37. Trucker- & Country Festival in Geiselwind vom 18.-21.05.2018

  • Es gibt nur wenige Festivals in Deutschland, die seit mehr als 35 Jahren bestehen. Als Anton „Toni“ Strohofer am 26.06.1981 seine Tankstelle an der A3 bei Geiselwind eröffnete, konnte niemand ahnen, dass dies einmal der größte Rasthof Europas werden würde.
    Bereits in Oktober 1981 fand das 1. Trucker & Country Festival auf dem Tankstellengelände statt.
    In den Folgejahren wurde das Festival dann auf das Pfingstwochenende verlegt, und der Rest ist Geschichte…

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich ab etwa 1986 jedes Jahr die Livemitschnitte von Tom Jeier auf Bayern 3 (verbotenerweise) gehört habe und davon geträumt habe einmal dort dabei zu sein… Dass nur wenige Jahre später die innerdeutsche Grenze fallen würde, hat zu dem Zeitpunkt niemand ahnen können.
1990 war ich dann selbst das erste Mal dort und habe u.A. „Restless Heart“ live erlebt.

Inzwischen ist es das 37. Festival in diesem Jahr und das Programm war bunt gemischt. Da ich am Freitagabend erst gegen 22:30 Uhr in Geiselwind angekommen bin, hab ich die erste Band „Just Country lite“ leider verpasst. Dafür stand dann mit den „Continentals“ eine der besten Rock’n’Roll-Formationen Deutschlands auf der Bühne. Die Band wurde 1980 in München gegründet und spielt einen Mix aus Rock’n’Roll, Rockabilly, Country & Blues, gewürzt mit einer Prise Southern Rock. Egal ob es Songs von Elvis Presley, Jerry Lee Lewis oder Johnny Cash oder ihre eigenen Titel sind, bei den Jungs klingt es einfach authentisch. Nicht umsonst haben sie zahlreiche Preise im Laufe ihrer Bandgeschichte gewonnen. Und natürlich durften die Musiker die Bühne nicht ohne Zugabe verlassen.

Samstag stand dann erstmal ein Bummel über das Gelände auf dem Programm… Hunderte LKWs aus ganz Europa konnte man da bestaunen. Oft mit atemberaubendem Airbrush verschönert, blitzendes Chrom und oft unüberhörbare Hupen… Außerdem, wie jedes Jahr, sind zahlreiche Händler da, vom klassischen Western-Store über Truck-Zubehör bis zu Donuts, Crepes, Steaks & Bratwurst oder Fischbrötchen, ist alles vorhanden. Auf dem Anhänger des Promotiontrucks der Zeitschrift „Fernfahrer“ spielte wie jedes Jahr tagsüber die Band „Sawyer“. Wenn man da so zwischen den vielen Lastwagen unterwegs ist, kann es passieren, dass man die Zeit nicht mehr „im Blick hat“, zumal wenn man dort noch Freunde trifft, die man lange nicht mehr gesehen hat.
So kommt es, dass ich glatt den Auftritt von Daniel T. Coates und den von Nicki leider verpasst habe.
Die Band „High South“ wollte ich mir dann aber nicht entgehen lassen. Die Band aus Kalifornien besticht durch ihren klaren, sauberen Satzgesang, so das man so dass man fast am Überlegen ist, ob es nicht doch die legendären Eagles sind, die da auf der Bühne stehen… Perfekter Westcoast-Sound im Stil der „Eagles“ und anderer Bands der damaligen Zeit wie „The Byrds“, „America“ oder „Flying Burrito Brothers“. Eine Band, die man sich auf jeden Fall merken sollte, wenn man auf diesen Stil steht.
Nach der Show ließen es sich die Musiker nicht nehmen und schrieben Autogramme, bis auch der letzte Fan seins hatte.

Musikalisch begann der Sonntag um 16:00 Uhr mit „Kings Cotton“. Diese Band aus dem Umkreis von Hanau gibt es nun auch schon seit den 1990er Jahren, aber lange Zeit hat man nix mehr von der Gruppe gehört, bis sie dieses Jahr in neuer Besetzung wieder durchgestartet sind. Auffälligste Neuerung ist die neue, charmante Frontfrau Jasmin Glessner. Mit ihrer klaren Stimme und ihrer Power ist sie prädestiniert für Songs von Dolly Parton, Shania Twain oder Gretchen Wilson.
Im Anschluß gab es noch mehr „Frauenpower“. „The Road Chicks“ sind eine Band rund um Alina Mahrhofer, die in Geiselwind gesanglich von Stephanie Leypoldt unterstützt wurde. Moderner, rockiger Countrysound, ideal für alle Linedancer, mit Songs von Tammy Wynette bis Carry Underwood. Es macht einfach Spaß, den beiden Ladies zuzuhören. Auch dieses Set ging leider viel zu schnell vorbei und im Anschluß gab es noch lange Schlangen am Autogrammtisch um CDs, T-Shirts oder Schokolade zu kaufen, bzw. für Fotos mit den Mädels. Ein Fan ließ sich sogar Autogramme auf seine Glatze schreiben. 🙂

Für Viele folgte nun der Höhepunkt des Abends, Tom Astor. Der Sänger aus dem Sauerland ist einer der ganz Wenigen, die schon 1981 beim allerersten Festival in Geiselwind dabei waren. Und der Seniorchef des Autohofes ließ es sich auch nicht nehmen, mit Tom auf der Bühne darauf anzustoßen.
Insgesamt mehr als 50 Auftritte hatte der Interpret zu den verschiedensten Veranstaltungen bisher in dem Rasthof am Kilometer 330 der A3, welcher auch namensgebend für eine ehemalige Musik- Fernsehsendung bei RTL war. Das neue Album „Gegen den Strom“ ist seit Februar diesen Jahres auf dem Markt und so fanden sich einige Songs daraus auch im Programm wieder. Aber was wäre ein Tom Astor -Konzert ohne die alten Klassiker wie „International Airport, Frankfurt am Main“, „Geistertruck“, „14Tage auf dem Brenner“ oder“ Radwechsel“? Klar, dass diese Lieder nicht fehlen durften und teilweise in Medleys verpackt natürlich auch kamen.
Den Abschluß des Abends bildete aber dann noch die Band „Amarillo“, die leider ohne ihren eigentlichen Sänger „Sebbo“ auskommen mußte, weil dieser zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus war.
Dafür ist kurzfristig der aus Neodesh/Kansas stammende Künstler Travis Truitt eingesprungen, der seit 2003 in Deutschland lebt und eng mit Sebbo befreundet ist. Und Travis war mehr als nur Ersatz. Er fügte sich perfekt in die Band ein und setzte damit aus meiner Sicht noch einen ganz besonderen
Höhepunkt des Abends.

Pfingstmontag stehen traditionsgemäß noch mal zwei Bands auf der Bühne. Den Anfang machte „Country Blend“ aus dem Umkreis von Schweinfurt. Die „Jungs“ rund um Dieter „Didi“ Blender hatten das Publikum voll im Griff. Wo immer sich ein wenig Platz bot, waren Linedancer, so dass es manchmal etwas schwierig war von einer Seite der Halle zur anderen zu kommen.
Den Abschluss bildeten traditionsgemäß, wie schon in den Vorjahren die „Fabulous Texadillos“. Dirk Kampa ist der Frontmann des Quartetts, welches sich authentische Honkytonk-Music auf die Fahnen geschrieben hat. Der etwas ungewöhnlich klingende Name der Band leitet sich von den besonders in Texas und Mexiko vorkommenden Gürteltieren, welche im englischen Sprachraum „Armadillo“ genannt werden ab. Auch hier war wieder, wie schon am Vortag bei „Amarillo“, und davor bei Daniel T. Coates einer der besten Pedal-Steeler Deutschlands an seinem Instrument zu erleben, der aus dem Frankfurter Raum stammende Dietmar „Didi“ Wächtler.

Was aber wäre ein solches Festival ohne Moderation? Die charmante Österreicherin Silvia Steinleitner führte das Publikum, wie auch schon die letzten Jahre zuvor, gekonnt durch das Bühnenprogramm.

Hiermit geht auch ein ganz herzliches Dankeschön an das gesamte Team des Rasthofes, die Sound- & Lichttechniker und alle, die im Hintergrund arbeiten um eine solche Mammutveranstaltung jedes Jahr zu organisieren und am Laufen zu halten.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Jahr, wenn es zu Pfingsten wieder heißt: „Trucker- & Country Festival in Geiselwind.