Konzertkritik John Fogerty Konzert
13. Juli 2007
Landesmuseum, Zürich, Schweiz
Eintritt: CHF 110.00 (unnummerierte Sitzplätze)
Türöffnung: 18.00 Uhr
Konzertbeginn: 20.30 Uhr
tatsächlicher Beginn: 20.40 Uhr
Konzertende: 22.30 Uhr

Wer ist John Fogerty? Nun - er war der Lead-Sänger von CCR (Creedence Clearwater Revival), seine unverkennbare, relativ rauhe, doch extrem strapazierbare Stimme zeichnete ihn von jeher aus. Mittler-weile ist John Fogerty über 60 Jahre alt und wandelt schon lange auf Solo-Pfaden. Die Original-CCR Band ging indes, wie viele andere der Flower Power Zeit, im Streit auseinander. Eine "Revival Band" besteht noch, doch ohne ihren einzigartigen Sänger.
Gegenwärtig besteht dessen Gruppe u.a. aus Billy Burnette, der sich ebenfalls als Solo-Künstler versuchte. Er ist der Neffe von Rocky Burnette, der wiederum der Sohn des berühmten Rockabilly-Stars Johnny Burnette ist.

John Fogerty trat vor 2 Jahren in Basel (CH) auf - und viele T'Shirts wiesen im Landesmuseum gestern auf seine "Hardcore" Fans hin. Die schienen dem kleinen Mann nicht nur nach Basel nach-gereist zu sein, sondern rund um den Erdball.

Das Konzert wurde nicht gross beworben, war aber bereits im Vorfeld ausverkauft. Der Veranstal-tungsort ist eine Nummer für sich, eine ganz grosse Nummer. Unser Museum wirkt wie ein Schloss. Im Innenhof wurde die Bühne aufgebaut, Verkaufsstände boten Indisches Curry, aber auch Eis, Pasta mit Hackfleisch, etc. zu relativ hohen Preisen an. Die Getränkepreise waren auch nicht von Pappe - dagegen das Geschirr, in welchem die Mahlzeiten gereicht wurden.

Der Altersdurchschnitt des Publikums lag bei ca. 45 Jahren. Nur wenige Teenager oder gar Kinder entdeckte ich. Schweizer Prominenz aus Fernsehen und Radio zeigte sich gut gelaunt. Kein Wunder, denn: Nostalgie war angesagt.

John Fogerty's Bühne war einfach gehalten, im Hintergrund hingen quadratische Platten an der Wand. Zuerst stellten die Rowdies einen Sonnenschirm auf, als sie aber bemerkten, dass der Sonnen-untergang vor Konzertbeginn zu erwarten war, entfernten sie ihn. Monitore gab's keine zu sehen. Dafür hingen auf jeder Seite 16 grosse Boxen von der Decke. Ohrschutz wurde im Vorfeld verteilt. Das Publikum profitierte nur zu gerne davon.

Mit gerade mal 10 Minuten Verspätung präsentierte sich in ein kariertes Hemd gekleideter John Fogerty gut gelaunt dem Publikum. Ich wusste, dass er nicht gross gewachsen ist, aber so klein hätte ich ihn denn doch nicht erwartet. Trotzdem sollte er mir in den nächsten 1 ½ Stunden beweisen, dass Grösse in seinem Fall relevant ist......

Bei der Eröffnungsnummer "Travellin' Man" verschlug es John Fogerty's Stimme erst einmal vehe-ment. Die Männer am PA realisierten dies aber schnell. In der Folge korrigierten sie den Fehler sofort. Die nächste Nummer, "Blue Sky", fiel schon wesentlich besser aus. Und: Der Sound war nicht so laut, dass man Ohrstöpsel benötigt hätte.

Zwischen Hits wie "Born On The Bajou", "Back Door" und "Cotton Fields" witzelte John gut gelaunt, dies sei der erste Tag seit der Europa Tournee, wo's nicht geregnet hätte. Offensichtlich gefiel ihm die Kulisse - und das Publikum. So suchte er Blickkontakt, rannte mal auf die Seite der Bühne, mal auf die Andere und liess es zu, dass alle seine genialen Gitarrenriffs (und seine Grösse) bewunderten. Übrigens war fotografieren verboten. Die Kontrolle am Eingang entfiel jedoch und so blitzten den ganzen Abend lang Kameras und Handies wie irre....

Beim Stück "I Will Walk With You" erzählte er, seine Tochter sei gerade 8 Wochen alt gewesen, als er die Nummer komponierte. Sie sei sein Lieblings-Song geworden. Nun ja - hoffentlich auch das seiner Tochter, die auf ihren Vater stolz sein kann. Übrigens benutzte hier einer der Multi-Instrumentalisten um John Fogerty eine elektrische Dulcimer. Bei einem weiteren Stück kam die Mandoline zum Zuge, von der man allerdings nicht viel hörte.

Irgendwann rief dann ein Begeisterter in die Menge, wie die alle bloss sitzen bleiben könnten? Nicht lange, und John Fogerty riss tatsächlich alle auf die Beine ...zuvor brachte er aber noch den Klassiker "Midnight Special". Beim ellenlangen "I Heard It In The Grapevine" duellierte sich John Fogerty mit Billy Burnette. Zwischendrin spielte er kurze Zeit Mundharmonika. Eine ausgezeichnete, nebenbei bemerkt. Schade dauerte ihr Soli nicht lange.
Nach und nach stellte John Fogerty die Bandmitglieder vor - zuerst 'den besten Rock'n'Roll Schlagzeuger, den's gibt', dann den Orgelspieler, Billy Burnette an der Gitarre und schliesslich die restlichen Bandmitglieder.

Überwältigend für mich war sein neuer Song "If tomorrow". Ein faszinierender Ohrwurm, der das ganze Publikum erfreute. John meinte, die Nummer stamme aus seinem neuen Album, das im September erscheint. Es nennt sich "Revival". Also: Ausschau halten und bloss nicht vergessen....

Die zwei typischen Südstaaten-Rock Stücke (eines davon "Rhubarb Pie"), die John Fogerty brachte, kamen nur bei mir nicht an. Das restliche Publikum feierte den kleinen Mann endlos, egal, was er brachte. Auch dann, als er seine 2 Söhne kurz vorstellte und sie bei einem Stück mitspielen liess.

Amüsant war John Fogerty's "Good Golly Miss Molly". Wir hatten Little Richard mit dem Original vor nicht mal einem Monat in Green Bay gesehen. Peinlich, dass John's Version besser war, als diejenige des Urhebers.....

Bald schon ging John Fogerty von der Bühne ab.....unter tobendem Applaus, versteht sich. Der nicht abebbnen wollte, bevor er sich zu einer Zugabe überreden liess.

Diese machten "Rockin' all over the world", bei dem alle mitsangen. Dem folgte "Proud Mary".

Der Abend war gelungen. Jeder Fan kam auf seine Kosten - ausgenommen derjenige, der sich ein Stück von John Fogerty's Bluegrass CD wünschte. Überhaupt hielt sich der Künstler eher an die alten, bekannten Stücke, als an die Neuen.

John Fogerty wäre allerdings nicht John Fogerty gewesen, hätte er die Bühne ohne ein Dankeschön an alle verlassen. Mir kam es vor, als hätte er sich ein hohes Ziel gesetzt und wäre stolz darauf, dieses erreicht zu haben.

Nun - das kann er mit Recht. Es war ein klasse Abend, den keiner allzu schnell vergessen wird.

Das einzige, was ich zu bemängeln habe, sind die Preise am Verkaufsstand. Auf meine Frage, wer diese mache, meinte man, das Management - in Zusammenarbeit mit John Fogerty.
Egal, wer es ist, der dahinter steckt: Ich habe noch nie (!) für ein T-Shirt CHF 50.00 bezahlt!!
Das war aber auch der einzige, winzige Wermutstropfen des Abends - dem ich mich durch Kauf-Streik erfolgreich entzogen habe.


Web-Sites des Künstlers: www.johnfogerty.com

www.laut.de/wortlaut/artists/f/fogerty_john/index.htm

Billy Burnette Seite: www.burnette-rock.com/BillyBurnette.htm

oder: www.rock-a-billy.tripod.com


CCR Web-Site: www.creedence-revisited.com/ - (heutige Band)

www.creedence-online.net/

 
 
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