Faszination Fliegen - Flughafen und
Flugzeuge hautnah
Terrassen-Fest, Freitag - Sonntag 24.-26.8.2007, Flughafen Zürich-Kloten,
SchweizDas Gute vorweg. Seit langer Zeit wurden dank dem
Terrassenfest Rockabilly, Rock'n'Roll, Hillbilly und SKA wieder einem
breiten Publikum zugängig gemacht. So kamen denn ganze Familien - nicht
nur aus der Szene - an das Fest, wo sich Hot Rods neben alten Fliegern
tummeln sollten.
Das Musikgenre war so breit gefächert wie die Herkunftsorte der
Bands. Die Musiker kamen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Italien,
der Schweiz und den USA.
Trotzdem suchten nicht Tausende das Gelände auf, sondern höchsten sein
paar Hundert. Was der minimalen Werbung im Vorfeld zu verdanken war. Der
Termin war z.B. weder auf der Rockabilly-, noch auf der Country-Seite
der Schweiz vermerkt.
Besucherrekord gab's sicher am Sonntag, da begann die Veranstaltung
allerdings auch schon um 10 Uhr.
Parallel zu den Konzerten und der exzellenten Autoausstellung konnte
man auf dem Eventdock ein Flughafenkino und eine Aviatikbörse besuchen.
Die Zuschauerterrasse B bot ein breites Gastro-angebot, eine alte DC-6
neben einer Super Constellation und einem Flugsimulator.
Leider war das Konzert-Angebot mehr oder weniger durchgehend, so dass
Interessierten kaum Zeit blieb, die restlichen Angebote des Festes
auszuprobieren.
Und nun etwas detaillierter:
Freitag, 24.8.2007
Areal 102
Programm:
19.45 Uhr Hillbilly Moon Explosion (Schweiz)
21.45 Uhr Wild Wax Combo (Dänemark)
Den Abend eröffnete die Hillbilly Moon Explosion, eine Band, die
auch im Ausland gerühmt wird.
Als wir ankamen, war's kurz vor 21.00 Uhr. So haben wir lediglich noch
die drei letzten Stücke mit-gekriegt, zugegebenermassen. Vielleicht kann
ich mir deshalb kein Urteil bilden, aber nach Hillbilly suchte ich
umsonst. Durch die hohen Gesangseinlagen der Lady hatten die Nummern
sogar einen leichten Psychobilly Touch. Auch war die Anlage - wie nicht
anders zu erwarten - mies eingestellt. Was die Gruppe nicht zu stören
schien.
Ich weiss nicht (und dies gilt auch für den Rest des Festivals) wieso
keine Jungs aus der Szene für einen solchen Job angestellt werden.
Rockabilly ist 'was Spezielles. Da liegt das Schwergewicht nicht alleine
beim Schlagzeug, nicht mal unbedingt beim Sänger, sondern gleichermassen
beim Bass und der akustischen Gitarre. Und auch wenn es 'nett' ist, das
ein Typ von der Disco nebenan als Mixer einsprang - gepasst hat da gar
nichts!
Okay. Zurück zu den Hillbillies. Der Gesang der Lady gefiel mir
überhaupt nicht. Manchmal schien sie die Töne zufälligerweise zu
treffen. Die Stimme des Sängers war glücklicherweise besser. Trotzdem:
Am zweiten Tag, so wurde vor Ort beschlossen, wollte ich die Gruppe
nicht mehr sehen.
Nach Konzert-Ende gab's eine geschickt gemachte Einlage mit einer
Oldtimer-Parade - direkt an der Bühne vorbei. Die Erklärungen waren
interessant, passierten doch Autos wie ein Buick 8, ein Ford Pick-Up,
ein Ford GT40, ein Chevy Bel-Air '55, ein Fiat Abartha, ein paar Lotus'
und ein paar Harleys die interessierten Zuschauer. Selbst ein Löschwagen
aus den 50er Jahren war mit von der Partie.
Strassen- und Rennwagen, plus Hot Rods, also. Der Erzähler konnte das
Publikum geschickt in den Bann ziehen, die Fahrer hörten nicht immer auf
ihn.
Die Wild Wax Combo liess sich Zeit für den Soundcheck. Und
verriet dem Mixer bis ins genaueste Detail, was sie wie wollte. So
hatten denn die 3 Jungs am Ende einen weit besseren Sound zur Verfügung,
als die Hillbilly Moon Explosion - alleine dank der Zeit, die sie in den
Soundcheck inve-stierten. Es folgte ein gutes Set, die
Songzusammenstellung bestand grösstenteils aus alten Rockabilly-Nummern
im Stile von Johnny Burnette. Zwei Nummern hielten sich eher an Robert
Gordon, zwei Nummern waren von Johnny Cash. Ein Highlight machte
unbedingt der Schlagzeuger. Es geht eben nichts über Drummer, die um die
Benutzung von Brushes wissen.
Mit der Zeit wurde aber auch der Sound der Wild Wax Combo etwas
langweilig. Was alleine daran lag, dass immer derselbe Junge sang. Keine
Harmonien, keine Showeinlagen ausser dem üblichen Sprung auf den
Kontrabass mit der Gitarre in der Hand.... Schade.
Alles in allem bewies das Trio aber, das es nicht hinter anderen
Gruppen zurückstehen muss.
Samstag, 25.8.2007
Areal 102
Programm:
12.30 Uhr The Reptiles (Schweiz)
17.00 Uhr Hillbilly Moon Explosion (Schweiz)
20.00 - 23.00 Uhr Marti Brom (Texas) & The Starlighters (Italien)
Für uns wurde der Samstag zu früh eröffnet. Weshalb wir auf die
Reptiles und auf die Hillbilly Moon Explosion verzichteten.
Unseren Höhepunkt sollte ohnehin Marti Brom machen. Wobei im Vorfeld zu
bedenken war, dass Marti - leider - keine eigene Band besitzt. Der
Auftritt mit den Starlighters war also ein Risiko.
Bis die Queen of Rockabilly die Bühne betrat, verging allerdings noch
etwas Zeit. Obwohl Marti den Soundcheck um 19.30 Uhr machte. Der
übrigens sehr viel versprechend ausfiel.
Am Anfang war Marti Brom, ganz in schwarz gekleidet, nicht
schlecht. Was nicht nur ihrer tollen Klei-dung (eine komplett mit
Fransen verzierte Hose und ein tief ausgeschnittenes Oberteil mit Strass
besetzt) lag. Die Band arbeitete gut mit Marti zusammen. Und die Stücke
wurden klever gewählt. Für mich erstaunlich war Marti's Version des
Bluegrass-Klassikers "Rocky Top", der dank ihr zum Rockabilly
wurde. Es folgte eine Reise durch die Musik der 50er Jahre: Blues,
Rockabilly und Hillbilly wechselten sich ab. Irgendwann war aber der
Wurm drin. Keine Ahnung, ob die Band den Song nicht kannte oder
irgendwie ausser 'Rand und Band' geriet..... ab Patsy's Cline "Seven
Lonely Days" fiel jedes Stück viel zu schnell aus. Vor allem diesen
Titel hätte ich auch von der Sängerin besser erwartet. Obwohl ich
absolut überzeugt bin, dass sie den Song beherrscht, machte ihre Stimme
nicht mit. Im Anschluss hieran liess Marti betreffend Tempo eine
Bemerkung fallen - aber diese schien niemanden zu interessieren - am
allerwenigsten die Band. Die Sängerin war auch bald mit anderem
beschäftigt - etwa damit, sich die Jungs in der vordersten Reihe vom
Leibe zu halten, die Spasses-halber über die Abschrankung klettern
wollten. Kein Wunder - Marti's Stimme ist so stark, dass sie nicht nur
jeden vom Stühlchen reisst, sondern gewissen Typen anscheinend auch den
Verstand raubt.
Ein Nonsens war, dass der Veranstalter am Ende der Show nochmals um ein
Stück bat, das Marti bereits gebracht hatte. Schlagfertig, wie sie ist,
sagte sie, ihr mache es nichts aus, er sei ja der
Veranstalter........... Dass die Nummer jedoch nicht mehr so stark wie
vorher ausfiel, war wohl ein kleiner Racheakt ihrerseits.
Mit Marti Brom kann ich nun einen Namen mehr auf meiner Wunschliste
streichen. Ich hätte sie mir zwar besser gewünscht, dennoch erwartete
ich ehrlich gesagt, schlimmeres. (Mein Tipp: Sollte sie jemals mit den
Barnshakers aus Finnland in Deutschland auftreten - RENNT HIN!). Dass
Marti die Rockabilly Queen ist, hat sie mir dennoch bewiesen.
Um 22.30 Uhr war das Konzert beendet und wir machten uns zufrieden auf
den Heimweg.
Am Sonntag erfuhr ich dann, dass Marti im April 2008 in Finnland
auftritt. Hernach reist die Sängerin aus Austin, Texas, nach
Russland......
Sonntag, 26.8.2007
Areal 102
Programm:
12:30 Uhr Little Neal & The Blue Flames (Deutschland)
14.30 Uhr The Seatsniffers (Belgien)
Little Neal & The Blue Flames hatten Anlaufschwierigkeiten.
Ungewollte und Unverschuldete. Der Bass funktionierte nicht. Also gab's
gleich zu Beginn eine Verzögerung. Die nicht gerade für Er-heiterung im
Publikum sorgte, zumal die lauen Witze des Veranstalters nicht für
bessere Stimmung sorgten.
Die Jungs gaben sich Mühe, das Problem rasch möglichst in den Griff zu
kriegen. Eas ihnen auf den ersten Blick zu gelingen schien. Aber der
Augenschein trügt manchmal. Von Anfang an war der Bass nicht hörbar. Was
auch für die akustische Gitarre gilt. Dreimal machte der Sänger in der
Folge den Versuch, beim Mixer um eine andere Einstellung zu bitten, doch
umsonst. Dafür übertönte seine Stimme und seine Gitarre alles.
Auch für Little Neal & The Blue Flames gilt dasselbe, wie für die Wild
Wax Combo. Ihr Sound war sehr gut, doch da nur ein Junge sang, wirkte
alles rasch eintönig - was weder die Songs, noch die Band verhindern
konnten. Gegen Ende schienen die Jungs den Fehler zu bemerken. So
wechselten sie sich bei "Rockin' Robin'" am Gesang ab. Ich
fürchte allerdings, da war es schon zu spät. Die Lange-weile hatte sich
bereits eingenistet. Nichts desto trotz sind die Berliner sympathisch.
Sie geben sich viel Mühe - wozu auch der Kontakt zum Publikum gehört,
den sie rege pflegen. Um ca. 13.30 spielte die Band ein letztes Mal.
Die Seatsniffers mussten einen Fallschirm-Springer abwarten, der
erfolgreich vor der Bühne landete. Ueli Gegenschatz sprang bei
1'000-1'500 m über Boden aus dem Helikopter in die Tiefe - vom Publikum
genauestens beobachtet.
Dadurch verzögerte sich der Auftritt der Seatsniffers. Dafür hatten sie
sich vor dem Sprung viel Zeit beim Soundcheck genommen.
Das Beste daran war, dass sie ihren eigenen Soundingenieur mitbrachten.
Die Gitarristen, der Saxophonist, der Bassist und der Schlagzeuger
(GRETSCH!!) fingen mit einer lüpfigen Rock'n'Roll Nummer an. Und so
folgte ein Stück auf das Andere. Eher im Rock'n'Roll, denn im
Rockabilly-Stil. Nach 15.00 Uhr befand sich die Band, die hinreissend
klang, plötzlich auf Abwegen. Wenigstens für mich. So spielten sie denn
3 SKA-Stücke hintereinander, bis mein Temperament mit mir durch ging
(besser: Bis meine Geduld zu Ende war) und ich den Ort des Geschehens
verliess. Eigentlich hatte ich ja auf das irre Stück "Rosalita"
gewartet - leider umsonst.
Fazit: Eine sehr gute Band, die Seatsniffers, wenn auch mit Vorsicht zu
geniessen.
Manchmal verlässt man ein Fest halt, NACHDEM's am Schönsten war......