| Buckaroo Doyle Holly - möge er in
Frieden ruhen 13.1.2007:
Es wird kein Gottesdienst abgehalten. Doyle wünschte sich, kremiert zu werden. Folgende Meldung hinterlässt Doyle Holly: "Er dankt allen. Seiner Familie, den Freunden und jenen, die für ihn beteten. Doyle möchte, dass alle wissen, wie sehr er ihre Gebete, ihre Sorgen und ihre Genesungswünsche geschätzt hat. Doch dieses eine Mal sollte alles anders sein. Beinahe 5 Jahre hat er gegen Krebs gekämpft. Jetzt ruht er in Frieden. Er ist bei Gott Dort gibt es keine Schmerzen." Diese Nachricht überbrachte Doyle's Ehefrau Ginny. Unter all den grossen Country Bands der 60er Jahre war keine erfolgreicher als Buck Owens und seine Buckaroos. Obschon das Line-Up öfters änderte (selbst Merle Haggard fungierte eine Zeit lang, anfangs 1962, als Bassist), bestand die klassische Zusammensetzung (1964-1967) aus Owens, Lead-Gitarrist Don Rich, Schlagzeuger Willie Cantu, Steel Gitarrist Tom Brumley und Bassist Doyle Holly. Bis heute wird die Band als eine der besten im Country-Feld bezeichnet. Den Ruf verdankt sie den vorantreibenden Rhythmen, den engen Harmonien von Owens und Rich und die Lead-Gitarrenarbeit des Letzteren. "Ich denke, was alles auf den Nenner brachte, war die Kombination", erinnerte sich Holly. Anfangs Mai hatte er neues Solo-Album "Together Again" gerade veröffentlicht. Hierauf gab er am Telefon ein Interview. Das hier wiedergegeben wird. Doyle meinte zum Erfolg von Buck & seinen Jungs: "Jeder war zur rechten Zeit am rechten Ort." Holly, 66-jährig, kam in Oklahoma zur Welt und verbrachte seine jungen Jahre auf den Ölfeldern von Oklahoma, aber auch von Kansas und Kalifornien. Nachdem er sich in Bakersfield niederliess, entdeckte er die Musikszene der Stadt. Bald fand er heraus, dass diese soviel abwarf wie die Ölfelder. Ergo begann er selber aufzutreten. Zuerst fungierte Doyle als Bandmitglied von verschiedenen Country- und Rock'n'Roll-Ensembles. Darunter Joe und Rose Lee Maphis, Jimmy Wakely und Johnny Burnette. Auch tingelte Holly mit Jack Lord (aus Hawaii-Fünf-Null) per Rodeoshow durch die Lande. Doyle bestätigte, im August 1963 durch Don Rich zu den Buckaroos gestossen zu sein. Schon damals, so Holly, sammelten die Bandmitglieder Telefonnummern von Musikern, die sie beeindruckten. Dies hinsichtlich des ständig wechselnden Line-Ups. "Damals war ich in einer Band namens Lucky Spot. Ich freundete mich mit Don an. Er stellte mich ein, als Kenny Pierce kündigte. Keine Ahnung, wer Tom Brumley anstellte. Entweder Buck oder Don. Ich nahm mit Don zusammen Willie Cantu unter Vertrag." 1963 - 1971 machte Holly bei den Buckaroos mit. Die Zusammenarbeit brachte über 30 Singles in den Country Top 40 ein. Etwas mehr als die Hälfte schaffte es auf den ersten Platz. Dort hielten sie sich gewöhnlich ein paar Wochen. Den Höhepunkt erreichte die Band im Jahr 1966. 17 Wochen lang nahmen Buck Owens Singles damals Platz 1 ein, d.h. 1/3 des Jahres.
"Während ich weg war, machte Buck einen Film. Eine Filmcrew reiste mit der Band im Bus umher. Ehrlich gesagt, habe ich den Streifen nie gesehen. Ich denke nicht, dass Buck sehr stolz drauf war." Nach seiner Rückkehr blieb Holly weitere 4 Jahre bei der Band. Im November 1971 verliess er sie ein letztes Mal, um sein eigenes Ensemble, The Vanishing Breed, zusammenzustellen. "Ich wollte es alleine versuchen. Ich dachte mir, ich hätte es so weit wie möglich gebracht (als Buckaroo). Obschon Buck auf jedem Album ein paar Songs zum Besten gab. Er hatte keine Schwierigkeiten damit. Ich denke, kein anderer Superstar hätte so gehandelt." Holly konnte anfangs 70er Jahre ein paar Solo-Erfolge verzeichnen. Darunter 2 Top 40 Country Hits unter eigenem Namen. Auch veröffentlichte er 2 Solo-Alben auf dem Barnaby Label. Trotzdem war Doyle 1982 das Leben unterwegs leid. So eröffnete er einen Musikinstrumenten-Laden in Hendersonville. Hier steckte er ein paar Jahrzehnte lang seine ganze Energie 'rein. "Ich beendete von heute auf morgen alles", gab er zu. Ich wollte nicht mehr länger touren oder aufzeichnen. Aber Johnny Russell wollte unbedingt eine CD machen, also sagte ich mir: "Nun - warum eigentlich nicht? Ich hab' ja nichts besseres zu tun." Obwohl Russell in den 70er Jahren ein paar Solo-Hits laufen hatte, war er vorwiegend als Songwriter bekannt. Vor allem für sein Stück "Act Naturally", das 1963 für Owens zum Hit wurde. Dasselbe Lied brachte den Beatles 1965 einen Kassenschlager ein. Schliesslich schlossen sich Owens und der ehemalige Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr für ein Duett desselben Titels zusammen (1989). Inzwischen plante Russell ein von Bluegrass getragenes Album mit Buck Owens Hits. Holly sollte den Gesang übernehmen. Unglücklicherweise verschlechterte sich Russell's Gesundheitszustand, als 2/3 des Albums fertig gestellt waren. So landete das Album auf dem Abstellgleis. Bis der Boss von OMS, Hugh Moore, die Angelegenheit übernahm. Denn Russell verstarb 2001, Hugh wollte das Projekt dennoch zu Ende führen. "Hugh Moore, der auf dem Album am Banjo wirkt, ist Bluegrass-Produzent", sagt Holly. Seine Stärke liegt im Bluegrass. Auch ich liebe diese Musik. Mein Album sollte ein wenig mehr nach Bluegrass klingen. Ich wollte mehr von Del McCoury's Band durchscheinen lassen." "Together Again" erschien im Mai bei OMS Records. Das Album wurde zu einem grossartigen Bluegrass/Bakersfield Aushängeschild. Mitwirkende sind die Ex-Buckaroos Brumley und Cantu, wie auch Owen (bei 2 Duetts mit Holly: "Foolin' Around" und "Love's Gonna Live Here"). Selbst Bobby Osborne und Jeannie Seely glänzen als Duett-Partner. Erstaunlicherweise zupft Holly auf dem Album keinen Bass. Er meinte dazu: "Ich hab eine Zeit lang nicht mehr gespielt, obwohl ich noch ein Instrument besitze. Mike Bub, Del McCoury's ehemaliger Bassist, beteiligte sich stattdessen. Ich war mit Singen beschäftigt, um das Bass-Spiel kümmerte ich mich deshalb nicht." Der einzige klassische Buckaroo, der bei den Aufzeichnungen nicht dabei war, ist Gitarrist Don Rich. Er verstarb bereits im Sommer 1974 nach einem Motorrad-Unfall im Alter von 32 Jahren. Rich's Tod war für Owen's ein Schlag; persönlich wie auch betreffend Karriere. Holly vermisste Rich ebenfalls. "Don war ein grosser Teddybär, der die Welt für einen wieder in Ordnung brachte. Irgendwann rief z.B. jemand um 2 Uhr morgens bei ihm an. Dieser jemand meinte: 'Meine Batterie hat den Geist aufgegeben. Du musst mich abholen.' Die Person nahm an, Don wisse, wer am Draht sei. Also versprach Don, in einer Minute vor Ort zu sein. Der Typ solle einfach sagen, wo er sich befinde.' Der Pechvogel gab seinen Standort bekannt, Don machte sich bereit und fragte nur noch: 'Wer ist überhaupt am Telefon?'" Obwohl Holly's neues Album das einzige ist, bei dem die überlebenden Mitglieder des klassischen Buckaroo-Line-Ups seit 1967 mitwirkten, sagte Doyle aus, er sei bereits anfangs der 90er Jahre von RCA um ein Reunion-Album gebeten worden. Obschon das Projekt nie verwirklicht wurde, lauteten die Pläne dahingehend, das berühmte 1964-1967-er Line-Up wieder ins Leben zu rufen und auch andere ehemalige Mitglieder einzubeziehen. "Sie wollten, dass ich alle Original-Buckaroos zusammentrommelte, unterstützt von anderen Musikern, die mit Buck gearbeitet haben. Es kam sogar die Idee auf, aus "Together Again" eine Instrumental-Arbeit zu machen. Tom Brumley, Ralph Mooney und Jay Dee Manness würden sich daran beteiligen. Letztere haben ebenfalls bei Owen's Aufzeichnungen in den 60er Jahren mitgewirkt. "Vielleicht ging es RCA zu langsam", meinte Holly, gefragt, weshalb es nie zur Verwirklichung der Pläne kam. "Eventuell stand jemand auf ihren Füssen. Vielleicht trage ich die grösste Schuld. Ich wusste, dass die Benutzung des Original-Namens der Buckaroos Probleme nach sich ziehen konnte. Buck besass ein Patent dafür. Er hatte ein Projekt laufen, deshalb konnte er der Weiterbenutzung des Namens unmöglich zustimmen." In den 60er Jahren schienen alle Buckaroos-Fans zu sein. Selbst die Beatles machten von Buck Owens '63-er Hit "Act Naturally" nicht Halt. Die Buckaroos ihrerseits erwiderten das Kompliment, schlossen sie doch "Twist and Shout" auf dem 1966er Album "Carnegie Hall Concert" ein. Dabei trugen sie übrigens Beatles-Perücken. Man sagt von den Beatles auch, sie hätten eine ständige Bestellung in Auftrag gegeben. Alle neuen Buck Owens Platten sollten nach England an die Fabulous Four verschickt werden. Doyle: "In Liverpool sollten wir mit Ringo und John dinieren. Ich blieb aber nicht lange, wollte ich doch auf einer Dampflokomotive mitfahren. Don war ein grosser Beatles Fan. Ich war auch einer, aber weniger als Don. Könnte ich's heute wiederholen, würde ich da bleiben und mit den Beatles speisen." Nach seinem Lieblings-Buckaroo-Album gefragt, meinte Holly: "Zweifellos das Carnegie Hall Album. Es verkauft sich auch heute noch gut. Die Shows waren ausverkauft. Die Leute kamen in Fräcken und Abendkleidern in die Carnegie Hall und mussten sich in den Gängen niedersetzen." "Carnegie Hall Concert" repräsentiert denn auch in mancherlei Hinsicht den Höhepunkt der Buckaroos. Owens und seine Truppe waren die zweite Country Band, welche dort ein live Album aufzeichnen durfte (1962 machten Flatt & Scruggs die Pioniere). Das Album der Buckaroos zeigt denn auch einen tadellosen Vortrag. Obwohl Holly meinte - erstaunlicherweise - dass das Werk ein wenig ruhiger ausfällt, als die typischen Buckaroos Shows jener Zeit, wies er darauf hin, dass sich die Gruppe damals extrem zusammenriss, wusste sie doch, dass alles aufgezeichnet wurde. "Wir waren extrem nervös. Wenn man aufzeichnet, möchte man Fehler vermeiden. Wir waren alle wahrscheinlich mehr erpicht darauf, die Platte zu machen, als das Volk zu unterhalten. So fragte ich Buck zum Beispiel, ob er eine komödiantische Einlage bringen wolle. Er meinte: 'Nein, wir spielen bloss.' Dann lief doch alles ab wie eine reguläre Show: Wir machten Witze und brachten Impressionen." Holly konnte voller Stolz auf seine Arbeiten zurückblicken, haben sie doch Interpreten wie die Eagles, die Desert Rose Band oder die Derailers wesentlich beeinflusst. "Jede Wette. Wir waren nicht Country, obschon wir davon ausgingen. Ich würde sagen, wir waren eine Truppe Bluegrass-Musiker mit elektrischen Gitarren. Don war sehr vielseitig. Er mochte die Beatles. Er mochte The Band.......... wir nahmen von The Band ca. 3 oder 4 Stücke auf." "Wann immer wir einen guten Song zur Hand hatten, haben wir ihn aufgezeichnet."
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