Konzertbericht Hangar Rockin' #6
Samstag, 7. Juli 2007
FLUGPLATZ, 5242 LUPFIG / BIRRFELD - SWITZERLAND
Bands:
Mike Sanchez (UK), www.mikesanchez.co.uk/
Lil' Gizzelle (USA), www.myspace.com/lilgizzelle
Omar Romero (USA), www.omarromero.com
49 Special (Portugal), www.myspace.com/49special
Di Maggio Bros. (Italien), www.marcodimaggio.com
The Groove Diggers (Schottland), www.groovediggers.co.nz/
Zeitplan:
14.00 - 15.00 DJ Hip Shakin’ Dom (F)
15.00 - 15.45 The Groove Diggers (SCO)
15.45 – 16.30 DJ 10inch Wonder Boy (GER)
16.30 - 17.15 The Groove Diggers (SCO)
17.15 – 18.00 DJ Rohan the Man (UK)
Hangar:
18.00 - 19.00 Di Maggio Bros (ITA)
19.00 – 19.45 DJ 10inch Wonder Boy (GER)
19.45 - 20.45 49 Special (POR)
20.45– 21.30 DJ Hip Shakin’ Dom (F)
21.30 – 22.30 Mike Sanchez and his Rhythm’n Blues Revue (UK)
22.30– 23.00 Lil Gizelle (USA)
23.00 – 24.00 DJ Rohan the Man (UK)
24.00 - 01.00 Omar Romero (USA) & The Mean Devils (POR)
01.00 - 02.00 DJ Rohan the Man (UK)
02.00 – 03.00 SURPRISE DJ
Okay. Um's vorweg zu nehmen: Hangar Rockin' ist der grösste
Rockabilly-Anlass in der Schweiz. Der Ort, wo man Freunde, Familie,
Feinde, Fremde, Bekannte und Unbekannte wenigstens einmal im Jahr
trifft. Kein Wunder, ist das Festival mittlerweile zu einer Art Reunion
geworden, denn gar so viele "alte" Teddyboys und -girls gibt's bei uns
nicht mehr. So lassen sie sich denn das Hangar Rockin' nicht nehmen und
tauchen dort mit ihrer Familie und wenn möglich auch ihrem Wagen auf.
Denn: Ohne Vehicle ist man hier aufgeschmissen. Die nächste
Eisenbahnstation liegt weit entfernt, nach dem Konzert wäre es
unmöglich, zu Fuss dort hin zu gelangen. Der Campingplatz ist da eine
willkommene Alternative.
So treffen sie denn allmählich ein, die Jungs und Mädels. Viele davon
aus dem Ausland. Man hört Französisch, Deutsch, Italienisch - war da
nicht auch Spanisch, Portugiesisch - ganz Europa ist vertreten. Und
irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, die beiden da hinten, dieses
Pärchen, in den Staaten gesehen zu haben.....und zwar auf der Bühne -
zumindest ihn.....
Nun ja. Zuerst tun wir, was alle machen: Die Autos bewundern. Und die
vielen Stände. 'Vendors' nennen sie die Amis. Nirgendwo in der Schweiz
gibt es so viele Angebote an Kleidung, Accessoires jeder Art, sogar eine
Tiki Bude steht da ....... Die Preise sind allerdings - anders als der
Eintritt - horrend. Das gilt selbst für die Getränke.
Während die Hot Rod und Classic Car Ausstellung sicherlich ein Höhepunkt
ist, beginnen schon die Probleme. Die Getränkestände sind überlastet. Es
bilden sich lange Warteschlangen. Und nicht nur da. Auch die Toiletten
sind spärlich gesät.
Also weiter. Und verzichten. Oder lange, lange warten. Doch da vorne
spielen schon die Schotten. Bekannt als gute Musiker. Also nichts wie
hin.
Au weia. Der Sound kommt miserabel rüber, der Stil ist undefinierbar.
Ein Freund meinte, die Groove Diggers wären als Hillbilly Band
vorgestellt worden.
Dem Namen nach muss ich sagen, hätte ich sie eher ins Psychobilly-Feld
verbannt. Was sie machen, ist weder das eine, noch das andere. Weder
Johnny Burnette, noch Carl Perkins, die sie kopieren, hätten Freude an
den Jungs gehabt. Aber wie gesagt: Es kann auch an der Anlage liegen.
Ist sicher nicht einfach, den Sound in einem kleinen Wagen auf dem
Parkplatz hinzukriegen.
Ein wenig ausharren, hinnehmen und dann weiter - nach einem Sitzplatz
Ausschau halten. Drinnen, beim Essen und Trinken im Zelt, bilden sich
mittlerweile Schlangen. Eigentlich erstaunlich, bei den Preisen. CHF
7.00 für eine Bratwurst (eine CH-er Spezialität) ist übertrieben.
Serviert wird nicht, das blöde Bon-System gilt...also hier und da
anstehen...und dazwischen verhungern....oder verdursten..... und nach
einer Sitzgelegenheit Ausschau halten. Und das ist ein Problem. Vor Ort
sind ein paar hundert Leute, der Sitzgelegenheiten nicht genug.
Also ab vor die Bühne. Dort spielen mittlerweile die Di Maggio
Brothers aus Italien.
Nun muss gesagt werden, dass es sich beim Hangar in der Tat um einen
Flugzeug Hangar handelt. Der Sound ist also zum Vornherein zum Scheitern
verurteilt, egal, wie gut die Band ist. Und die Di Maggio Brothers
werden unter Rockabilly-Fans für mehr als gut gehalten. Für
ausgezeichnet, sogar. Dass sie qualitativ hoch stehende Musik machen,
beweisen sie auch hier vom ersten Moment an. Die drei arbeiten tadellos
zusammen, jeder kennt seinen Part, jeder weiss um seine Stärke und
spielt sie aus. Egal, ob es sich um den Jungen am Bass, den Gitarristen,
den Bassisten oder den Schlagzeuger handelt. Ihr Stil entspricht dem
klassischen Rockabilly, ohne Schnörkel, mit vielen, kurzen
Gitarrenriffs. Nur: Der Sound spielt nicht mit. Was der Begeisterung des
Publikums glücklicherweise keinen Abbruch tut.
Faszit: Ich habe Di Maggio Brothers zum ersten Mal gesehen. Mit einem
guten Mixer dürften sie unglaublich sein. Ich werde sie mir ein anderes
Mal an einem anderen Ort gerne nochmals angucken. Und sie sicher mögen.
Keine Ahnung, ob es sich wieder um einen Laien am Mischpult handelt, ob
der Ort ungeeignet ist, oder woran es liegt..... der Sound war so
schlecht, dass ich nichts Gutes für die Folgebands ahnte.
Nach einer kurzen Pause betreten 49 Special aus Portugal auf die
Bühne. Hübsche Jungs, die sympathisch 'rüberkommen. Wir haben sie kurz
zuvor in Green Bay gesehen und ich war so begeistert, dass ich die CD
kaufte.
Es gibt Bands, bei denen ist der Tonträger besser als ihre
Live-Auftritte. Bei 49 Special ist es umgekehrt. Ihre CD, so gut sie
ausschaut, ist miserabel produziert. Manchmal klingen die Aufnahmen, als
hätte sich die Band auf einem Berg befunden und der Produzent im Tal.
Die Songs haben keine Verbindung. Mal bringen sie Western Swing, mal
Hillbilly, mal Rockabilly. Eine enttäuschende Arbeit, muss ich sagen.
Doch live - und das bewiesen sie mir erneut - sind die Jungs sehr gut.
Das begann schon damit, dass der Sänger genaue Befehle zum PA-Mann
schickte. Und siehe da: Der Sound wurde besser. Noch nicht gut, aber
besser. Auch 49 Special brachten vorwiegend traditionellen Rockabilly
und Hillbilly. Das Publikum zeigte sich begeistert.
Es folgte Mike Sanchez aus England. Da muss ich sagen, dass ich
dem Klaviersound nicht viel abgewinnen kann. Und den bringt Mike nun
mal. Begonnen hat er denn auch im typischen Jerry Lee Lewis Stil.
Allmählich wechselte er aber zu Rockabilly-Nummern über und konnte auch
mich mit-reissen. Wobei, wie gesagt: Der Sound noch immer nicht besser
war.
Schiesslich war Lil Gizelle an der Reihe. Obwohl sie aus den USA
ist, haben wir sie weder in Green Bay, noch in Las Vegas gesehen. Eine
sehr gute Sängerin, muss ich sagen. Auch sie mit Rockabilly-Stücken.
Sehen konnte ich sie von meinem Sitzplatz aus nicht, aber ich denke, sie
liess sich von Mike Sanchez begleiten. Gerade bei ihr machte mir das PA
Sorgen. Ihr Gesang litt stark unter dem miesen Sound.
Und dann war der an der Reihe, für den ich ans Festival fuhr. Omar
Romero nimmt an jedem Gross-anlass in den USA teil. So ist er in
Vegas wie auch in Green Bay nicht mehr weg zu denken. Nicht nur als
Solo-Künstler, auch in Bands wie Rory Justice macht der kleine Mexikaner
auf sich aufmerksam. 'Zu Hause' leitet Omar seine eigene Band, The
Stringpoppers. Inzwischen sind schon 3 CD's auf dem Markt, jede einzelne
bietet extrem starken Rockabilly, der vor Temperament nur so trieft. Und
das tut auch Omar. Seine Live-Shows sind nicht nur musikalisch gesehen
ein Highlight, sondern gleichermassen 'was für's Auge. Nur wenige
Künstler bieten soviel Temperament auf der Bühne wie Omar Romero.
In der Schweiz musste er sich allerdings gezwungenermassen zurückhalten.
Die Bühnenbretter bebten unter seinen Tanzeinlagen. Auch wenn er sich
hier leider nicht mit Orignal-Band zeigte, sondern von den Mean Devils
begleiten liess, hielt dies Omar Romero nicht von einer sehr guten Show
ab. Und er riss die Mean Devils aus Portugal mit. So bebten die
Bühnenbretters schliesslich unter beiden - Omar und dem Bassisten.
Fairerweise muss gesagt werden, dass die Gitarre leider lauter als
Omar's Gesang ausfiel - wieder dank der schlechten Anlage. Der kleine
Sänger schien davon allerdings nichts zu bemerken. Und schliesslich
zeigte er sich ganz glücklich, dass das Publikum sogar eine Zugabe
forderte. Für Omar Romero hat sich die weite Reise gelohnt.
Wenn ich mir das so alles überlege, für uns weniger. So vieles störte -
aber vielleicht werde ich einfach nur alt (wie jemand letzthin zum Viva
Las Vegas Weekender so treffend schrieb).
In erster Linie gehe ich an ein Konzert der Musik wegen. Und die war
dank dem PA im Hangar miserabel. Die Freunde habe ich getroffen, wir
haben geplaudert, nur zu viel, wie ich fand. Nächstes Mal werde ich mich
der Musik - auch wenn sie schlecht ist - mehr widmen.
Dann die Preise. Der Eintritt ist tief, das muss man sagen. Dafür ist
die Verköstigung vor Ort ein Ding der Unmöglichkeit. Zum Ersten, weil
sie zu teuer ist, zum Zweiten, weil sie den Anforderungen nicht genügt.
Die langen Warteschlangen könnten vermieden werden.
Und wenn wir gerade dabei sind: Die Sanitär-Anlagen sind das Letzte.
Entweder muss man sich in eines dieser blauen, hässlichen
Baustellen-WC's wagen oder man nimmt die Toiletten des
Flughafen-Restaurants in Anspruch. Wie diese gegen Ende des Anlasses
aussahen, wagte ich gar nicht mehr zu überprüfen. Denn die Warterei vor
den Toiletten stellt die Blase einer Frau auf eine harte Probe.
An-scheinend auch die der Männer, denn auf dem Weg zurück zum weit
entfernten Parkplatz passierten wir Unzählige, die sich am Wegrand
erleichterten.
Und da sind wir gleich bei meiner letzten Beanstandung: Wenn man
schon so weit vom Ort entfernt parken muss - wieso ist der Ort nicht
beleuchtet? Im Dunkeln durch eine gerade geschnittene Wiese mit ihren
Unebenheiten zu laufen, ist nicht das Grüne vom Heu.....
Resultat: Ich überlege mir inskünftig, ob es sich lohnt, selbst für
einen Top-Künstler wie Omar Romero ans Hangar Rockin' zu gehen. Viel
lieber bleib' ich zu Hause und hör' mir seine CD an.