Station Inn - in Nashville die Bühne für Bluegrass Wer wirklich vorhat, Bluegrass zu hören, dem steht dafür in Nashville ein
ungewöhnliches Gebäude zur Verfügung. "Ich sage immer, das Station Inn sei wie einst die alten Kaffee-Häuser - ein Raum für Zuhörer. Das ist es, genau genommen," sagt der Besitzer J.T. Gray. "Es ist ein Kneipe, ein Klub, wie immer man's beschreiben möchte. Aber eigentlich handelt es sich um einen Raum für Zuhörer. Die Leute kommen hierher, bezahlen ihren Eintritt. Aber alles, was sie wollen, ist die Musik hören." Die ersten zaghaften Schritte machte das Station Inn 1974. Damals beschlossen 6 Picker, dass Nashville einen Platz brauchte, wo man 'jammen' kann. "In der Stadt gab es zwar bereits Bluegrass Klubs, doch alle besassen eine Hausband, die fest angestellt war", erklärt Gray. "All diese Jungs und Mädchen wollten aber einen Platz, wo es zwar ebenfalls eine so genannte Hausband gab, aber auch eine offene Türe für neue Picker, denen der Sinn nach Auftritten stand." 1978 zog der Klub vom West End an seinen heutigen Standplatz. Dieser befindet sich an der anderen Seite der Stadt. 1981 kaufte Gray den Schuppen (obschon von einem Gründer die Asche in der Nähe des Bühnenteppichs begraben ist). Ein Jahr später begann Gray zu-sammen mit Lance Leroi für eine Show der Bluegrass Cardinals zu weben. Es lohnte sich. Das Haus war voll. Der Erfolg machte sich breit. Konzerte von den Johnson Mountain Boys, Peter Rowan, Ralph Stanley und den Whites wurden angesetzt. Bill Monroe gesellte sich gewöhnlich ebenfalls zur Band, egal, um wen e sich handelte. "Als Kind hörte ich von dem Ort. Ich weiss noch, als ich zum ersten Mal hinging. Es war an einem Sonnabend", beteuert Alison Krauss. "Ich war 13 Jahre alt. In jener Nacht waren alle Stars da. Ich kann nicht mehr sagen, wie oft wir dort als Band auftraten, aber es war immer etwas Besonderes, wenn wir dort spielen durften." Stars wie Mel Gibson und U2 sind schon da gwesen. Ebenso Sheryl Crow, Robert Duvall, William Shatner und der U.S. Secret Service (mit Tochter Amy Carter). Randy Travis feierte hier sein Goldalbum Storms of Life. Dolly Parton überraschte vor Kurzem die Gäste, als sie die Bühne mit Nickel Creek's Chris Thile betrat. Gewöhnlich gesellt sich Vince Gill zu den Time Jumpers - am Montagabend. Reba McEntire sang hier "Faded Love" und "San Antonio Rose" mit ihrer Band im letzten Jahr. "Die Leute wissen, dass sie eine gute Zeit haben werden," sagt Lin Barber, die seit 25 Jahren im Klub tätig ist. "Wenn die Kuhglocke geschlagen wird, weiss man, dass jemand seinen Job ganz besonders gut erledigte." Dierks Bentley bezeichnet den Klubs als seine Lieblingsbar in Nashville. "The Station Inn, repräsentiert für mich alles, was die Musik Gutes zu bieten hat" meint er. "Ohne das Station Inn gäb's mich nicht. Das ist mir bewusst. Ich zog in die Stadt, wurde von der Country Musik entmutigt, die echt homogen klang. Als 19-jähriger Teenager ging mir das Interesse daran ab. Und nichts konnte jenes zurückbringen. Als ich aber hier eintraf, entdeckte ich glücklicherweise das Station Inn. Ich lief hier rein und fand Jungs und Mädchen in meinem Alter, die Banjo und Mandoline spielten. Und gute Harmonien brachten. Sie waren bodenständig und freundlich, unterstützten mich. " Der Klub brachte junge Talente wie Old Crow Medicine Show, the Infamous Stringdusters und Alecia Nugent hervor. Gillian Welch und David Rawlings haben ein reguläres Publikum vor Ort. Wann immer sie dort auftreten, füllt sich der Saal Stunden vor Konzertbeginn. (Es gibt keine Tickets im Vorverkauf). "In der Bluegrassmusik sterben viele Altstars. Jemand muss ihren Platz einnehmen", meint Gray. "Ich weiss, dass es nie mehr Musik wie diejenigen der geschichtsträchtigen Bands und Brüderakte geben wird, aber die Jungen versuchen sich daran. Sie lernen und bewegen sich vorwärts. Ein paar von ihnen wissen nichts von der Geschichte. Aber wenn sie das lernen, was der heutige Bluegrassmarkt offeriert, wundern sie sich eines Tages, woher das alles kommen mag. Also suchen sie nach den Wurzeln." Ann Soyars, welche die Talente neben Barber anheuert, ergänzt: "Es gibt keine Altersgren-ze. Eventuell habe ich sogar an einem 21-jährigen Künstler mehr Spass, als mit einem in meinem Alter." In den letzten 5, 6 Jahren hat sich die Nachbarschaft des Station Inn drastisch verändert. Sie ist industriell geworden. Luxuriöse Condos gibt's in jeder freien Ecke. Ein Sushi Restaurant, eine super-trendige Bar und ein Warenhaus-ähnlicher Rockklub liegen nebenan. Alles steht in scharfem Kontrast zum Station Inn. "Wir waren einst die einzigen hier. So ist es nicht mehr", meint Gray. "Ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich mir keine Sorgen machen. Doch ich hoffe, das Station Inn überlebt." |
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