NASHVILLE SKYLINE: Johnny Cash's
spirituelle Reise
Von Chet Flippo
Johnny
Cash was ein Sünder der Weltklasse. Und ein Heiliger von Weltklasse.
Sein lebenslanger Kampf um Glauben und seine Bemühungen, Frieden zu
finden, bloss um wieder in die Sünde zurückzufallen, machen einen
grossen Teil des Dramas um sein Leben und seine Karriere aus.
Mit der neuen CD Cash: Ultimate Gospel, öffnet sich ein weiteres
Fenster mit Ausblick auf den Künstler und Mann Johnny Cash. Die Arbeit
deckt Cash’s Aufnahmen 1957-1981 ab.
Als Cash zum ersten Mal Sam Phillip’s Sun Records Studios 1954 betrat,
präsentierte er sich als Gospel Sänger. Hierauf lehnte Sam den
angehenden Künstler ab. Begründung: Gospel würde sich nicht auszahlen.
Also kehrte Johnny wenig später zurück und versuchte sein Glück erneut -
diesmal als Country Sänger. Ergo kriegte er seinen ersten
Plattenvertrag. 2 ehemalige Gospel-Nummern, die er damals aufzeichnete,
sind in dem nun veröffentlichten Tonträger eingeschlossen. Zum Einen "I
Was There When It Happened", zum Anderen "Belshazzar" (eine
Cash Komposition).
1958 verliess Johnny Cash Sun für Columbia. Auch damals, weil Phillips
kein Gospel-Album mit ihm machen wollte.
Doch auch für Columbia sollte Johnny Cash kein vollständiges Gospel-Werk
produzieren. Obschon seine 1969-er Veröffentlichung Holy Land als
"inspirational" Album gilt. Doch es gibt eine unsichtbare Grenze, wenn
man von einem religiösen Werk spricht. Holy Land entstand
ironischerweise teilweise in Israel. Gerade hatte Cash das erste Volumen
der 2 Live-Prison Album’s fertig gestellt. Und sich damit das düstere
Image als Outlaw gesichert. Auch das Konzert Johnny Cash at Folsom
Prison lag vor. Dieses offeriert indirekt eine Gospel-Nummer - dank
dem in Folsom inhaftierten Glen Sherley (dessen Komposition heisst "Greystone
Chapel".).
Aber um wieder auf Cash's spirituelle Reise zurückzukommen: Ein
wichtiger Einfluss war seine Mutter Carrie, eine überzeugte
Fundimentalistin. Der junge J.R. (wie ihn seine Eltern nannten) musste
sie regelmässig zum Gottesdienst in die Pentecostal Kirche begleiten. Zu
Hause wurden ihm demgemäss auch Gospel-Songs vorgesungen. Als Johnny’s
Bruder Jack mit 14 Jahren bei einem Arbeitsunfall sein Leben verlor,
nahm Johnny’s Leben eine dramatische Wende. Denn anstatt Jack an diesem
Morgen zu begleiten, entschloss sich der Junge, fischen zu gehen. So gab
er sich denn stets die Schuld am Unfalltod von Jack den er – so Johnny –
vielleicht hätte verhindern können.
Durch den grossen Erfolg in Nashville und die damit verbundenen Tourneen
wendete sich Cash schliesslich dem Freund der Fernfahrer, „Speed", zu.
1965 wurde er als bald in El Paso, Texas, verhaftet. Er wollte hunderte
von Pillen über die Grenze schaffen. Das Polizeifoto von damals prangt
auf der Web-Site von The Smoking Gun. Dort sieht er aus wie ein echter
Speed-Freak.
In Nashville zurück, brach The Man In Black bei einem Opry Auftritt
zusammen. Im drauf folgenden Jahr wurde Johnny Cash erneut arrestiert.
Diesmal hatte er verbotenerweise Blumen in irgend einem Garten von
Starkville, Miss., gepflückt. Die Komposition "Starkville City Jail"
bezieht sich auf diesen Vorfall.
I was whistlin', pickin' flowers, swayin' in the Southern breeze. I
found myself surrounded; one policeman said: "That's him. Come along,
wild flower child. Don't you know that it's two a.m."
They're bound to get you.
'Cause they got a curfew.
And you go to the Starkville City jail
Well, they emptied out my pockets, took my pills and guitar picks. I
said: "Wait, my name is ... "Aw, shut up." Well, I sure was in a fix.
Johnny’s erste Frau, Vivian, liess sich schliesslich von ihm scheiden.
So zog es den jungen Vater nach Nashville. Hier teilte er sich mit
Waylon Jennings ein "verlorenes Jahr" lang ein Appartement. Die beiden
Künstler mussten sogar voreinander die Pillen verstecken. Dann begann
June Carter langsam aber sicher, Johnny Cash zur Besinnung zu bringen.
Ein Jahr später gewannen June und Johnny einen Grammy für ihr Duett "Jackson."
Nicht lange und Johnny war, wie er in seiner Biografie schrieb "eine
lebende Version des Todes." Total von der Rolle und durch Speed
deprimiert, verkroch sich Cash nach Nickajack Cave in die Nähe von
Chattanooga, Tenn. Hierbei handelt es sich um eine Höhle, Zeugnis einer
Indianerschlacht und Versteck für einen Konföderierten während der
Schlacht von Lookout Mountain. Cash, auf Speed, kroch in die Höhle, um
dort zu sterben. Dann erschien ihm Gott. Als er „erleuchtet" zurück
kroch, fand er June und ihre Mutter am Eingang vor, wie er in seiner
Biografie schreibt.
Interessanterweise schloss Gary Allan "Nickajack Cave (Johnny Cash's
Redemption)" auf seiner kürzlich erschienen CD Tough All Over
mit ein. Der Tonträger erschien nach dem Selbstmord seiner Frau.
Johnny und June heirateten 1968. Sie waren glücklich miteinander, auch
wenn die Versuchung ständig präsent war.
1983 wurde Johnny Cash von einem Strauss auf seiner Tier-Farm
angegriffen. Er kam mit einigen gebrochenen Rippen und einem verletzten
Magen davon. Hierauf wurde er von Schmerzmitteln abhängig. Schliesslich
liess er sich zwecks Rehabilitation in die Betty Ford Klinik einweisen.
Demgemäss hatte Cash sicherlich unzählige Gründe, sich nach
Spiritualität und Erlösung bezüglich seines Lebens umzusehen. Anfangs
der 70er Jahre begann er, an Billy Graham Treffen aufzutreten. In den
70ern finanzierte und filmte er den Streifen The Holy Land in
Israel. Viele Kirchen bauten spezielle Leinwände auf, um den Film zeigen
zu können. Daneben schrieb Johnny Cash eine Novelle, The Man in White.
Sie handelt vom Apostel Paul. Das Neue Testament liegt von Johnny Cash
auf Kassette vor (später auf seinen CDs eingeschlossen). Nebenbei begann
J.R. ein Theologie-Studium.
Die neue CD ist eine äusserst zufrieden stellende Sammlung, die aus 24
Cash Gospel-Diamanten besteht. 3 davon sind nie zuvor veröffentlicht
worden: "My Ship Will Sail," "How Great Thou Art" und "It Is
No Secret". Was musikalisch am meisten bewegt, ist sicherlich das
Johnny-June Duett "Far Side Banks of Jordan."
Jenes wurde 27 Jahre vor ihrem Tod aufgezeichnet. Trotzdem offenbart es
eine solch zärtliche und echte Liebe, dass die Nummer heute noch
emotional berührt.
Cash war, bevor er starb, wie seine Familie berichtete, total mit sich
im Reinen. Gut zu wissen.
Und sein lang erwartetes Gospel-Album – ein Wunsch, den seine Mutter
einst hegte – ist schliesslich doch noch veröffentlicht worden.
Ende gut, alles gut, nicht wahr?
Hope Floats Soundtrack in den Läden
Der Soundtrack zum 1988 erschienenen Film Hope Floats kommt
am 24. April 2007 in einer Neuauflage in die Läden. Obschon inzwischen
2.7 Millionen-fach verkauft, war das Album ab 2000 nicht mehr
erhältlich. Den Soundtrack bestreiten u.a. Songs von Sheryl Crow, the
Rolling Stones, Lyle Lovett, Trisha Yearwood, Bob Seger and Martina
McBride, the Mavericks, Barry Manilow, the Temptations, Bryan Adams,
Gillian Welch, Whiskeytown, Deana Carter und Lila McCann. Insgesamt sind
18 Stücke eingeschlossen worden. Garth Brooks' "To Make You Feel My
Love," eine Nr. 1 Country Single, die aus dem ursprünglichen
Soundtrack hervorging, wird allerdings nicht eingeschlossen sein.
Brooks, der inzwischen seine eigenen Aufzeichnungen kontrolliert,
verkauft diese einzig an Wal-Mart.
RICHARD WEIZE VON BEAR FAMILY RECORD ERHÄLT AUSZEICHNUNG FÜR SEIN
LEBENSWERK
Richard Weize von Bear Family Records wird am 25. Mai 2007 von der
Belmont Universität die wohlverdiente Auszeichnung für sein Lebenswerk
entgegennehmen dürfen. Anlass hiezu gibt die Internationale Country
Music Konferenz.
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