Freitag, 17. März 2006
Heinz Flückiger & Band - CH
TWO TONS OF STEEL – USA
Ja, auch die Schweiz hat Cowboys!!!
Jedes
Jahr treffen sie sich anlässlich des längsten Country-Festivals der Welt im
Zürcher Schützenhaus Albisgüetli. Und da stehen sie, mit Sporen und Cowboyhüten
bewaffnet, in karierten Hemden oder gar in diesen teuren Reto-Shirts, die gerade
unter Cowboys momentan „Mode“ sind.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich muss dabei immer an die Geschichte denken,
die mir ein Kollege vor Jahren erzählte. Über einen Banker, der mit seiner
grossen Karre ins Albisgüetli fährt und dabei die Western-Klamotten im
Kofferraum hat. So zieht er denn seine Krawatte und den Anzug aus und verwandelt
sich im Wagen zum echten Cowboy, bevor er sich ins Rodeo-Gewühl stürzt.
Für einmal waren wir spät dran. Eigentlich wollten wir gar nicht hingehen. Aber
die Web-Site der Two Tons of Steel hat uns schliesslich überzeugt. Und nicht nur
uns, auch „Coal“, der CH-er Country Sänger sowie Christoph Schwegler,
Country-Fan der ersten Stunde (und Radiomoderator) versteckt sich im Publikum.
Heinz Flückiger habe ich letztes Jahr bereits im Albisgüetli gesehen, da war er
nicht schlecht. Diesmal war er mies. Aber ich will ihn nicht angreifen,
mittlerweile kennen wir ja die schlechten PA-Männer und lernen gar mit diesen zu
leben. Dass sie es sogar schaffen, BR549 zu vermiesen, stösst allerdings schwer
auf.
Auch bei Heinz Flückiger mussten sie sich nicht allzu sehr anstrengen, wie zu
erwarten. Hinzufügen muss ich allerdings auch, dass dessen Repertoire alleine
schon für Verwirrung sorgt. Wie kann jemand zwischen CCR, Swing à la Brian
Setzer, Real Country und Bruce Springsteen hin und her schwanken? Die Orgel ist
überflüssig, wenn wir gerade dabei sind und die Geige – selbst verstärkt – war
nicht hörbar. Wenn ich allerdings das Mädchen beobachtete, muss ich sagen, dass
ich darüber nicht unglücklich war. Den Abschluss von Heinz’ Show machte
erstaunlicherweise Wynn Stewart’s „Big Big Love“, was dessenungeachtet für den
Interpreten spricht ..fragt sich nur, ob er den Song nicht von Molly & The
Haymakers kennt....
Alles
in allem kein guter Start für Two Tons of Steel, die sich bereits neben dem PA
versammelt hatten und kritisch den Sound beurteilten (ich möchte gar nicht
wissen, was sie sich dabei zuflüsterten). Wir sind froh, als die Band von Heinz
Flückiger schliesslich ihren Auftritt beendete.
Um ca. 21.00 Uhr folgen dann Two Tons Of Steel. Ich persönlich fand es schade,
dass die roten Haare des Sängers durch einen überdimensionalen, etwas komisch
wirkenden Western-Hut und eine Buddy Holly-Brille verdeckt wurden. Aber das ist
Nebensache.
Die Band bestand aus einem sehr guten Schlagzeuger, Chris Dodds, (wenigstens
haben die Organisatoren gecheckt, dass sie diese Musiker am Besten hinter eine
Glas-Wand verbannen), einem Bassisten, Ric Ramirez, dessen Kontrabass trotz
kräftigen Gezupfes leider ungehört blieb (wieder einmal unserem liebenswerten
PA-Mann zu verdanken), einem einmaligen Gitarristen, Dennis Fallon, (der sich
schon aussehensmässig deutlich von allen anderen Personen im Raum unterschied)
und dem Sänger, Kevin Geil. Letzterer hatte zwar eine gute Stimme, kann es aber
definitiv nicht mit Chuck Mead (Sänger von BR549) aufnehmen. Kevin’s Stimme hält
sich eher an Buddy Holly, deshalb kam dessen „Fade Away“-Song gerade recht.
Was mir auch auffiel, war die Begrüssung der Schlagzeuger „am Rande“. Chris
Dodds von Two Tons of Steel ging ohne langes Federlesen auf den Schlagzeuger von
Heinz Flückiger zu und sprach kurz mit diesem. Hat mir gefallen.
Die
Band schien überhaupt von Anfang an in ausgezeichneter Party-Laune zu sein. Der
Ansager stellte dem Publikum die Musik der Gruppe erstaunlicherweise als
„Country-Billy“ vor. Der langjährige Rockabilly-Fan in mir betont aber, dass es
sich entweder um Hillbilly oder halt um Rockabilly handelte. Auch wenn diese
Ausdrücke heutzutage anscheinend nicht mehr willkommen sind.
Das zweite Stück der Band, „Skinny Jim“ machte dies deutlich und unterstrich
geradezu die Stärke der Band. Schade, dass bei „You Know“, einem getragenen Song
aus ihrer neuesten CD „Vegas“, das Geschwätz der Menge immer lauter wurde.
Auch das ist etwas, was mir am Albisgüetli immer wieder auffällt. Anscheinend
trifft man dort alte Freunde wieder, mit denen man sich entweder stundenlang
unterhält, flirtet oder betrinkt. Die Musik scheint vielen zweitrangig zu sein –
leider gerade in den vordersten Reihen, den Leuten, die am nächsten bei der
Bühne sitzen. (DAS macht der Band sicher Laune!).
Keine Ahnung, ob irgendwem auffiel, dass Kevin anscheinend eine Vorliebe für
Chris Isaak hat. So brachte er denn „Diddley Daddy“ und 2, 3, an Chris
angelehnte weitere Stücke. Am besten gefallen hat uns „Red Hot“ –ein
Rockabilly-Klassiker, aber auch „Maybe Baby“ (Buddy Holly) und „T for Texas“
(die Band stammt aus San Antonio, der schönsten Stadt Amerika’s) kamen gut an.
„I’m So Lonesome, I Could Cry“ war für mich, als Hank Williams Fan, ein echtes
Highlight. Es folgte “Blue Moon”, ein starker Song.
3 Zugaben verlangte das Publikum und die Band – allen voran Kevin – wurde immer
fanatischer. Um 23.30 Uhr beendeten Two Tons Of Steel passenderweise ihren
Auftritt mit dem Stück „Fade Away“ von Buddy Holly.
Eine gute Band, ein gutes Konzert, abgesehen vom dumpfen Sound, der aber, wie
bereits erwähnt, dem PA zu verdanken ist.
Was ich mir wünsche? Diese Band in ihrer Heimat Texas zu sehen– oder aber, sie
erneut in der Schweiz, mit einem neuen Mann am PA, begrüssen zu dürfen.
Unser Gepäck bestand an diesem Abend auf jeden Fall aus einer handsignierten
Vegas- sowie einer (noch besseren) „Tansparent“-CD der Hauptgruppe, TWO TONS OF
STEEL.