Nashville Skyline:

Der Status der Country Musik:
Wird sie zur Hölle gehen?
Oder ist die Zeit für Handschriftliches gekommen?
Oder muss man auf Cowboy machen?

9. April 2009, geschrieben von Chet Flippo (guter Freund des Kinksters)


Wir bewegen uns unweigerlich auf 2 separate und eventuell grundverschiedene Country Musik Gemeinschaften zu. Und ich spreche hier nicht über Traditionalisten gegen Modernisten oder dem Americana gegen das Mainstream Country Radio. Ich lasse mich an dieser Stelle über die totale, radikale, grundsätzliche Trennung aus.

In diesem Szenario machen Leute ein Segment, die zumindest ein wenig Country Musik Kenntnisse besitzen und den Stil nach Qualität absuchen. Nach etwas also, das sie von jeher zur Country Musik hinzog. Dieser Gruppe gehören
George Jones und George Strait Fans genauso wie NASCAR Angefressene und das „es-ist- 17.00 Uhr, -also-gibt’s-irgendwo-Bier-und-Margarita-Volk an. Das, was sich selber abtrennte, war früher der ernsthafte Split zwischen den Traditionellen und allen Anderen. Aber neuerdings vereinigen sich alle im Kampf gegen die Neuen Anderen.
Die andere Splitterpartei besteht nun aus teenagerartige Twitter-ADHD-kurzlebige Aufmerksamkeit-gewährende-Fans, die ihr Interesse schnell einem neuen Star, kurze Zeit später einem anderen schenken. Egal, ob es sich dabei um „Country" oder was immer handelt. Jene unbeständigen Fans konnte man lange im Poppublikum finden. Im Countryfeld ist dieses Phänomen relativ neu. Dabei handelt es sich um keine Mehrheit, wohlverstanden. Doch es werden immer mehr. Unter ihrer Schirmherrschaft wird die Countrymusik zu einem Beliebtheitswettbewerb. Und nicht zu einem anhaltenden Beliebtheitswettbewerb, wohlverstanden. Einem mit der Lebenserwartung eines Schmetterlings.

Und nun vermutet mal schön, welche Gruppe die grösste kommerzielle Wirkung hat. Und diese wird, unter’m Strich, über die Zukunft der Country Musik entscheiden.

Die Fanabstimmungen Online wie auch an Award Shows zeigen bereits Auswirkungen dieser grossen Spaltung.
Als Resultat verschwindet die Musik selber. Ich möchte nicht über die ACM Awards Show urteilen, doch die Reaktionen der Fans Online über die Resultate der Show zeigen mir, dass es schnell abwärts geht.
Schaut man sich im Web um, finden sich fanatische
Colt Ford Fans in dieser Ecke. Julianne Hough’s Fussvolk versammelt sich dort, die Taylor Swift Armee überrollt sie alle und Carrie Underwood's feurige Anbeter marschieren mutig voran, während Kenny Chesney Loyale sich an allen Kritiken stören, etc. etc……Und alle verteidigen ihr Feld.
Das gab’s zwar schon einmal, bei den Fanklubs, doch nicht in dieser Bandweite – möglich gemacht durch das Internet.

Bedeutend ist, dass sich dadurch entscheidet, welcher Markt für den Verkauf der Musik in separaten und undefinierbaren Nischen übrigbleibt. In der Vergangenheit sind die unterschiedlichen Länder und deren unterschiedliches Publikum stets untereinander verbunden geblieben sprich: Freundlich miteinander umgegangen. Ich glaube nicht, dass dies in Zukunft so bleiben wird.

Schauen wir uns doch an, was dies für die CD-kaufende Country Gemeinschaft bedeutet. Neuste Statistiken weisen zurückgehende Zahlen aus. Doch zeigt sich dies in den Charts? Der diese Woche veröffentlichte SoundScan Report zeigt, dass keine CD, die 2009 erschienen ist, bis dato Platinum verkaufte. Und zwar weder im Country, noch im Popbereich. Null. Keine.

Und die wöchentlichen CD Verkaufszahlen schwinden auf beängstigende Weise. Von den 75 Alben, welche die Top Country Album Charts diese Woche belegten, haben lediglich 8 Platinum Status erreichen können – und ein paar davon bewegen sich bereits über ein Jahr in den Charts.

Keith Urban's neue CD, Defying Gravity, konnte sich in der ersten Woche gerade mal 171‘000 Mal absetzen – an traditionellen Standards gemessen, schon nicht gut genug, doch gut genug für die Billboard 200 Chart bzw. gut genug, Prince's Neuveröffentlichung zu schlagen. Und weit wichtiger: Urban’s Veröffentlichung verkaufte sich digital 37‘000 Mal. Ein deutlicher Beweis für die vorgenannte Spaltung.

Teil des unsicheren Resultats hinsichtlich Musik Markt ist sicher jedermann’s Ermutigung, als Musikkritiker und Scout von Musiktrends gleichzeitig zu fungieren. Man muss sich nur einmal im Web umsehen. Dort findet man mehr, als man möchte, geht es um augenblickliche Experten, die sich darüber auslassen, wie wichtig Taylor Swift,
Kid Rock oder Miley Cyrus die Zukunft der Zivilisation sind. Und darüber hinaus.

Selbst Newsweek. Um Himmels Willen, Newsweek! Newsweek hat Online einen Artikel bereitgestellt, der sich "Murder on Music Row: Taylor Swift?
Songs About Cute Little Kids? What Has Happened to Country?!" nennt.
Blödsinn. Es gab schon immer Songs über süsse Kleinkinder. Oder süsse Hunde. Die Songs, die vor ein paar Jahren aufkamen, waren weit schlimmer und selbst diese hat die Country Musik überlebt. Da haben wir’s mit der Arbeit eines Newsweek Schreiberlings zu tun, der eindeutig nichts von Country Musik versteht. Das schnallt man ziemlich schnell.

Im Newsweek schliesst den Report mit dem Satz, dass wir ‚in einem fremden, von Ausserirdischen bevölkerten Land leben. Dort, wo an Award Shows Pop-Musik Teen-Boppers und Songs ausgezeichnet werden. Darunter Stücke, die in der Country Musik auch bei zugedrücktem Auge nichts verloren haben.‘
Selbstverständlich ist es ein leichtes, neue Country Songs zu verurteilen. Ich selber finde ein paar absurd und schal. Aber das ist nichts Neues. Und eine pauchale Verurteilung der jungen Acts macht keinen Sinn.

Junge Künstler reflektieren ein breites jüngeres, ein neues Segment des Country Publikums. Vor Taylor Swift gab es kein Publikum im Teenage Girl Alter. Und Swift kann man käumlich einen "pop-music teeny-bopper" nennen. Sie ist eine der kleversten, talentiertesten Sängerinnen/Songwriterinnen, die’s je in der Country Musik gab.

Und selbst wenn man die ACM Awards Show bemängeln kann, gab es doch hie und da Genies, von Herzen kommende Country Musik, z.B. jene von
Jamey Johnson und Lee Ann Womack oder Trace Adkins. Kaum genug, doch……… was kann man von Award Shows anderes erwarten? Sie sind von Natur aus nachlässig gestaltete Versuche, möglichst viele Leute anzuziehen. Was klappen kann.

In der Geschichte der Country Musik gab es schon immer Stimmen, die sich darüber ausliessen, dass etwas nicht mehr Country sei, dass die jüngere Generation alles ruiniere – zumindest für echte Country Fans. Denkste. Country Musik hat sich stets verändert. Auch jetzt. Und sie wird sich immer wieder ändern. Wird sie aber das sein, was wir uns von der Zukunft versprechen? Wahrscheinlich nicht. Ist es aber vor 10 Jahren nicht schlimmer gewesen? Ja doch. Wird sie je besser werden? Wer weiss. Eine einzige Person kann die Musik verändern und man kann im Voraus nicht wissen, wer diese Person sein wird.

Ich wurde einst von
Johnny Cash im Nashville Newspaper für meinen Bericht über die Outlaw Bewegung der Country Musik angegriffen. Damals war Cash’s Karriere eingeschlafen. Kurz danach stiess er selber zur Outlaw Bewegung und konnte seine nachfolgende Karriere vom Stapel lassen. Später entschuldigte sich Cash zwar bei mir und wir blieben Freunde, doch ich kann anhand dieses Ereignisses aus eigener Erfahrung beweisen, wie man sich selber in eine Meinung verbeissen kann.
Die Traditionalisten der 40er Jahre mochten die 50er Jahre Interpreten nicht, die ihre einstige Tradition immer wieder ruinierten. Dann schlossen sich plötzlich alle zusammen, um dem Pop-Sound Nashville’s zu trotzen. Und deren Praktizierenden rebellierten gegen das, was hierauf folgte. Etc., etc. Die Musik wird immer, immer wieder auf’s Neue verdammt und doch schafft es die Country Musik, zu überleben. Solange das Publikum sie will. Und was, wenn das Publikum Twitter Musik vorzieht? Nun – dann, liebe Leute, muss ich Euch daran erinnern, dass das Publikum immer jene Musik kriegt, die es verdient.

 
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