7. Spring Bluegrass Ferstival Willisau (Schweiz) Rückblick

Web-Seite: www.bluegrass-willisau.ch

13:00 Türöffnung

14:00 – 14.45 Bluegrass Beans (CH)

15:00 – 15:20 Neil Rosenberg & Terri Thomson (Neufundland) ausgefallen

15:30 – 16:05 Hunger Mountain Boys (USA)

16:20 – 17:15 The Abrams Brothers (Kanada)

17.30 – 18:15 Carmel Sheerin & The Ravens (Irland)

18:15 – 19:30 Pause

18:45 –19:15 Workshop Rosenberg (Bühne)

19.30 – 20:00 Bluegrass Beans

20:15 – 20:40 Neil Rosenberg & Terri Thomson

20:50 – 21:30 Hunger Mountain Boys

21:45 – 22:30 Carmel Sheerin & The Ravens

22:45 – 23:30 The Abrams Brothers

Vorderhand: Wir haben nicht das ganze Festival geniessen können. Schuld daran war der lange Anfahrtsweg. Dass wir dabei sein mussten, war klar, denn die Hunger Mountain Boys standen auf dem Programm. Diese haben wir denn auch genossen – in vollen Zügen.

Nach dem zweiten Set "meiner Jungs" machten wir uns auf den Heimweg. Für unseren Geschmack hatten wir das Beste gesehen – wenn auch die Folgegruppen interessant, sympathisch und gut sein mochten.

Sicher hat sich die Begeisterung des Publikums später noch gesteigert – aber unsere hätte nicht grösser werden können. Wie heisst es doch so schön: "Wenn's am Schönsten ist, musst Du gehen." Daran haben wir uns gehalten.

In der Folge also ein "kurzer Abriss" der Veranstaltung – bis zum zweiten Set der Hunger Mountain Boys.

Das Festival selbst fand zum ersten Mal im Landwirtschaftsmuseum von Alberswil statt. Dieses eignet sich ausgezeichnet für einen solchen Anlass – abgesehen von der Kälte des Raumes (zumal bei Regen und heftigem Wind). Die Räumlichkeiten waren ganz auf Bluegrass ausgerichtet. Die IBMA war vertreten, die Abrams Brothers und die Hunger Mountain Boys wie auch Carmel Sheerin hatten kleine Buden aufgestellt, wo sie ihre Ware (CD's, T-Shirts, Autogrammkarten) feilboten. Die obligaten Ess- und Getränkestände (Hühnchen, Eingeklemmte, sowie unser gefährlicher Café Lutz (Kaffee mit Schnaps) ergänzten das Angebot wirkungsvoll.

Der Anlass begann pünktlich, nur sassen wir nicht zeitig auf unseren Plätzen. Zum Zeitpunkt unseres Eintreffens musizierten die Bluegrass Beans bereits.

Bluegrass Beans / Schweiz (1. Set)

web-Site: www.bluegrassbeans.ch

Formation:

- Hugo Imgrüth / Bass

- Adrian Zuber / Mandoline

- Gerry Carisch / Banjo

- Erich Ritter / Gitarre

Die Bluegrass Beans aus der Schweiz eröffneten das 7. Spring Bluegrass Festival in Willi-sau. Ohne grosses Federlesen betraten sie, in Latzhosen und karierte Hemden gekleidet, die Bühne. Alle, bis auf den Bassisten, liessen sich durch ein Mikrofon verstärken. Die Sänger wechselten sich ab. Mal spielte Erich Ritter, dann Adrian Zuber den "Bossman". Das Re-pertoire der Bluegrass Beans besteht indes vorwiegend aus Bluegrass Standards. Zum er-sten Set, das oft durch lästige Piepstöne des PI's gestört wurde, gehörten Songs wie "Hot Corn", "How Mountain Girls Can Love" (Stanley Brothers), Albert Lee Brumley's "Rank Stran-ger" aus dem Jahr 1942 oder "He Brought The Change" (das Stück heisst wahrscheinlich anders) sowie eine ungewöhnliche Version von "Tom Dooley". Letztgenannte Nummer begann die Band schnell statt getragen, mit Harmonien gespickt. In diesen liegt auch die Stärke der Band – für mich. Erich Ritter besitzt eher eine Country- als eine Bluegrass-Stimme. Adrian Zuber's Gesang passt weit besser zum gewählten Musikstil. Dennoch: Abwechslung tut gut.

Das Publikum war in ausgezeichneter Laune und forderte demgemäss eine Zugabe. Diese machte "Cotton Fields" (John Fogerty, CCR). Mein Nachbar ertrug das Stück zähneknirschend. Glücklicherweise war er der einzige CCR-Fan im Raum.

Als Vorbilder listet die Band auf ihrer Web-Site übrigens Ricky Skaggs, Tony Rice, Bela Fleck, Mark Schatz und Doyle Lawson auf. Ich war froh, kamen diese, mit Ausnahme von Dolye, doch eher progressive Wurzeln nicht zum Vorschein. Statt dessen hält sich die Band an die traditionelle Form des Bluegrass.

Da Neil Rosenberg und Terri Thompson, seine Lebensgefährtin, den Weg ins abseits gelegene Alberswil bis zu ihrem ersten Set nicht fanden, fiel dieses aus.

Die Hunger Mountain Boys übernahmen ihren Part. Peinlich fand ich, dass sie vom Gastgeber als "Hunger Boys" angesagt wurden. Nein, ich habe nichts gegen den Mann, er war sehr sympathisch und machte seine Sache verglichen mit anderen sehr gut. Nur dieser Fauxpas...na ja...

The Hunger Mountain Boys (1. Set)

Web-Site: www.hungermountainboys.com

Formation:

- Teddy Weber Gesang/Gitarre/Dobro

- Kip Beacco Gesang/Mandoline/Fiddle/Gitarre

 

Die Hunger Mountain Boys machten – wie bereits angetönt – meine Festival-Favoriten. Nicht nur, weil Teddy's Nachname auf Schweizer Wurzeln deutet. Ihre CD "Blue Ribbon Waltz" hat mich von Anfang an begeistert. Man bedenke: Es handelt sich bei den Hunger Mountain Boys um zwei sehr junge Männer, einer davon, Kip, bewegte sich dereinst in der Rock-Musik, der jüngere, Teddy, im SKA-Umfeld. Letzterer spielte sogar klassische Musik, u.a. auf dem Klarinett. Noch erstaunlicher finde ich, dass sich gerade diese beiden für einen Stil entschieden haben, der hauptsächlich auf den Brüder-Duetten der 20er, 30er Jahre basiert. Die Vorbilder Kip's und Teddy's sind denn auch u.a. die Louvin und Delmore Brothers.

Egal. Die Bluegrass-Musik hat durch das Erscheinen der Hunger Mountain Boys definitiv gewonnen und nicht nur an Fans, sondern auch an Qualität.

Teddy und Kip bewiesen das vom ersten Ton an, bereits als sie in Anzügen, mit Hut und Krawatte die Bühne betraten. Das Duo startete mit "Hang My Hat" (Kip Beacco), einer eher rassigen Nummer, die aber gleich ihren Stil deutlich machte. Dem folgte "Cold Feet" (L. Schwartz), dann eine spassige Nummer, die ich nicht kenne. Hernach nahm Teddy die National Steel Gitarre zur Hand. Er setzte diese für 2 Stücke ein, u.a. bei "I Got The Blues, Honey". Kip indes musizierte abwechslungsweise auf der Gitarre und der Mandoline. Mit "Kathy Dear" faszinierten die Boys alle, die eher für sentimentale, tragische Songs sind. Wunderschön, genau wie auf dem Blue Ribbon Waltz Tonträger.

Übrigens erscheint in ca. 1 Monat die nächste Hunger Mountain Boys CD.

Ein weiteres Stück war: "Will You Miss Me When I'm Gone". Zum Abschluss präsentierten die Boys ihren wunderschönen, instrumentalen "Blue Ribbon Waltz" (Kip Beacco). Selbstverständlich musste auch diese Band eine Zugabe geben. Und ganz offensichtlich freute sich keiner mehr darüber als die Hunger Mountain Boys selber.

The Abrams Brothers

Web-Site: www.theabramsbrothers.ca

Formation:

- Wayne Abrams / Kontrabass (die Reise-Ausgabe, verstärkt)

- / Mandoline, Gitarre

- / Banjo

- Brian Abrams / Rhythmus-Gitarre

- James Abrams (14-jährig) / Fiddle

- Bob Burtch / Gitarre

- Brandon Green / Banjo

Den Mittelpunkt der Band machten von Anfang an die Brüder James und John Abrams. Mit ihrer jugendlichen Energie, dem entsprechenden Temperament und dem Spass an der Sache nahmen sie das Publikum sofort für sich ein.

Die Abrams Brothers eröffneten die Show mit "Think Of What You've Done", gefolgt von "Another Night". Wer glaubt, Stücke wie letzteres, voller Traurigkeit und Resignation, sei der älteren Generation vorbehalten, irrt sich gewaltig. Die Brüder belehrten die Zuhörer eines Besseren. Man vergass ob dem intensiven, mehrstimmigen Gesang schlichtweg, dass auf der Bühne 3 Generationen vertreten waren.

Der Sprecher der Gruppe, Vater Brian, verriet im Anschluss, dass eine Tribut CD für Arlo Guthrie und Bob Dylan anstehe. Seine Aussage untermauerte die Nummer "Oklahoma Hills", von Woody Guthrie geschrieben. Um noch deutlicher zu werden, offerierten die Abrams Brothers "City Of New Orleans". Der Komponist des Liedes ist kein geringerer als Arlo Guthrie. John Abrams brillierte bei dieser Gelegenheit mit einem Mandolinen-Soli.

Die nächste, offizielle CD der Abrams Brothers erscheint übrigens im Juni oder Juli dieses Jahres, wahrscheinlich auf einem unabhängigen Label.

Schliesslich erzählte Brian, seine Band stamme aus Kanada. Aus dem Bezirk Audubon, um genau zu sein. Zur Betonung ihrer Herkunft stimmten die Abrams Brothers die Nummer "Carry On" an. Das Lied entstammt jener Gegend. "I Heard My Mother Call My Name In Prayer" folgte. Ich kenne die ausgezeichnete Version von James King, aber auch diejenige der Abrams Brothers kann sich hören lassen. Den Stanley Brothers Song überliess die Band Grossvater Wayne Abrams zusammen mit Bob Burtch. Die beiden traten als Duo auf (nur an der Mandoline und der Gitarre). Das Stück, das die beiden aussuchten, war "I Wanna Be Kissed Only By Your Lips, Dear". Die beiden widmeten die Nummer ihren Ehefrauen, welche sich im Publikum befanden.

Zur nächsten Nummer vereinigte sich die Band erneut. Sie zollten der Gruppe Blue Highway Tribut, als sie deren Stück "I Was Born With The Hammer In My Hand" rezitierten. Damit brachten sie den einzigen Song, der mir nicht gefiel. Aber nicht, weil die Band ihn minderwertig vortrug, er war perfekt. Nur - der Stil war progressiver Bluegrass. (Mehr darüber später).

"How Long Blues" wurde die Zugabe und der krönende Abschluss.

Es folgte:

Carmel Sheerin & The Ravens

Web-Site: www.bluegrassravens.com

Formation:

- Carmel Sheerin / Lead- & Harmonie-Gesang

- Danny Sheerin / akustische Gitarre, Lead- & Harmonie-Gesang

- Des Sheerin / Kontrabass & Harmonie-Gesang

- Tom Sheerin / Mandoline, Fiddle & Harmonie-Gesang

- Tom Hanway / Banjo, Gitarre, Lead- & Harmonie-Gesang

Carmel begann mit 14 Jahren zu singen. 2005 wurde die Band zur besten Bluegrass Band Europas gekürt (European World of Bluegrass, 7. Mai 2005). Zeit für die Irländer, in der Schweiz aufzutreten. Den Banjo-Spieler haben wir schon per Zufall auf dem Parkplatz getroffen. Ein Witzbold. Sein eigenartiges Banjo kündigte jedoch den Stil der Ravens an: Progressiver Bluegrass.

Uns fehlte die lange Pause, deshalb liefen wir nach den Hunger Mountain Boys hinaus und kamen dadurch etwas später zurück, in der Mitte eines Songs der Ravens, um genauer zu sein. Das Mädchen selber (also Carmel) passt meiner Meinung nach eher in die Real Country Welt. Ihre Stimme hat gar nichts mit Bluegrass zu tun. Uns reichten ein paar Töne und wir entschlossen uns zu einer langen Pause.

Mehr kann ich über Carmel Sheerin nicht erzählen.

Inzwischen war

Neil Rosenberg

eingetroffen und hielten seinen Work-Shop ab. Unter Workshop kann man viel verstehen, aber ich will nicht voreilig sein. Unsere Pause zog sich hin. Als wir schliesslich zurück in den Saal kamen, erzählte Professor Neil Rosenberg aus Neufundland gerade eine Anektode betreffend John Candy (ja, der Schauspieler) und Big Mon (Bill Monroe). Aber die war nicht minder interessant. Habt Ihr gewusst, dass die Beiden ein Bootleg machten? Und welchen Song sie dabei vortrugen? "Blue Moon Of Kentucky"!!!

Professor Neil Rosenberg ist, nebenbei erwähnt, Autor des Buches: Bluegrass – A History, erhältlich bei: www.pressuillions.edu (Universität von Illinois).

Leider war der Workshop mit der Anekdote auch schon vorbei. Also haben wir ihn verpasst. Was ich sagen kann ist, dass es NICHT um einen Musik-Workshop ging, sondern eher um die Erklärung des Begriffes Bluegrass, verbunden mit dessen Geschichte.

Bluegrass Beans / Schweiz (2. Set)

Zeit für das zweite Set der Bluegrass Beans, der Schweizer Formation. Diesmal trugen die Boys zu ihren Latzhosen weisse Hemden. Wahrscheinlich getrauten sich die Piepstöne ob des festlichen Outfits nicht mehr, von sich reden zu machen. Sie schwiegen beharrlich. Nicht aber die Band. Die waren in bester Laune. Bekannte Stücke wie "Bile Them Cabbage Down", "Send The Angel For My Darlin" (Big' Mon), "Oh, Carolina" und "Sittin' On Top Of The World" lösten einander ab. Die Lacher hatten die Bluegrass Beans sicher auf ihrer Seite, als sie als Schweizer Ausgabe der ZZ-Tops auftraten oder – wie sie meinten – im "Oh Brother, Where Are Thou"-Look. Gemeinsam trällerten sie "In the Jailhouse Now" in ihre Hillbilly-Bärte. Damit überraschten sie die Humorvollen. Die Überraschung für Musik-Kenner folgte in Form von "Summertime", dem Klassiker von Gershwin. Nach wie vor bin ich von Wayne Hancock's Version absolut begeistert, aber diese hier war auch nicht schlecht. Mutig, jedenfalls. Adrian Zuber wagte sich an das Stück. Ein Instrumental machte den Abschluss, die Zugabe wurde "Hot Corn, Cold Corn ".

Neil Rosenberg & Terri Thomson

Neil Rosenberg Banjo

Terri Thomson Fiddle

Inzwischen war es Zeit für Neil Rosenberg's & Terri Thomson's musikalische Einlage. Der Professor für Volkskunde holte zu diesem Zweck sein Banjo hervor, begleitet wurde er lediglich von seiner Lebensgefährtin, Terri Thomson, an der Fiddle.

Der Sound bestand aus purer Old-Time Music. Die Stücke, die sich der Professor hierfür aussuchte, waren: "Roving Gambler", "Down The Road", "This Morning". Den Schluss machten Nummern wie "Little Maggie", "It's A Hard Road To Travel", "Old Joe Clark" und "A Hard Way Of Life". Die Zugabe stellte "John Henry" dar.

Ehrlich gesagt, konnte mich dieser Schau-Teil nicht überzeugen. Ich bin wohl zu sehr auf John Hartford's Fiddel eingestellt. Terri Thomson hielt sich meiner Meinung nach entweder sehr zurück, oder ihr Instrument kam schlichtweg kaum zur Geltung. Neil Rosenberg behielt auch im musikalischen Teil den Professor bei, d.h. für mich handelte es sich mehr um einen Vortrag oder eine Vorführung, denn um ein Konzert. Eine Demonstration des Old Time.

Zusammengefasst mögen Professor Neil Rosenberg und Terri Thomson zwar Kenner ihres Faches sein, sicher auch sympathische Leute, aber als Musiker Mittelklasse. Vielleicht sollte mich beeindrucken, dass Neil Rosenberg mit Bill Monroe musizierte.

Aber der Vortrag war sicherlich lehrreich.

Das Publikum reagierte entsprechend. Ich hörte Kommentare wie: "Das ist einfach ZU ausgefallen". Dennoch forderte die Menge eine Zugabe. Trotz allem eine wohlverdiente.

The Hunger Mountain Boys (2. Set)

Kip Beacco begann das zweite Set mit einem rasanten Fiddle-Instrumental. Hervor gingen auch "Kiss Me Quick And Go", "Departure Day" und "Dreamin'". Nachfolgend bedankte sich die Band bei ihrem abwesenden Europa-Manager (in Holland ansässig), dem Soundmann, der wirklich Grossartiges leistete. Auch dem warmen Willkommen zollten Kip & Teddy Tribut. Das Dankeschön kam in Form eines Stanley Brothers Songs: "I Don't Want Your Rambling Letters". Das Duo hängte "I'm Going Back Where Times Stands Still" (Teddy Weber) und mein neues Lieblingsstück, das Motto auf ihrem T-Shirt: "Nashville, Don't Touch My Country Music", an.

Dann gab sich Teddy menschenfreundlich und fragte das Publikum, ob es in der Schweiz oft so windig sei (was wird er erst in Holland sagen). Glaubt's oder glaubt's nicht: Normalerweise keineswegs. Aber an diesem Tag war's wie verhext. "Must be because it's a long valley" beantwortete der Kleine seine Frage gleich selbst.

Dann stimmte das Duo die nächste Nummer an, Dave Cantrell's "Take Me Back". Es folgten: "Steel Guitar Rag" (Milton Brown), "Show Me Way To Go Home" und " Fiest Here Tonight". Zwei Zugaben verlangte das Publikum. Die Letzte machte "Way Too Long".

Ja – und wir machten uns auf den "Way Home".

Alles in allem ein gelungener Abend. Ein tolles Festival. Herzlichen Dank an alle, die es möglich machten.

PS: Entschuldigt bitte die fehlenden Fotos von Carmel & den Abrams Brothers.