Die IBMA Award Show

Nicht nur die Gewinner wurden an der International Bluegrass Music Association Awards Show (4. Oktober 2007) diskutiert, sondern auch die Verlierer.
Obschon sie nominiert waren, mussten die einstigen IBMA Gewinner Alison Krauss, Rhonda Vincent, Ricky Skaggs und Del McCoury mit leeren Händen nach Hause gehen. Nicht besser erging es Cherryholmes.
Dafür konnten die Grascals (Foto) feiern. Das zweite Mal hintereinander kriegten sie den Preis als Entertainer of The Year. Auch Tony Trischka und die Infamous Stringdusters triumphierten in 3 Kategorien.
Bradley Walker (Foto) nahm den Preis als bester männlicher Interpret nach Hause. So mussten sich denn Larry Sparks, Ronnie Bowman, Tim O'Brien und Russell Moore geschlagen geben. Nachdem sie ein paar Jahre knapp den Preis verpasste, entschied Dale Ann Bradley (Foto)als beste weibliche Sängerin im Jahr 2007 die Schlacht diesmal für sich. Damit setzte Dale die Vincent, Krauss, Sonya Isaacs und Claire Lynch ausser Gefecht.
Walker und Bradley waren die Favoriten des Publikums. Als bekannt wurde, dass sie einen Preis nach Hause nehmen durften, kam es zur stehenden Ovation. Michael Cleveland, der den Preis für die beste instrumentale Gruppe des Jahres mit seiner Truppe, the Flamekeepers, abräumte, kriegte ebenfalls eine. Cleveland, der blind ist, wurde auch zum Fiddler des Jahres erkoren.
Doyle Lawson & Quicksilver nahmen den Preis als beste Gesangsgruppe und für die beste Gospel-Aufnahme ("He Lives in Me") nach Hause. Das von Trischka geschaffene Album Double Banjo Bluegrass Spectacular kriegte den Preis für das beste instrumentale Album und die beste Aufzeichnung des Jahres. Zusätzlich wurde Trischka zum Banjo-Spieler des Jahres gewählt.
Um das Album des Jahres kämpften J. D. Crowe & the New South's Lefty's Old Guitar gegen das Album der Infamous Stringdusters Fork in the Road. Um den Abend noch spannender zu machen, gewannen die Stringdusters den Preis für die besten Neulinge im Geschäft. Schliesslich durften sie noch den Preis für den Song des Jahres mit Chris Jones und John Pennell für "Fork in the Road" entgegen nehmen.
Der Bluegrass Veteran Sam Bush (Foto) meisterte die Feierlichkeit grandios. Sein anfänglicher Monolog über Anlässe, die ihn zum Bluegrass-Liebhaber machten, glänzten dank lebhafter Anekdoten, die nicht nur lustig, sondern auch zutreffend waren.
So erinnert sich Bush, wie er Nashville's Ryman Auditorium besuchte. Hier durfte er beobachten, wie Bill Monroe mit dem jungen Peter Rowan Harmonien sang. Auch erinnerte sich Bush daran, wie er mit seinem Vater in Jim & Jesse's Tournee Bus "1 ½ Blöcke weit" mitfahren durfte. Nur um den Künstlern den Hintereingang zur High School seiner Heimatstadt Bowling Green, Ky., zu zeigen. Bush erzählte auch, wie Lester Flatt bei einer Erkältung durch die Nase blies, gleichzeitig das Taschentuch hervor nahm und keine Note auf seiner Gitarre dabei verpasste. Oder wie Jimmy Martin non-chalant seinen Kaugummi ins Publikum eines Bluegrass Festivals spukte.
"Wenn man Bluegrass Musik macht," meinte er bedachtsam, "geschieht etwas Grossartiges." Frisch gekämmt, sprachbegabt und völlig entspannt, wirkte Bush als einer der effektivsten und unterhaltsamsten Gastgeber der Gegenwart.
Die Show lief tadellos ab. Viele Auftritte versüssten die weniger interessanten Präsentationen. Jedes präsentierte Team durfte auf der Bühne normalerweise 2 Preise entgegennehmen. Eine Praxis, die sich bewährte.
Kurz vor der Show gab Ansager Eddie Stubbs bekannt, dass nur ein Mitglied der Band sprechen und sich die Rede auf höchstens 30 Sekunden beschränken sollte.
Die Sets wurden nicht gewechselt. Die Auftretenden warteten hinter einem Vorhang, so dass sie musizieren konnten, nachdem ihnen die Trophäen ausgehändigt wurden. Die Schwachstelle machten die Filmclips, in welchen Wichita Rutherford die Pluspunkte der Bluegrass Musik einem Jüngling erklärte. In einem intimen Rahmen hätte der Film Wirkung gehabt. Aber im Opry House wirkte er lächerlich.
Wirksame Auftritte lieferten die Cherryholmes' mit "Don't Give Your Heart to a Knoxville Girl" (mit Stepp-Tanz-Einlage), Ricky Skaggs und die Whites' mit "Salt of the Earth," Bradley Walker mit dem vibranten "Life or Love" und Sam Bush mit "Bringing in the Georgia Mail" ab. Russell Moore, der für Rhonda Vincent einsprang und von ihrer Band unterstützt wurde, lieferte eine gute Version von "Footprints in the Snow" ab.
Stubbs gab die neuesten Aufnahmen in die Bluegrass Hall of Fame bekannt: Carl Story, the Father of Bluegrass Gospel Music und der Bassisten Howard Watts (der unter dem Namen Cedric Rainwater auftrat) machten die Neueintritte. Story starb 1995, Watts 1970.
Story ist für seinen Falsetto Gesang und seine Gitarre bekannt geworden. Zu seinen Hits zählen "He Will Set Your Fields on Fire," "If You Don't Love Your Neighbor," "My Lord Keeps a Record" und "Family Reunion."
Watts trat Bill Monroe's Band 1943 bei und gesellte sich 1945 zu dem jungen Earl Scruggs und Lester Flatt, um bei jenem speziellen Bluegrass-Stil mitzuwirken, der bis heute dominant geblieben ist.
Bush gab bekannt, dass die IBMA weitere Preise dem Dobro Pionier Mike Auldridge, dem The Bluegrass Breakdown Magazin (mit Heimat in Kalifornien) und dem Tschechischen Bluegrass-Enthusiasten Marko Cermak zugedacht hat. Auch dem Event-Produzenten und Philanthrophisten, Warren Hellman; Happy und Jane Traum, Gründer der Homespun Records and Tapes Musik-Instruktions-Serien, ging ein Preis zu.
Normalerweise erhalten Präsentanten keine stehende Ovationen. Doch als Sonny Osborne die Bühne betrat, um den letzten noch ausstehenden Preis - den Entertainer of The Year Award - zu übergeben, sprang das Publikum sofort auf die Füsse. Der Jüngere der Osborne Brothers, Banjospieler Sonny, hat sich vor einigen Jahren vom Musikgeschäft zurückgezogen und lässt sich seither bei Musikanlässen nur selten blicken. Als er den Preis den Grascals übergeben durfte, schien Sonny äusserst bewegt.
"Geht 'raus und spielt Bluegrass" verabschiedete Bush das Publikum am Ende des Abends.
Andrea Weber
 
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