Zeno tornado & The Boney Google Brothers Helsinki Klub Zürich, Schweiz,

23. Maerz 2007, 21.30 uhr

Vorstehend Kurz-Infos zur Band.

Mitglieder:

Zeno Tornado: Sänger, Songwriter und Gitarre.

Satch Google: Banjo, Mandoline, Lapsteel- und Slidegitarre, Begleitgesang.

Manic Google: Fiddle, Begleitgesang, Gitarre.

Magot Google: Bassgeige, Stompboard, Begleitgesang.

Nennt sich Bluegrass Band. Die "uptown-trash-stance" spielt = halsbrecherisches Tempo, wann immer die Menge tanzt und tobt.

Geben in der Tat Bluegrass-Klassiker wie "Orange Blossom Special" oder "Little Maggie" auf ureigene Weise zum Besten - so komisch, dass man zwar glaubt, das Stück zwar zu kennen, aber nicht mal im Entferntesten drauf kommt, wie es heisst.

Tipp der Band: Pack deine Beine, spitz deine Ohren, der Teufel steckt im Detail

Unter diesen Voraussetzungen machten wir uns also, mutig wie wir sind, auf den Weg - nach einem arbeitsreichen Tag, versteht sich. Ergo waren wir nicht sehr angetan von dem späten Konzertbeginn (21.30 Uhr verkündete das Programm). Auch die Lage des Helsinki Klubs begeisterte wenig. Er liegt nämlich mitten im Hip-Hop/Trip Hop/Rap/Kino-Zentrum von Zürich, in der Nähe des Maag-Areals. Aber gerade dort hatte ich gute Erfahrungen mit Chris Rea's Show gemacht - also, nichts wie hin. Und nochmals schnell in die Web-Site der Boney Google Brothers (man beachte den kreativen Namen) 'reinhören, ob die Band in der Tat gefällt wenn ja - ab die Post!

Der Helsinki Klub kommt dem Station Inn von Nashville gleich - nur ist er etwa halb so gross. Und hat nette Besitzer, die gleich auf die Hausband aufmerksam machen.

Der Klub kommt einem Bunker gleich. Klein, mit untapezierten Wänden, an denen allerdings originelle Poster glänzen, z. B. eines der Bluegrass Boogiemen aus Holland. Der Klub selber liegt in einem umzäunten Parkplatz. Die Chance, ihn zu finden, ist klein, merkt man sich nicht (nach unzähligen Irrwegen lernt man das) die Adresse. Etwas zögernd betreten wir das Gelände - durch die Pforte, die halboffen steht. Von einem Namensschild keine Spur.

Gut, läuft uns da ein Cowboy über'n Weg! Dank ihm finden wir den Eingang in den kleinen Schuppen. Und fühlen uns gleich fehl am Platz, wird doch eine Geburtstags-Party einer 25-jährigen Kultur-Management Studentin gefeiert. Mit Hula-Tanzeinlagen, Gedichten, einer amüsanten Geschichte aus dem Kultur-Management-Leben und Gesang.

Dessen ungeachtet ist die Auswahl der Getränke interessant (kein Kaffee, wie befürchtet und - weitaus schlimmer - KEIN Cola light und schon gar kein Cola Zero!). Ich wusste bis dato nicht, dass ein Bier namens Weisser Hase existiert (Weissbier) oder ein Getränk namens Büffelgras irgendwas.... Tja, selbst in einer Bar lernt ein alter Hase wie ich noch 'was. A pro pos. Fehl am Platze: An einer solchen Party blickt man unweigerlich auf seinen eigenen 25. Geburtstag zurück. Und das muss ja nicht zwangsläufig angenehm sein, oder? Zumal, wenn der nicht gefeiert wurde. Und schon gar nicht mit einer Band wie Zeno Tornado & The Boney Google Brothers. Da kommt Neid auf.

Tja. Also warten. Und hoffen. Dass nicht alles noch auf "geschlossene Gesellschaft 'rausläuft". Oder darauf, dass was Besseres kommt. Inzwischen die Leute beobachten, die Vielfältigen. Da gibt's Psychos (eine irre Form von Rockabilly), Teddies (wenige, aber sie sind präsent), einen Cowboy (der - wie sich rausstellen wird, zur Band gehört), Alternative, Discohüpfer (okay, heute wohl eher Rapper oder Hip Hopper, etc.), Rocker und Neutrale. Bis 21.30 Uhr sind's um die Hundert, soviel, wie der Raum halt fasst. Anfangs waren's zwischen 20 und 30.

Die Band scheinen nicht viele zu kennen. Trotzdem sprechen die Jungs mit den Leuten, gehen auf sie ein. Sie wollen und werden eine bleibende Erinnerung hinterlassen, wozu also nicht vor Ort gleich eine Fangemeinde aufbauen?

Kurz vor Beginn üben sie vor sich hin, wobei das auffällige Line-Up erkennbar wird. Da gibt's einen Mandolinen-/Banjospieler, der aussieht wie ein Goldgräber (mit Zylinder), einen Hippie am Bass (mit Zylinder, wohl gemerkt), einen neutralen Mann an der wahnwitzigen Fiddle, einen Südländer-Typen am Schlagzeug und einen Cowboy als Sänger. Fazit: Das kann ja spannend werden.

Die Instrumentierung - mit Ausnahme des Schlagzeugs - sieht ganz nach Bluegrass aus, das ist klar. Wundern tut mich die Gitarre. Von einer "Crafter" hab' ich noch nie was gehört. Aber soll's geben. (Anmerkung der Autorin: Hab' mich schlau gemacht. Sind koreanische Klampfen). Ein schwarzes Instrument, Ovation ähnlich, nur kleiner.

Ein wenig nach 21.30 Uhr betritt die Band geschlossen die Bühne. Ein erfreuliches Bild, bunt vor allem. Trotzdem wirken die Musiker kompetent. Jeder scheint ein Teil des Ganzen zu sein. Ein wichtiges Stück, unersetzbar und nicht wegzudenken. Ein Bild aus vergangenen Tagen. Und so klingen sie denn auch. Nicht ganz, aber ein bisschen. Trotzdem scheint mir der Ausdruck "Bluegrass" in Zusammenhang mit Zeno Tornado etwas gewagt zu sein.

Das einzig langsame, getragene und todtraurige Stück, das die Band von sich gibt, ist zwar dieser Kategorie zuzuordnen, aber alles andere klingt schlichtweg nach Skiffle und Shuffle, nach Polka mit einer Prise Pogo (dadurch sind die Psychobillies hinreichend erklärt).

Dabei tut sich nicht nur die Fiddle, sondern auch das Schlagzeug hervor (da kann wer mit Sticks spielen, ohne das Snare Drum zusammenzuschlagen!), die Mandoline (die auch mal Rock'n'Roll bringt) und die gekonnt geblasene Mundharmonika (selten genug!).

Der Sound kommt von Anfang an dumpf, wenn auch angenehm 'rüber. Die Worte sind deshalb nur schwer zu verstehen. Schade. Nach ein paar Stücken gibt der Sänger Anweisungen ans PA und der Klang verbessert sich. Zylinder ab!

Je später der Abend, desto ausgelassener scheint Zeno zu werden. Gesanglich wird er immer schräger, ohne falsch zu klingen. Anders kann ich den Stil nicht umschreiben, den man einfach gehört haben muss. Selbst meiner Begleitung, einem eingefleischten Rockabilly, gefallen die Musiker. Und als sie in einen Hauch von Rockabilly verfallen, erst recht. Die Stimmung im Saal ist von Anbeginn an locker. Die Gesichter sind glücklich, es wird geklatscht, mitgesungen, die Menge bewegt sich. Die Musik kommt an. An dieser Stelle mal: Hut ab (oder Zylinder) vor der Jugend, die gar nicht so verbohrt und oberflächlich ist, wie man ihr nachsagt. Es braucht viel Toleranz, vielleicht einfach bloss den Willen zur Party, zum Spass, um einer doch etwas abseits stehenden Musikform Zugang zu gewähren und sich daran zu erfreuen.

Andererseits denke ich, muss man Bands wie Zeno Tornado dankbar sein. Sie bringen eine Musikart, die tausendmal todgesagt wurde, in Grossstädte wie Zürich. Und sie bringen sie gut! Mehr als gut sogar. Und die Menge weiss das. Ansonsten hätte sie keinen solchen Spass, oder?

Zwar haben die Zuschauer nach Beendigung des ersten Sets (ca. 45 Min.) meines Erachtens nur eine entfernte Ahnung davon, was Bluegrass sein könnte, aber sie wurden meisterhaft i.S. Skliffle aufgeklärt. Bandmässig sind Zeno & seine Boney Google Brothers mit der leider nicht mehr existierenden UK-Gruppe Lash Lariat & The Long Riders gleichzusetzen. Und das will was besagen.

Nach der ersten Pause konnten wir gerade noch ein Stück geniessen, dann hiess es heimwärts, Richtung öffentlicher Verkehrsmittel. Der Tag war lang, das Gedränge im kleinen Raum unangenehm. Aber es hat sich gelohnt. Was wir gesehen haben, war eine originelle Band, die sich kreativ und meisterhaft in ihrer eigenen Welt bewegt.

Motto: Einmal Zeno Tornado & The Boney Google Brothers - immer Zeno Tornado & The Boney Google Brothers.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Band Zürich wieder einmal mit einem Besuch beehrt. Und die Show dann früher beginnt.

 
 
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