Rockin' 50's Fest III   GREEN BAY, Wisconsin  16.-20. Mai 2007 

Anreise
Um 05.40 h morgens verliessen wir Winterthur Richtung Flughafen Zürich. Die Probleme begannen bereits im Zug. Er blieb unterwegs stecken. Am Flughafen dann die nächste - erste - Flugverspätung: 20 Minuten. In Frankfurt die zweite, diesmal 1 Stunde. Aber das war gar nichts gegen Chicago. Dort verpassten wir den Flug, der um 13:55 h nach Green Bay abgehen sollte - weil wir keinen Boarding Pass hatten. Also auf den nächsten, den um 14.55 h. Der wurde dann annulliert. Der neu angesetzte, um 16:55 abgehende, wurde um rund 4 Stunden verschoben. Um 23.00 h trafen wir schliesslich in Green Bay ein. Alles in allem (plus 1-stündige Fahrt zum Hotel) eine Anreisezeit von 26 Stunden. Damit verpassten wir Lee Rocker's ersten Aufritt im Casino. Uff.

Dienstag, 15. Mai 2007 - Pre-Party in der Lounge des Casinos, gratis

Jack Baymoore & The Bandits aus Schweden (http://home.swipnet.se/Baymoore/)
eröffneten den Reigen. Obschon der Junge auf seiner Web-Site Rockabilly, Rock'n'Roll und Hillbilly Bop verspricht, eröffnete er die Party eher im Blues-Stil a la Jimmy Reed. Ein grossartiger Sänger und eine grossartige Band sorgten die Jungs für Stimmung.

Ray Collins Hot Club (www.the-hot-club.com)
waren die nächsten im unschlagbaren Angebot des Rockin' 50s Festes. Sie hielten sich an Swing. Eine gute Gruppe, wenn man auf diese Musikrichtung steht. Für mich waren sie zum ersten zu laut, zum zweiten nicht mein Stil.

Lee Rocker (www.leerocker.com),
Bassist der Stray Cats (die für ein paar Konzert in den USA wieder gemeinsam auftreten) machte den nächsten Akt. Er zeigte sich gut gelaunt, verpasste ab und zu den Einsatz. Was erstaunlich ist beim immer gleichen Repertoire. Und da sind wir schon beim Minus-Punkt. Ein Neues wär' mal fällig.

Der erste Abend endete also gut, wenn auch nicht ausgezeichnet. Was fehlte, waren weibliche Interpreten, Bloodshot Bill (der ja Landesverbot hat) und Harmonien.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Lounge (Slim Jim's Jam)

Art Adams, ein Rockabilly-Interpret aus den 50er Jahren, war am Abend für die erste Unterhaltung in der Lounge zuständig. Art, aus dem verstaubten Regal der ersten Rockabilly-Generation geholt, zeigte sich besser denn je. Nur zu laut, so dass ob dem grossen Hall der Gitarrist und das Snare-Drum kaum zu hören waren. Art's Stücke waren alle schnell, alle stammten aus seinem 50er Jahre-Repertoire.

Chan Romero, Mr. Hippy Hippy Shake, machte den nächsten Künstler. Wir verliessen die Lounge nach den ersten Noten.

3 Clans Ballroom, 5:45 pm

Ruby Ann (www.myspace.com/missrubyann) aus Portugal machte die erste weibliche Interpretin des Festivals. Ruby besitzt war eine gute Stimme, doch leider ist ihre Einbildung weit grösser. Sie brachte die Stücke, die wir bereits bestens von ihr kennen. Der Sound konnte aber nicht mit der kleinen Frau mithalten, sodass ihr Auftritt zur Qual wurde. Irgendwie wirkte das Mädchen im grossen Saal verloren. Vielleicht wäre die Lounge ein besserer Auftrittsort gewesen.

Iroquois Ballroom, 6:30 pm

The Vargas Brothers
(www.myspace.com/thevargasbrothers) zeigten sich einmal mehr unglaublich stark. Sie waren uns bereits als Lonely Blue Boys in Vegas aufgefallen. Die 4 Jungs kommen aus Huntington Park, Kalifornien. Es handelt sich um Fernie Gallegos am Schlagzeug, Jose "Watts" Rodriguez an der Gitarre und Alex Vargas am Gesang/Kontrabass sowie Ernie Vargas am Gesang und der Rhythmus-Gitarre. Was mir an der Gruppe besonders gefällt ist, dass sie sich (mit Recht, denn das Talent besitzen sie) auch mal mit sentimentalen Nummern befassen und dennoch ihren Humor behalten. Grosse Klasse - wie gross, das könnt Ihr auf der My Space Seite feststellen.

7:45 pm
The Go-Getters (www.vikingdesign.com/gogetters) zeigten sich ebenfalls unglaublich stark. Mit viel Spass trugen sie ihre Songs vor, wobei mir vor allem der Schlagzeuger positiv auffiel.

3 Clans Ballroom, 7 pm

Big Sandy & His Fly-Rite Boys (www.bigsandy.net) hat vor 2 Jahren in Green Bay abgesahnt. Damals wurde er allerdings von den Los Straitjackets begleitet. Für einmal zog er die eigene Band vor. Leider, muss ich sagen. Und ich schreibe das äusserst ungern. Sandy's hohe Stimme ging im Ballsaal beinahe in Krächzen über, der Sound war grottenschlecht. Das Publikum zeigte sich demgemäss zurückhaltend und wenig amüsiert. Schade, denn Big Sandy kann einer der Besten sein - vorausge-setzt, die Anlage stimmt.

Main Casino Lounge (Slim Jim's Jam), zwischendurch

Hier guckten wir uns Darrell Higham, Slim Jim Phantom (www.slimjimphantom.com) & einen unbe-kannten Bassisten, mit dem wir aus Chicago nach Green Bay flogen, an. Darrell hat eine Biografie seines Favoriten, Eddie Cochran geschrieben und ist oft mit Slim Jim unterwegs. Er ist ein klasse Gitarrist. Glücklicherweise übernimmt er bei den gemeinsamen Auftritten jeweils den Gesang, denn die Stimme von Slim Jim ist nicht gerade hörenswert. Auch hier zeigten sich die 3 als sympathisches Team, ohne Schwächen.

Purcell's Lounge, 8:00 pm

The Stumbleweeds (www.myspace.com/thestumbleweeds) kommen aus Boston/Massachusetts. Die Gruppe setzt sich aus 3 Jungs und 2 Mädels zusammen. Die Leutchen haben sich auf Rock'n'Roll mit Doo-Wop Einlagen versteift. Der Gesang war schwach, auch die Harmonien kamen leider nicht immer perfekt zustande. Im Gegensatz dazu standen die gekonnt gewählten Stücke.

3 Clans Ballroom, 8:15 pm

Little Richard (www.littlerichard.com) liess das Publikum auf sich warten. Als er dann, an Krücken gehend, auftrat, glänzte er mehr als die Lichter im Saal. Ganz in hellem Brokat und Satin- oder Seidenhosen gekleidet, machte leider nur sein Outfit Furore. Little Richard machte den Anfang aller Interpreten, die auf der Bühne unzählige Stories zum Besten gaben, die keinen Menschen interes-sierten. So plapperte er denn lieber munter drauflos, als sein Können am Klavier oder gar als Sänger unter Beweis zu stellen. Was bei dem grossen Orchester wahrscheinlich keine Kunst gewesen wäre. 3 Saxophone und 1 Trompete brachte der Mann mit, dennoch (oder gerade deshalb) verschlug es den Sound völlig. Das erste Stück machte nach langer Wartezeit "Good Golly, Miss Molly", ein Little Richard-Klassiker, den man aber anscheinend besser auf Platte oder CD geniesst denn live. Trotzdem: Das Klavier stach sympathisch heraus - bis das Orchester einsetzte. Little Richard erzählte dem Publikum in der Folge viel - u.a. von seinem Bruder, der ein paar Wochen zuvor starb. Wir hielten indes das Ganze nicht länger aus und verliessen den Komiker ohne Bedauern.


3 Clans Ballroom, 9:45 pm

Von Jack Scott (www.rockabillyhall.com/JackScott.html), dem nächsten Interpreten, erwartete ich ehrlich gesagt, nicht viel. Wir haben ihn vor ungefähr 15 Jahren in Zürich erlebt. Das eine Minus machte damals die Schlägerei im Publikum, das andere Minus die Doo-Wop Gruppe aus England, die einfach nicht dem Talent dieses Mannes entsprach. Nun. Ich habe mich getäuscht. Und zwar gewaltig. Jack Scott stellte sich zu meinem Entzücken und meinem Erstaunen als stärkster Akt des ganzen Festivals heraus. Sicherlich hat er seinen einmaligen Auftritt zum Teil der Begleitband zu verdanken, die ihm zur Verfügung gestellt wurde. Sie schien sein ganzes Material ("Leroy", "Geraldine", etc.) in- und auswendig zu kennen und - was wichtiger ist: Dieses auch zu mögen. So kam denn der Doo-Wop der Super-Gruppe neben Jack Scott's immer noch starker Stimme ausgezeichnet zum Zuge. Obwohl auch Jack viel erzählte (allerdings war das, was er zum Besten gab, für das Publikum interessant), sorgten seine kurzen Einlagen nur für einen gelungenen Übergang zum nächsten Jack-Scott-Klassiker. Ja, sie erhöhten die Spannung noch. Jack brachte alle seine Hits und durfte am Ende - verdientermassen - eine Zugabe geben. Ich werde diesen Mann dank seinem starken Auftritt in bester Erinnerung behalten. Einmalig ist übrigens auch das Autogramm, das er im Anschluss gab: "Auf die guten alten Zeiten", schrieb er auf sein Foto. Nun - Jack Scott machte dieser Aussage an Mittwoch-abend, dem 16. Mai 2007 alle Ehre.


Donnerstag, 17. Mai 2007

3 Clans Ballroom, 2:00 pm

Sonny Burgess (www.sonnyburgess.com) und Rosie Flores (www.rosieflores.com) eröffneten für uns den zweiten Festivals-Abend. Sonny war schon am letzten Festival präsent und hat mich, obwohl er ein äusserst sympathischer Mann ist, als Musiker schon damals enttäuscht. Rosie Flores sahen wir zwei Mal in der Schweiz. Auch in Green Bay erlebte ich sie am Silvester-Abend vor 2 Jahren. Okay. Ich mag diese Frau nicht. Nicht mal, weil sie nicht singen kann. Sondern als Person. Interessiert das jemanden, ob sie Single ist und am Festival gerne in Gesellschaft wäre? Sie dachte wohl so, deshalb äusserte sie sich dahingehend. Als Gitarristin ist Rosie allerdings klasse, das muss ich eingestehen. Sonny Burgess schien anderer Meinung als ich zu sein, so überliess er der Frau aus Texas den Abend mehr oder weniger völlig. Sie tobte sich demzufolge richtiggehend aus - als Sängerin, wie als Gitarristin. Sonny hielt sich zurück. Doch auch seine Stimme zählt mittlerweile nicht mehr zu den besten. Sie schwankt und die Töne kann Sonny nur schwer halten. Auch bei dieser Show dominierten einmal mehr der Hall und die Lautstärke.

3 Clans Ballroom, 3:15 pm

Billy Lee Riley (www.rockabilly.net/billyleeriley) ist ebenfalls ein Interpret aus den 50er Jahren. 2005 durfte er sein 49-jähriges Bestehen im Musikgeschäft feiern. Bekannt wurde er durch seine erste Blues-Aufnahme "Hot Damn". Billy's Auftritt war sehr schwach, weil der ganze Mann anscheinend angeschlagen ist. Gesundheitlich zeigte sich Billy Lee Riley äusserst schwach, selbst nachher, bei den Autogramm-Stunden. Einer unserer Kollegen meinte, es sei wohl das letzte Mal, dass er ihn sehe. Deke Dickerson an der Gitarre hatte ganz offensichtlich Mühe, den Mann einigermassen im Takt zu halten. Am Klavier stellte sich Billy Lee Riley im Gegensatz dazu äusserst geschickt an. Ein bisschen wehmütig und mit einem unangenehmen Gefühl im Bauch (wenn man an's eigene Alter denkt) liessen wir seinen Auftritt über uns ergehen.


3 Clans Ballroom, 4:30 pm

Buddy Holly's Original Crickets (www.crickets.com) aus Texas waren die nächsten auf dem Programm. Wie's der Name eigentlich schon deutlich genug sagt, sind sie halt "nur" die Gruppe des Meisters. Zwar übernahm 'jemand' dessen Gesang, aber derjenige war eben nicht Buddy Holly. Die Männer sind bescheiden und scheinen gerne ihrem ehemaligen 'Boss' Tribut zu zollen, doch wenn es um's Talent geht, besass es Buddy Holly eindeutig im grössten Masse. Leider. So fielen denn Songs wie "Peggy Sue" mässig aus - und kamen beim Publikum auch dementsprechend an. Zu Ehren des Meisters, sozusagen.

3 Clans Ballroom, 5:45 pm

Auch Ferlin Husky (www.ferlinhusky.com) scheint nur noch auf CD gut zu sein. Sein Auftritt verlief ebenso gequält, wie derjenige seiner Vorgänger. Der gute Mann war ausser Takt und hat falsch gesungen. Lange hörten wir demzufolge nicht zu.

3 Clans Ballroom, 8:15 pm

Die Veranstalter des Festivals lassen sich gerne etwas Neues einfallen. Dieses Jahr hiess das, dass 4 Interpreten miteinander auftraten. Eine blödsinnige Idee, kamen doch gute Interpreten zu kurz, während man die Schlechten zu lange ertragen musste. Das erste Packet machten Lew Williams (www.lewwilliams.com), Eddie Bond (www.rockabillyhall.com/eddiebond.html), Hayden Thompson (www.rockabillyhall.com/haydenthompson.html) und Glen Glenn (www.rockabillyhall.com/

glnglnn.html). Wobei man von zweien, Eddie Bond und Glen Glenn, zum Vornherein sagen muss, dass sie in den 50er Jahren zu den Besten gehörten. Glen Glenn's "Everybody's Movin'" macht heute noch einen Klassiker her, nach dem sich jeder bewegt und für den sich jeder begeistern kann. Lew Williams indes war genau wie Ferlin Husky, ausser Takt und gesangsunfähig. So verliessen wir den Saal, bevor Eddie Bond auftrat. Dafür genossen wir Hayden Thompson einmal mehr (dieser Mann enttäuscht nie. Er besitzt noch immer eine einmalige Stimme. Zudem hat dieser Künstler etwas an sich, dem man unweigerlich Respekt entgegenbringt - nicht nur als Musiker, auch als Mensch). Ob Glen Glenn's 'Showtalent' (er kommt immer 'rein und schüttelt zuerst diverse Hände. Dabei scheint er sich immer selbst zu feiern) amüsierten wir uns einmal mehr köstlich. Was den Gesang anbelangt, so ist Glen's Stimme mittlerweile schwach geworden. Manchmal krächzt er gar, scheint dies aber nie zu bemerken.

3 Clans Ballroom, 9:45 pm

Den Tenor-Saxophonisten Big Jay McNeely haben wir uns vor Jahren in der Schweiz gegönnt. Seine Show war schon damals tadellos, sein Charme unschlagbar. Hier, am Festival, konnten wir nur noch die letzte Nummer des Saxophonisten geniessen. Und einmal mehr feststellen, welch grosses Talent wir vor uns hatten. Dieser Mann ist einfach eine Klasse für sich. Zu unserer Entschuldigung muss ich sagen, dass seine Musik zum einen nicht unser Stil ist (schwer zu beschreiben, hört 'rein) und man sich zum anderen bei einem Festival wie diesem manchmal einfach entscheiden muss, wen man sieht.

Purcell's Lounge, 6:30 pm

King Memphis (www.kingmemphis.com) kommen aus Neuengland. Ich lernte sie anlässlich eines Aufenthalts in Green Bay bei einer früheren Gelegenheit kennen. Es handelt sich hier nicht nur um nette Jungs, Chris (Kontrabass) und Matt (Sänger und Leadgitarrist) besitzen auch viel Talent. Das aber anscheinend beim schlechten Sound versagt. So legten die zwei, von einem Schlagzeuger begleitet, einen nicht ganz tadellosen Auftritt hin, der vor allem unter dem schlechten eingestellten PA litt.

Main Casino Lounge (dazwischen)

The Mezcal Brothers (www.mezcalbrothers.com) aus Lincoln, Nebraska, heizten, im Gegensatz zu ihrer Heimat, richtiggehend ein. Sie brauchten die grossen Ballsäle nicht, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Eine grossartige Rockabilly-Band, von der ich mir die neuste CD sicherte.

3 Clans Ballroom, 11.00 pm

Auf ihn war ich u.a. am Meisten gespannt: Den Rockabilly meiner Teeanger-Tage, Robert Gordon (www.robertgordon.dk).
Ich verehrte diesen Mann für seine Stücke ("Drivin' Wheel"/"Blue, Blue Christmas"), vor allem aber für seine Stimme und sein Aussehen (ja, ich geb's ja zu). Nun. Chris Spedding eröffnete den Tanz ganz im Shadows-Stil. Als Robert Gordon dann die Bühne betrat, war ich mehr als enttäuscht.
Zwar ist seine Stimme immer noch 1-A, im Gegensatz zu seinem Aussehen (entweder soff er zu viel, oder er frass zu viele Pillen), doch dank der Lautstärke ging sein Können völlig unter. Den Sound verschlug es komplett, um's kurz zu sagen.
Nachher meinte ein alter Kenner der Szene wahrheitsgetreu, Robert Gordon leide wohl selber am Meisten darunter, dass er sich äusserlich so sehr verändert habe. Er wirke, als sei er damit völlig unzufrieden. Und genau so kam er 'rüber. Keiner nahm am Ende seinen Abgang schwer. Zähle ich da die vielen Geschichten hinzu, die ich am Festival über ihn kursierten, muss ich sagen, dass ich nicht im Geringsten erstaunt bin.

Purcell's Lounge, 11 pm

The Lonesome Spurs (www.thelonesomespurs.com) ist ein Duo aus Dallas, TX. Es besteht aus Linda Kay Parker (Gesang, Tenor Gitarre, Koffer-Kickdrum) und Danny B. Harvey an der Elektrischen Gitarre. Während sich Danny am Vorabend schon an der Gitarre präsentierte, trat Linda erst am Konzertabend in Erscheinung. Anders als auf ihrer CD, zeigte sie sich klein, auffallend gekleidet und ziemlich eingebildet.
Ich meinerseits zählte dieses Duo bereits zu meinen Favoriten, wenigstens, was die neuen Band anbelangt. Herb enttäuscht wurde ich allerdings schnell. Vielleicht lag's ja wiederum am PA, doch Linda's Stimme klang unsympathisch, hart, unangenehm laut und beinahe aufdringlich, während sie im Gitarrensound zeitweise verloren ging. 2 Stücke lang hielt ich's aus, dann verliess ich den Raum.


Freitag, 18. Mai 2007

3 Clans Ballroom, 2.00 pm

Linda Gail Lewis (www.lindagaillewis.com), Jerry Lee Lewis' Schwester, hat sich in den letzten Jahren sehr hervorgetan, u.a. durch ihre Zusammenarbeit mit Van Morrison. Linda war bereits am Vortrag präsent und guckte sich das Festival 'heimlich' an, u.a. war sie am Stand der Rockabilly Hall of Fame anzutreffen. Sie ist eine äusserst talentierte Klavierspielerin, die lediglich durch ihre Körperfülle (das Klavierspiel mit den Füssen schien ihr sichtlich schwer zu fallen) ihrem Bruder nicht nacheifern kann. Mit auf der Bühne stand ihre blonde Tochter, die allerdings besser Fotomodell denn Sängerin gewor-den wäre. Sie begleitete ihre Mutter nur spärlich und beim genauen Hinhören viel sie bloss durch schwache Harmonien auf. Dennoch ist die Kleine so sympathisch wie ihre Mutter. Sie schien sich auf der Bühne und unter diesem speziellen Publikum sichtlich wohl zu fühlen. Linda heizte den Saal vor allem mit Stücken wie "Jambalaya" ein. Einen sehr guten Auftritt legte die Frau hin. Nur fand ich es etwas traurig, dass sie es für nötig befand, für ihren "lieben" Bruder ein gutes Wort einlegen zu müssen. (Sei erzählte, was er der Familie alles gekauft hat)

Main Casino Lounge (dazwischen)

Sean Mencher gehört zur Super-Rockabilly-Gruppe High Noon. Mal sind diese auseinander, mal wieder zusammen. Egal. Sean macht dort den Gitarristen. Einen sehr guten, sogar. Leider ist er ein miserabler Sänger, wie er in der Lounge bewies. Glücklich waren wir nur, wenn er an der Gitarre wirkte. Schade. Dessen ungeachtet war der kleine Mann im Nudie-Stil gekleidet und am ganzen Festival ständig präsent. Wenn er angesprochen wurde, wirkte er sympathisch und gut gelaunt. Anscheinend leidet er unter seiner Gesangsschwäche käumlich.

3 Clans Ballroom, 3.15 pm

Rusty York (www.rockabillyhall/rustyyork.html) zählt ebenfalls zur alten Rockabilly-Gilde. Doch auch an diesem Künstler hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. So trat er denn mit Notenständer auf und zeigte sich als miserabler Sänger. Vielleicht glänzte er gerade deshalb mit vielen Instrumental-Nummern.

3 Clans Ballroom, 4:30 pm

Sid & Billy King sind ebenfalls ein Paar aus der Golden Ära. Nur, dass sie heute nicht mehr so golden sind, die Jungs. Ihr Gesang war leise und lasch.
Gefestigt wurde ihr Sound lediglich durch Sean Mencher's Gitarrenkunst. Am Ende liess Billy sogar die Gitarre fallen (zum Publikum: 'Keine Angst, es handelt sich um ein billiges Modell'). Was meines Erachtens nicht nur ein deutliches Zeichen dafür war, dass man die beiden besser dort liess, wo sie sich normalerweise aufhalten, sondern auch für ein längst vergangenes Talent.

3 Clans Ballroom, 7.00 pm

Frankie Ford ist ein Ein-Hit-Talent. Mit seiner Nummer "Sea Cruise" machte er einst Furore. Bei seinem Auftritt in Green Bay sorgte nur noch sein Anzug für Aufsehen. Alles andere gehört - wie bei vielen Interpreten an diesem Festival - längst der Vergangenheit an. Wäre der Interpret so gut gewe-sen, wie sein Anzug geglänzt hat - Hut ab. Doch so, mit schwacher Stimme, unglaublich langsamem, unregelmässigem Tempo und unsympathischer Präsenz, konnte Frankie Ford das Publikum nicht für sich gewinnen. Viele - darunter auch wir - verliessen mit Entsetzen den Saal.
Später trat Frankie noch an Slim Jim's Jam in Erscheinung und sorgte für einen Knüller. Er liess sich nämlich von Slim Jim am Schlagzeug begleiten. Da er so hundsmiserabel im Takt war, verliess jener aber wutentbrannt (nach seiner Aufforderung "Slim - wait for me!") die Bühne und kehrte erst wieder zurück, als Frankie sein Set beendet hatte.

3 Clans Ballroom, 8:15 pm

Und wieder sollte ein 4-er Pack für Unterhaltung sorgen. Diesmal sollte es aus Patt Cupp, Sleepy La Beef (www.sleepylabeef.com), Alton Lott (www.rockabillyhall.com/altonjimmy.html) und Gene Summers (www.rockabillyhall.com/genesummers.html) bestehen. Gene & Patt fehlten. Entweder habe ich die Ansage verpasst, oder es wurde tatsächlich verschwiegen, weshalb. Dafür sorgte Sleepy La Beef im Vorfeld für einiges Aufsehen. Er tauchte nämlich gleich mit einer ganzen Filmcrew auf, umgeben von Kameras und Mikrophonen, also. War lustig anzusehen, zumal man an Sleepy selber kaum vorbei gehen kann, ohne seine Grösse zu bewundern. Amüsiert haben wir also vorher schon.
Zuerst war aber Alton Lott an der Reihe, den ich, wie ich zu meiner Schande eingestehen muss, nicht kannte. Alton war ein Teil des Duos Alton & Jimmy - das ebenfalls in den Fifties für Aufsehen sorgte. Diesmal sorgte Alton alleine für eine positive Überraschung. Unglaublich stark am Gesang zeigte er sich, ohne dass etwelche Schwächen auszumachen gewesen wären. Allerdings wurde sein Talent durch Deke Dickerson an der Gitarre deutlich unterstrichen. Nur ungern liess man diesen Künstler von der Bühne.
Sleepy LaBeef war besser, als erwartet. Im Vorfeld hörte ich ein paar unangenehme Geschichten, so soll er sich z.B. ziemlich geärgert haben, als er vor gerade mal 10 Leuten auftreten musste. Nun, am Festival, schien er das Gegenteil beweisen zu wollen. Nun ja, das Fest hat inzwischen ja auch eine ziemliche Bedeutung erlangt, nicht zuletzt dank dem billigen Eintrittspreis und dem unglaublichen Programm. Sleepy schien das bewusst zu sein. Mehr noch - er wollte, dass man auch ihn nicht vergisst. So gab er sein Bestes und kam an. Bei mir vor allem durch sein Jimmy Reed Stück, bei anderen durch typische Rockabilly-Nummern. Trotzdem wirkt dieser Mann unglaublich schnell eintönig. Keine Ahnung, ob ich ein ganzes Konzert von ihm ertragen könnte.

3 Clans Ballroom, 12:15 am

The Head Cat, das sind Lemmy von Motorhead, Slim Jim Phantom und Danny B. Harvey (www.myspace.com/headcat).
Rockabillies, Teddies, Rockern oder wie man sie auch immer nennen mag, sagt man oft eine Scheuklappen-Mentalität voraus. Es wird behauptet, sie besässen nur wenig Toleranz.
Nun, an diesem Abend fanden sich ausnahmslos alle im Saal zusammen, um diesen Männern Tribut zu zollen.
Dazu muss gesagt werden, dass sich Lemmy schon am 16. Mai 2007 am Spielkasten breit machte und später seinem Image entsprechend, an der Bar des Purcell's Lounge zusammen mit Slim Jim, Darrell Higham und Danny B. Harvey gütlich tat.
Es sollte eine entspannte Show folgen, angeführt von Lemmy als Sänger. Nun ja. Ich kenne ihn ehrlich gesagt nicht. Mir wurde nur mitgeteilt, er habe eine gewöhnungsbedürftige, erkennbare Stimme. Okay. Sagen wir: Er hat den Takt gehalten. Aber Rockabilly-Musik machen, heisst auch, Temperament zu besitzen und mit diesem - vor allem als Sänger, aber auch als Bassist oder Gitarrist entsprechend umzugehen.

In Deutschland hat Sacha das als Dick Brave erstaunlicherweise geschafft. In Green Bay schaffte es Lemmy als Rockabilly nicht. Trotzdem hielten es viele im Saal bis zuletzt aus - wahrscheinlich aus purer Neugierde oder um irgendeinen "Ausbruch" des Mannes mit ansehen zu können. Diejenigen wurden herb enttäuscht. Lemmy lieferte zwar ein gewöhnungsbedürftiges, aber nicht unsympathi-sches Set ab. Erstaunlicherweise war auch hier eine Jimmy Reed Nummer mit von der Partie, ergo muss ich dem Typen ein Lob aussprechen - ob ich will, oder nicht.
Die anderen Mitspieler waren - wie zu erwarten - ohne Lob und Tadel. Gespannt sein darf man, was auf die gemeinsame CD folgt - evt. sogar eine Tour? Wer weiss. Lemmy macht neugierig.


Samstag, 19. Mai 2007

3 Clans Ballroom, 2 pm

Von Charlie Gracie (www.charliegracie.com) hörte ich im Vorfeld nur Gutes. Was nichts bedeuten mag. Aber am Tag seines Konzertes fiel mir im Foyer des Ballsaales ein kleiner, äusserst gepflegter, grauhaariger Mann auf, der mit allen sprach und für jeden ein nettes Wort übrig hatte. Wenig später sah ich diesen Mann auf der Bühne wieder. Es war Charlie Gracie.
Charlie Gracie's Show gehörte ebenfalls zu den Highlights des Festivals. Dieser Mann ist ein Spitzenkünstler. Nicht nur ein guter Sänger, sondern auch ein guter Musiker. Und mehr noch: Ein guter Mensch. Er kann Werte vermitteln, die bei uns schon lange nicht mehr zählen. So stand denn seine Ehefrau vorne, an der Bühne. Er stellte sie dem Publikum stolz vor und guckte immer wieder zu ihr, vor allem bei den Liebesliedern. Einen Song widmete er seinem besten Freund, Eddie Cochran. Obwohl dies eindeutig ein neueres Stück war, bleibt es doch in meinem Gedächtnis haften. Charlie Gracie weiss zu bezaubern. Nicht nur das Ohr, sondern auch das Herz. Grossartig und unvergesslich bleibt deshalb sein Auftritt am Festival.

Iroquois Ballroom, 6:00 pm

James Intveld (www.jamesintveld.com) wollte ich unbedingt sehen. Zum einen, weil ich ihn für einen Ausnahme-Künstler halte, zum anderen weil ich ihn schon lange nicht mehr sah. Genau genommen zum letzten Mal in der Schweiz, wo er versprach, dass er innert eines Jahres zurückkäme. Mittlerweile sind 10 Jahre vergangen. Also: Nichts wie hin zu seiner Show. Nun ja. Auf der Bühne brachte James vorwiegend alte Nummern, die bekannten und guten. Doch auch sein Sound litt unter dem schlechten Mann am PA. Seine ausgezeichnete Stimme kam wenig zur Geltung, zudem schien er sich eher auf eine Bühnenshow (d.h. auf die weiblichen Bewunderinnen), denn auf seine Musik zu konzentrieren. James wirkte aufgekratzt, auf Showman getrimmt, tanzte er von einem Bühnenende zum Anderen. Auch hier bedauerte ich das Ende seiner Show keinesfalls.
Am Tag darauf benahm er sich bei einem Konzert, dass er sich ansah, so daneben, dass ich mittlerweile auf Pillen schliesse - welcher Art auch immer. Aber für einen, der in Hollywood Filme dreht, gehört das wohl dazu.

3 Clans Ballroom, 8:15 pm


Erneut waren 4 Männer angesagt: Mac Curtis (www.rockabillyhall.com/maccurtis.html), Ray Campi (www.electricarl.com/campi), Johnny Powers (www.johnnypowers.com) und Joe "The Ducktail" Clay (www.rockabillyhall.com/joeclay.html). Mac Curtis und Joe Clay waren schlecht. Eigentlich könnte man das Festival in 2 Kategorien einteilen: Die Gute und die Schlechte. Bei den Interpreten aus den 50's heisst das, sie haben alle ihre Stimme verloren, viele wissen nicht mal die Texte ihrer Lieder auswendig, dafür haben sie viel zu erzählen. Das tun sie auch. Unglücklicherweise immer auf der Bühne. Joe Clay schaffte es sogar bis zur Lächerlichkeit.
Ray Campi, Ausnahme-Bassist aus Austin, TX. ist da ein ganz anderes Kaliber. Seine Shows sind immer tadellos und am Bass ist er kaum zu schlagen.
Johnny Powers gehört in eine Kategorie zwischendrin. Er tut sich durch seine dunkle, tiefe Stimme hervor. Hier, am Festival, allerdings nur zeitweise. Dann schien er wieder der schlechten Gruppe anzugehören. Johnny's Auftritt machte unsicher, unruhig. Man wusste nicht, ob er einfach seinen Auftritt nicht ernst nahm, oder tatsächlich nicht mehr geben konnte.

3 Clans Ballroom, 9:45 pm

Für die Collins Kids (www.rockabillyhall.com/collinskids.html) ging ich sogar so weit, ein Kleid im Nudie-Stil zu dekorieren. Allerdings legte ich im Vorfeld viele Kilos zu. Ich fühlte ich mich im Dress so unwohl (vor allem als Fotos gemacht wurden), dass ich mich schnell wieder umzog - VOR dem Konzert MEINER Stars. Na ja. Mit Lorrie unterhielt ich mich im Vorfeld an der Bar (wusste aber nicht, um wen es sich handelte), in Larry lief ich beinahe 'rein, als er mit der Gitarre ins Hotel marschierte. Die Beiden schienen von Anfang an sympathisch.

Gerechterweise muss ich anführen, dass ich den Sound, denn der 9-jährige Knabe und das 12-jährige Mädchen in den 50er Jahren brachten bis heute verehre. Und irrtümlicherweise auch diesen von den beiden verlangte. Dabei hätte mich schon die Mitwirkung von Deke Dickerson an der Double-Neck Gitarre misstrauisch machen dürfen. Aber denkste! Frisch 'rein in eine erneute Enttäuschung - kopfvoran!
So gaben denn Larry & Lorrie ihr Bestes - das anscheinend bloss für mich nicht genug war. Das Publikum zeigte sich begeistert, selbst mein Bruder entwickelte sich vor Ort zum Collins Kids-Fan. Mir war Larry an der Gitarre zu wenig (Deke übernahm die meisten Parts an der Lead-Gitarre) und der Gesang von Lorrie, einer mittlerweile gestandenen Frau, war mir ebenfalls nicht stark genug (mittelmässig halt). So hielt ich es denn nicht lange aus und verzog mich bald von der Bühne weg in den Hintergrund. Für mich waren die Collins Kids im Nachhinein einfach etwas, das ich mal Live gesehen haben musste. Überzeugt haben sie mich nicht.


Sonntag, 21. Mai 2007

3 Clans Ballroom, 2 pm

Sonny West's Name ist unter Songwritern wohlbekannt (www.rockabillyhall.com/sonnywest.html). Dieser Künstler wuchs in der Nähe von B. Holly's Heimatstadt Lubbock, TX. auf und hat Klassiker wie Holly's "Oh Boy" geschrieben. Sonny West sprach ebenfalls viel, erklärte jedoch, wie die Musiker Stücke an Radios hören und diese mittels Akkorden umsetzten. Seine Lieder, z.B. "Golden Years" handeln oft vom Alter und der Vergangenheit. Trotzdem besass Sonny West einen unverkennbaren modernen Sound, der sich aus Country, Folk und Honky Tonk zusammensetzte.


3 Clans Ballroom, 3:15 pm

The Bobbettes (www.history-of-rock.com/bobbettes.htm) gehören zu der Creme-de-la-Creme der 50er Jahre Doo-Wop-Szene. Was sie anfänglich nicht bewiesen. Es handelt sich um eine dunkelhäutige, 5-köpfige, weibliche Doo-Wop Gruppe mit komödiantischen Einlagen. Anfangs hatten die Mädels eindeutig Schwierigkeiten. Besser: Das PA spielte ihnen wieder einen Streich, aber siehe da, je länger die Show, desto besser wurde der Sound und die Damen kamen in Fahrt. In England erfreuen sie sich schon lange einiger Beliebtheit, wär' an der Zeit, dass es auch im restlichen Europa Bobbettes-Fans gibt.


3 Clans Ballroom, 4:30 pm

Marvin Rainwater (www.rockabillyhall.com/marvinrainwater.html) war mein Geheimtipp am Festival. Doch auch hier habe ich mich gewaltig geirrt. King Memphis begleitete den Halbindianer auch nicht gerade tadellos bei seiner Reise zurück in die 50er Jahre. Nicht mal "Boo Hoo", Marvin's Zugabe, fiel gut aus. Während es dem Mann an Humor nicht mangelte, so fehlte ihm anscheinend der Atem. Lieber stellte er dem Publikum seine kaum 30-jährige Ehefrau vor. Auch schwatzte er gerne und machte auf sexy. Lächerlich bei einem Mann in seinem Alter (75 Jahre). Bei seinem Auftritt verpasste er unzählige Male die Einsätze, während King Memphis anscheinend Marvin's Stücke ebenfalls nicht kannten und die Gitarre jeweils ein paar Takte länger denn nötig erklang.


Main Casino Lounge, dazwischen

The Cordwood Draggers (www.myspace.com/cordwooddraggers) kennen wir von ihrer fantastischen CD her. Die Jungs aus England begleiteten unter anderem Art Adams, erhielten aber auch eine eigene Show. Sympathisch kamen sie allemal mit ihrem Hillbilly Bop 'rüber, wenn der Gesang - was einmal mehr dem PA zu verdanken war - auch mässig ankam.


3 Clans Ballroom, 8:15 pm

Eigentlich sollte ja Bo Diddley (www.bo-diddley.com) auftreten. Doch der Musiker erlitt 1 Woche vor dem Festival eine Streifung, deshalb fiel er verständlicherweise aus. Ersetzt wurde er zu meinem Erstaunen durch Lee Rocker, Darrell Higham, Slim Jim Phantom und Christofer "Booze" Campbell. Die vier vertraten Bo zwar tadellos, waren von seiner Art Musik aber so weit entfernt wie eine Maus vom Elefanten. Am Ende gesellten sich zum Line-Up Levi Dexter (hat eine eigene Band) und Danny B. Harvey (von den Lonesome Spurs) hinzu, was das ganze etwas auflockerte.


Purcell's Lounge, 9:30 pm

Hillbilly Casino (www.thehillbillycasino.com) ist eine Band aus Nashville, TN. Eine Psychobilly-Band, um genau zu sein. Mit von der Partie ist zu meinem Bedauern der ehemalige Bassist von BR549, Geoff Firebaugh. Der sich sichtlich wohl fühlt in der neuen Gruppe. Verrückt ist ein milder Ausdruck für das, was wir hörten. Kein Wunder, denn Psychobilly besteht weniger aus Melodie, denn aus Rhyth-mus. Dem Bassrhythmus, um genau zu sein. Einmal mehr eine Band, die ich fluchtartig verliess.


Iroquois Ballroom, 6:30 pm

Am Festival ständig präsent waren die beiden Männer, die wir nun sahen: Slim Jim Phantom und Darrell Higham. Der Anlass wird sicherlich bald in Slim's Festival umbenannt. Wäre passender. Gekonnt meisterten die Jungs ihr Repertoire einmal mehr zur völligen Zufriedenheit ihrer Fans.


Iroquois Ballroom, 10:15 pm

High Noon (www.rockabillyhall.com/highnoon) gehören zu den besten Rockabilly Bands überhaupt. Besser: Sie gehörten. Denn zu meinem Erstaunen traf ich von der Original-Besetzung nur Sean Mencher auf der Bühne an. Der Bassist liess sich entschuldigen, weil er bei Dwight Yoakam arbeitet und Shaun Young, seines Zeichens Ausnahme-Sänger, war ebenfalls nicht präsent. Und da Sean ein miserabler Sänger ist, verliess ich den Saal einmal mehr vorzeitig.


3 Clans Ballroom, 11 pm

Rocky Burnette (www.burnette-rock.com) war ebenfalls einer, der am Festival ständig präsent war. Dennoch erwarteten wir von ihm nicht viel, hatten wir Rocky doch zuvor schon gesehen. Doch der Künstler überraschte positiv. Vielleicht lag es an der Besetzung seiner Band. Diese bestand aus Darrell Higham, Slim Jim Phantom und einem mir unbekannten Bassisten. Einzig "Lonesome Train" fiel schlimm, da völlig aus dem Takt geraten, aus. Alle anderen Stücke gelangen tadellos.


Zusammenfassung

Eine Heidenarbeit ist die Organisation des Rockin' 50's Festivals sicherlich. Nirgendwo sonst kommt ein Rockabilly Fan mehr auf seine Kosten. Und kein Rockabilly Star. Vieles gelang, vieles ging in die Hosen. Traurig machen mich jene Interpreten, die schlichtweg nichts mehr können und trotzdem auf die Bühne geholt werden, etwa Little Richard. Stolz machen mich jene, die allen zum Trotz das Gegenteil beweisen, nämlich, dass sie noch alles besitzen, was sie einst hatten, z.B. Jack Scott.
Aber auch Freundschaften entstehen, Nationen treffen sich (und aufeinander), Gespräche kommen zustande, Saufgelage, Freude, Spass, oder Enttäuschung sind zu erwarten. Und alles innert einer Woche.
Kurz: Es lohnt sich.


Clear Lake, IA - Buddy Holly's Absturzstelle

Im Anschluss ans Festival machten wir uns am Dienstag auf die Reise nach Clear Lake, Iowa, zur Absturzstelle der Piper-Maschine, die für Buddy Holly, Ritchie Valens und The Big Bopper sowie den Piloten den Tod bedeutete.
Insgesamt fuhren wir 15 Stunden. Vor Ort hielten wir uns nicht mal 30 Minuten auf. Die Wegbeschrei-bung entnahmen wir dem Web. Wir konnten den Platz mühelos finden. Es war ein windiger, regne-rischer Tag. Wäre es Februar gewesen, wir hätten uns genauestens vorstellen können, wie die Männer zu Tode kamen. Im Gepäck hatte ich 2 Packungen Vergissmeinnicht, die ich säen wollte.

Der Ort liegt am Rande eines Feldes, direkt beim Zaun. Ein Fan hat dem Trio eine kleine Statue gewidmet. Sie ist nun umgeben von hässlichen Plastikblumen, die z.T. in der Erde steckten, z.T. lieblos da lagen. Irgendwer hat eine glänzende Kette um eines der Ornamente geschlungen. Die Erde war trocken, der Wind blies sie umher. Die Stelle wirkte trostlos. So trostlos wie der Anlass war. Ich war dennoch froh, den Ort besucht zu haben und meine Vergissmeinnicht blühen hoffentlich im nächsten Jahr. Ich verliess die Stelle aber auch gerne wieder. Es war ein unangenehmer, freiwilliger, aber auch - zumindest für mich - zwanghafter Gang. Nächstes Mal bringe ich Rosen mit. Und Wasser. Und eine Schaufel.
Im Hotel mussten wir uns zuerst von dem ganzen Dreck säubern - selbst im Maul schmeckte er nach.


Dale Watson, 21. Mai 2007
Club Tavern, Middleton, WI

Da wir uns eine Woche länger in Green Bay aufhielten und Dale Watson am Freitag vor unserer Abreise auf dem Programm stand, machten wir uns auf den langen Weg nach Middleton, WI.

Dale sollte dort um 21.00 Uhr auftreten. Als wir um 21.05 Uhr eintrafen, stand eine Vorgruppe auf der Bühne. Der Sänger war offensichtlich Waylon Jennings Fan. Durch die Einstellung des PA's ging aber die Qualität der Band völlig unter. Was blieb, war eine unangenehme Lautstärke und ein ebenso unangenehmer Gesang. Selbst die gute Auswahl vieler Cajun-Stücke (darunter "Louisiana Saturday Night") ging unter.

Somit hiess es vorsichtig mit der Vorfreude auf den "Texas Musician of the Year" Mann zu sein. Dieser bestieg nach 22.00 Uhr die bereits bevölkerte Bühne. Unterstützt wurde er wie üblicher von einem Fiddler, einem Schlagzeuger, dem Steel-Gitarristen und Gene, dem Mann am elektrischen Bass.

In der Folge ging Mr. Watson's Darbietung ob dem Getratsche der Gäste völlig unter. Und dies, obschon er so laut wie nie zuvor war. Schade um das Repertoire, das teilweise bereits aus neuen Songs (CD: "From The Cradle To The Grave"), teilweise aus ganz alten Stücken bestand.

Dale wies zwischen den Texten immer wieder gekonnt auf seine neueste Arbeit hin, animierte zum Kauf seiner CD (die natürlich nicht im Gepäck war).

Und wieder störte mich der Hang dieses Mannes zum Western Swing. Immer wieder schafft er es, selbst einer typischen Honky Tonk oder gar einer Rockabilly-Nummer diesen unangenehmen Swing einzuverleiben. Und seine Stimme ist deutlich schwächer geworden. Nur noch wenige Noten zeigen ihre Schönheit und Stärke, die Meisten wirken wie vergilbte Seiten eines Buches.

Meiner Meinung nach sollte sich Dale Watson besser auf die Qualität seiner Musik konzentrieren, anstatt sich um einen neuen Namen für seine Musikrichtung zu kümmern.

Was uns anbelangt, so verliessen wir das Konzert nach dem ersten Set ohne Bedauern.

Heimreise


Unsere Heimreise war auf Samstag, 26. Mai 2007, angesetzt, einen Tag nach der Watson-Show mus-sten wir die Staaten Richtung Heimat verlassen. Dafür klappte der Flug reibungslos, obschon wir wiederum 2 Stunden in Green Bay feststeckten (wegen Sturmes). In Chicago blieben uns gerade mal 15 Minuten zum Erreichen unseres Flugzeuges nach Frankfurt. Um's kurz zu machen: Dank dem Spurt durch den Flughafen kamen wir 2 Minuten vor Abflug ausser Atem an - und demnach pünktlich am Sonntagnachmittag in der Schweiz. Mit vielen neuen Sachen und vielen schönen Erinnerungen im Gepäck.







 
 
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