch lange ein
Standard bleiben. Später kaufte die Radio Corporation of America (RCA) eine Firma die sich mit Ausstrahlungen befasste, die Victor Talking Machine Company (1929). Dem Betrieb gefiel die Idee, Musik zum Vertrieb an diverse Radiostationen aufzuzeichnen. Und nun hatte sie die Gelegenheit beim Schopf gefasst. Ganz anders die Musikindustrie. Erneut hatte sie sich an den Versuchen, Musik aufzunehmen, nicht beteiligt. Obwohl es an dieser Stelle eigentlich um die Wiedergeburt der Musikindustrie ging, wie wir heute wissen. Offene Bänder (Reel to Reel) Aufnahme-Rekorder entwickelten sich aus den einstigen Elektrokabelrekordern heraus. Die Geschichte besagt, dass Oberlin Smith sich für die Aufnahme von Telefon-Signalen interessierte. Ergo erfand er ein System, das ein Kabel magnetisierte. Später, d.h. 10 Jahre danach, entwickelte Valdemar Poulsen diese Idee. Poulsen's "Telegraphon" ähnelte den Telefonanrufbeantwortern der Neuzeit. Nur, dass anstelle der Musik das Telefon das Thema war. Das Magnetophon, so nannte es sich, war das
erste Aufnahme-System, das ein Band anstelle eines Kabels benutzte.
Entwickelt wurde der Apparat von einer Deutschen Firma, der Allgemeinen
Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG). Das erste Modell, das in Betrieb
genommen wurde, hiess "K1". Das Gerät bot jedoch schlechte Qualität und
übermässige Deformation. Die Maschine sollte im zweiten Weltkrieg
Radiosendungen aufzeichnen, weshalb sie lange geheim gehalten wurde.
Erst nach Kriegsende kam man auf die Idee, das Gerät für Aufzeichnungen
von Musik einzusetzen. Später wurde Reel-to-Reel bei Musikenthusiasten populär. Selbst anfangs 70er Jahre konnte man noch Bänder für Open Reel kaufen. Ich selber besitze ein paar, inkl. Three Dog Night's Live at the Forum u.v.m. Die meisten Bänder hat Ampex veröffentlicht. Sobald sich die Band-Systeme verbesserten, mauserten sie sich zum beliebtesten Aufnahme-Medium. Man besass zu Hause Aufnahme-Systeme. Sears Silvertone, Ampex, Teac, Akai, Roberts, Revox etc. brachten verschiedene Produkte auf den Markt. Stereo und 4-Tracks wurden überall verkauft. Das Band- Format nahm mittlerweile verschiedene Formen an. Da gab es 8-Spuren-, , mehrfache Spurenbänder oder Kassetten, usw. Ihnen allen diente das Open Reel-System als Grundlage. Kassetten waren kleiner, Multi-Tracks grösser und 8-Tracks besassen keine Spulen. Phillips arbeitete jahrelang an Medien Entwicklungen, befasste sich aber nicht mit dem Musikgeschäft. Die Firma gilt als Erfinder der Kassetten, die viele Jahre lang überlebten. Und die Musikindustrie erblickte einen Goldesel, den es zu melken galt. Zuhause erstellten Menschen inzwischen Plattenkopien und noch schlimmer: Sie spielten die Musik in ihren Autos oder über Walkmen ab. Und bezahlten nichts dafür. Manche schenkten Freunden gar Kopien. Dem musste Einhalt geboten werden! Nichtsdestoweniger kam die Aufnahme-Industrie zu spät, das Geld war schlichtweg zu knapp. Jedoch: Ist die Katze erst einmal aus dem Sack, kriegt man sie da nicht wieder 'rein. Versucht man sie mit Hilfe eines Stinktiers wieder zurückzutreiben, hat das böse Folgen. Die Bänder-Welt konnte man nicht mehr stoppen. Es war zu spät.LP/EP Vinyl Schallplatten wurden von der RCA Victor Company erfunden. Man stand im ständigen Wettbewerb zur Edison Company, selbst General Electric ging ins Rennen. Die richtige Idee. Doch zur falschen Zeit. Die grosse Depression war über die Welt hereingebrochen - 1930 kreiirte man die 33 1/3 Scheibe, ein Jahr später wurde sie dem Markt präsentiert. Doch keiner konnte sie kaufen. Die ursprüngliche Qualität war mies, basierte sie doch auf derselben Technologie wie die 78er. Erst als eine Neue auftauchte, nämlich Microgroove, hob die Musik ab. War's etwa diesmal die Musikindustrie, die damit winkte? Weit gefehlt.Die LP Technologie, audiophiles Equipment sowie Aufnahme-Equipment - alles wurde mit zunehmender Qualität besser. Ergo kam es anfangs der 70er Jahre zur ersten musikalischen Revolution. Leute investierten viel Geld in Equipment und in Musik. Manche kauften ein paar Alben pro Woche. Internationale Märkte öffneten vor Ort. Es gab unheimlich viel Musik zu hören und ebenso viele Geräte, sie abzuspielen. Weit mehr, als das menschliche Gehör fassen konnte. Und das Beste daran war: Man konnte ein Album kaufen, kopieren und schliesslich auf Band immer wieder hören - ohne Wechsel der Platte. Man konnte abmischen und vermischen und die Qualität war beinahe so gut, wie auf LP. Dann kam Dolby des Wegs, verbesserte die Bänder und verminderte die Aufnahme-Geräusche. Die LP war König und deren Lebensdauer endlos. Es galt, die Schallplatte auf Band aufzeichnen, um sie zu schonen. Aufnahmealben galten als 'hip'. Die Menschheit liess sich nicht davon abhalten. Obschon sich die Musikindustrie daran versuchte. Sie biss sich die Zähne aus. Also war die Musik noch immer König. Und die Leute kauften sie gleich tonnenweise.Die LaserDisc war ein Video-Format, das mit den VHS und Beta Bändern einherging. Bei der LaserDisc handelt es sich um ein ungewöhnliches Format, das digital und analog in einem einzigen Medium vereint. Ursprünglich wurde die LaserDisc für den Video Gebrauch entwickelt. Sie sollte die Konkurrenz der VHS werden. Doch in den USA kam die LaserDisc nie an. Trotzdem handelt es sich hier um die Pionier-Technologie für die spätere CD oder Compact Disc.Compact Disc war der Meilenstein, welcher die Musik für die Öffentlichkeit von der analogen Domäne in die digitale brachte. Die Compact Disc erfand einst Sony. Allerding für den Computergebrauch. Der Kunde sollte damit digitale Daten aufzeichnen können. Computer-Freaks kapierten schnell, dass sich damit auch Musik aufzeichnen liess, nicht nur Daten. Und die Musikindustrie sah darin eine unerwartete Möglichkeit. Also wurde die Scheibe im Schnellverfahren adoptiert. Man beachte: Erneut hat die Musikindustrie die CD nicht erfunden. Erfinder war Philips. Jener Betrieb pionierte die Musik-CD als Format - ein paar Jahre, nachdem Sony die Technologie vorgestellt hatte. Wie gesagt: Musik-Aufnahme-Firmen und Plattenlabels nahmen sich der CD schnell an. Ihrer Ansicht nach war das Format nicht nur besser. Es sollte auch entsprechenden Gewinn einfahren. Viele Kunden, die bereits die LP besassen, kauften eventuell später auch die CD. Die Musikindustrie versuchte schnell, Heimaufzeichnungen von CD's zu unterbinden. Und einmal mehr handelte es sich um einen Versuch, die Technologie aufzuhalten. Damit hat sich das Geschäft bereits in der Vergangenheit ein Bein gestellt. Und es musste einfach wieder schief gehen. Anstatt über die Technologie froh zu sein und sie in Geld zu verwandeln, wollte man sie stoppen. So was hat noch nie geklappt - in der ganzen Menschheitsgeschichte nicht. Billige Rekorder, sogar digitale Audio-Kassettengeräte (DAT) kamen auf den Markt und erweiterten das Angebot an Formaten für jedermann. CD-Wechsler gab es ebenfalls. Die Möglichkeit, einen CD-Spieler zu progammieren und dieses Programm aufzuzeichnen war einfacher, als bei einem Wecker die Uhr zu richten. Und jeder machte es. Jeder erstellte Kopien für's Auto und die Freunde.An dieser Stelle erblindete die Industrie. 8-Tracks wie auch Kassetten machten deutlich, dass Konsumenten ein Musikformat im Auto abspielen wollten. Sie wollten es mittragen. Es sollte klein und von hoher Qualität sein. Die CD erfüllte alle diese Wünsche. Die digitale Revolution war in Gang - und keiner bemerkte es.Bereits spielte man Musik in Digitally Distributed Formaten ab. Man teilte sie mit anderen, kopierte sie, und hielt sie digital in anderen Formaten fest. Und zwar nicht nur in irgend einem geheimen Hinterzimmer. Man tat es überall. Zu Hause, in Geschäftssystemen. Der Xerox Star spielte anfangs der 80er Jahre Pink Floyd. PCs spielten einfach alles. Sun 3/60 Workstationen bauten sogar Audio ein, genau wie MacIntosh und weitere Computer-Vorrichtungen. Musik digital kopieren und sie mit anderen teilen, ist nicht neu. Bereits vor 35 Jahren gab's digitale Musik. Ich hörte und machte meine ersten digitalen Aufzeichnungen vor 30 Jahren.Seit nunmehr 20 Jahren kocht der digitale Topf. Mehr noch: Er wurde beliebt. Eine ganze Generation wuchs damit auf, bevor die Musikindustrie sagte: "Hey! Moment mal - was geht hier ab?"Die Musikindustrie ist zwar von den aufgenommenen Medien abhängig doch, weit mehr als das, sie verlangt auch nach einem Vertriebsnetz, damit jeder Zugriff auf Medien hat, der eine Kopie wünscht. Jeder Musikladen des Landes, ja der Welt, muss Medien haben. Ohne Verteiler-Kanal könnte die Musikindustrie nicht überleben. Vertrieb ist so wichtig, wie ein Aufnahme-Studio. In Anbetracht digitaler Musik stellte man sich anfänglich viele Varianten vor, wie Daten mit anderen geteilt werden könnten. Z.B. per einfachem FTP des persönlichen oder des Gruppen-Servers. UseNet News waren verpackte Dateien im ASCII Textformat. Dann gab es E-mail Beilagen. Und schliesslich wurde ein Konzept namens Peer to Peer, kurz: P2P geboren. Bit Torrents machte Gebrauch von P2P. Untergrund Netzwerke wuchsen aus dem Boden. In 20 Jahren wurde das Teilen zwischen Einzelnen zum Teilen zwischen einer ganzen Generation. Sie wuchs damit auf. Sie kannte keine alten Plattenläden. Sie wusste nur, dass man Musik "im Netz" findet und da noch "gratis".Als die Aufnahme-Industrie schliesslich die Augen öffnete und bemerkte, was abging, war's zu spät. Einmal mehr zu spät. Sie verpasste es, aus dem Vertrieb Geld herauszuschlagen genauso, wie aus den Aufnahmen, die alle zu Hause machten. So unwahrscheinlich das klingt: Die Musik feuerte auf sich selbst, als wollte sie geradezu Selbstmord begehen. Es ist schwer zu verstehen, dass jemand immer wieder denselben Fehler begeht und dass dieselben Dinge immer wieder passieren. Unglaublich.Also lud die Menschheit ungehindert herunter. Und die Musikindustrie versuchte wieder, alle zu stoppen. Dabei hätte sie nach der Ursache für das Erdbeben suchen müssen. Denn: Jeder, der digitale Downloads legal zu kaufen versuchte, wurde von der Musikindustrie abgelehnt. Man verklagte jeden, der auch nur versuchte, etwas aufzunehmen. Die einzige Allee, die dem Konsumenten zugänglich blieb, war jene des illegalen und freien Marktes, von dem die Musikindustrie nicht profitierte. So verlor sie Billionen, wenn nicht Trillionen von Dollars. Während dessen wuchs die Technik immer weiter.Und: Es war nicht mal die Musikindustrie, die das Spiel kapierte. Es war Apple Computers - eine Computer Firma - die schliesslich herausfand, wie man aus dem Netz Geld machen kann. Und erneut erledigten jene, die von der Musikindustrie bezahlt werden, ihre Jobs nicht. Steve Jobs ging eindeutig als Gewinner hervor. Seine iTunes, iPods, iPhones und iBooks brachten den Wechsel in der digitalen Revolution. Und wieder versuchte die Musikindustrie, den Mann zum Schweigen zu bringen: Sie erhöhte die Preise massiv und wurde gieriger.Mobile Musik und Ringtöne sind eine weitere
breite Strasse, die Interessierten neu winkte. Und - welch Wunder -
erneut handelt es sich um keine Innovation der Musikindustrie. Das
Einzige, was diese unternahm, war Hindernisse aufzustellen. Das Problem liegt tatsächlich darin, dass KEINE der Technologien durch die Musikindustrie erfunden wurde. In beinahe jedem Fall versuchte sie sogar, jenen Einhalt zu gebieten. Mit wenig Erfolg, wie wir gesehen haben. Die Industrie liess lieber Billionen in ihre Gier fliessen. Wann immer ein Modell auftauchte, das Einträge versprach, lehnte man vorderhand ab - bis man eine Chance sah, noch mehr 'rauszuholen. Heute leben wir im digitalen Zeitalter. Neue
Formate kommen auf. Und wo stehen wir? Da fragt man sich doch, wo die Musikindustrie
sein würde, hätte man ja zur Lizensierung an Napster und Grokster
gesagt. Die Landkarte sähe sicherlich anders aus, hätte man P2P als
Verteilernetz adoptiert und Kohle damit gemacht. Wird daraus eine Lehre gezogen? Man weiss nie. Die Zeit läuft davon. Wird sie die Industrie neue Technologien weiterhin bekämpfen oder daraus am Ende Vorteile ziehen?Eines ist sicher: Das heutige Musikgeschäft
kanN nicht mehr von der Vergangenheit zehren. Es wird entweder eine
Einsicht haben, oder aber aussterben. Tja. Genau wie die armen
Dinosaurier, könnte auch die Musikindustrie bald vom Aussterben bedroht
sein. Die Musik wird jedenfalls weiterbestehen - mit ihr oder ohne sie. |
| News: Daily News Berichte Informatives: Musicfocus Interviews Record News Biografien American Cooking Australien Country Songstory Übersetzungen Billboards Linedance Kooperationen Sareiter Reisen ZYX Records Übersichten: Country Radio Saloon Bands Clubverzeichnis Magazine Links Events Termine Interaktiv: Gästebuch Gewinnspiele Forum Kleinanzeigen Suchen im CH Online Eingaben Internes: Impressum Wir über uns |